Walid Raad, Festival of (In)Gratitude, 2026, Mixed-Media-Installation, Galerie Thomas Schulte Berlin, Gallery Weekend Berlin 2026, Installationsansicht mit umgedrehtem gelbem VW Käfer, Foto: GRAYSC
Walid Raad, Festival of (In)Gratitude, 2026, Mixed-Media-Installation, Galerie Thomas Schulte Berlin, Gallery Weekend Berlin 2026, Installationsansicht mit umgedrehtem gelbem VW Käfer, Foto: GRAYSC – Mit freundlicher Genehmigung von: galeriethomasschulte / Galerie Thomas Schulte

Wann: 01.05.2026 - 03.05.2026

Galerie Thomas Schulte entfacht zum Gallery Weekend Berlin 2026 ein kraftvolles Zusammenspiel von Malerei, Erinnerung und Macht – drei künstlerische Positionen, die sich zwischen visueller Klarheit und inhaltlicher Dringlichkeit aufladen.

Im Rahmen der Ausstellung Berlin präsentiert die Galerie ein präzise gesetztes Programm, das den Ton dieses Wochenendes entscheidend mitbestimmt. Mit Jonathan Lasker, Walid Raad und José Montealegre entfaltet sich ein Dreiklang, der nicht auf schnelle Effekte setzt, sondern auf nachhaltige Irritation – subtil, intelligent und mit jener Intensität, die den Blick schärft.

Mit „Like a rubber rung on a ladder“ führt Walid Raad in eine andere Sphäre. Seine Installationen verbinden Innen- und Außenraum, Realität und Konstruktion. Was zunächst leicht und beinahe verspielt erscheint, trägt in Wahrheit die Schwere historischer Brüche in sich. Raad arbeitet mit Fragmenten von Erinnerung, mit Geschichten von Gewalt und Macht, die sich nicht linear erzählen lassen. Seine Arbeiten sind visuelle Denkprozesse – poetisch, vielschichtig und von leiser Unruhe durchzogen.

Bereits im Vorübergehen verschiebt sich die Wahrnehmung. Im Schaufenster liegt ein gelber VW-Käfer auf dem Dach – ein Relikt aus den späten 1960er-Jahren, vertraut und zugleich radikal entzogen. Die Form ist sofort lesbar, doch ihre Lage irritiert. Was einst für Mobilität und Fortschritt stand, kippt ins Gegenteil. Das Bild bleibt haften, weil es keine eindeutige Antwort gibt – nur die leise, aber insistierende Ahnung, dass hier etwas aus der Ordnung gefallen ist.

Jonathan Lasker, Return The Favor, 1986, Öl auf Leinwand, 152,4 x 177,8 x 3,81 cm, abstrakte Komposition mit rosa Hintergrund und grünen Linien, Galerie Thomas Schulte Berlin Foto: GRAYSC
Jonathan Lasker, Return The Favor, 1986, Öl auf Leinwand, 152,4 x 177,8 x 3,81 cm, abstrakte Komposition mit rosa Hintergrund und grünen Linien, Galerie Thomas Schulte Berlin Foto: GRAYSC – Mit freundlicher Genehmigung von: galeriethomasschulte / Galerie Thomas Schulte

Jonathan Lasker zeigt mit „Double Play“ eine konzentrierte Auswahl seiner großformatigen Arbeiten aus den 1980er-Jahren, ergänzt durch neuere, reduzierte Formate. Seine Malerei wirkt wie ein visuelles Denken auf Leinwand – analytisch, strukturiert und doch voller überraschender Wendungen. Linien, Flächen und Gesten stehen nicht still, sie verhandeln sich selbst immer wieder neu und eröffnen ein Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Intuition.

José Montealegre setzt mit „Drastic Measures“ einen markanten Gegenpol. Seine Skulpturen und Arbeiten auf Papier greifen historische Instrumente von Autorität auf und transformieren sie in Objekte, die gleichzeitig vertraut und verstörend wirken. Materialität wird hier zum Träger von Bedeutung – Spuren von Kraft, Druck und Eingriff sind nicht verborgen, sondern bewusst sichtbar gemacht. Es ist eine Kunst, die nicht erklärt, sondern konfrontiert.

José Montealegre, Drastic Measures, 2026, Installationsansicht Galerie Thomas Schulte Berlin, Skulptur auf Sockel im weißen Ausstellungsraum, Foto: GRAYSC
José Montealegre, Drastic Measures, 2026, Installationsansicht Galerie Thomas Schulte Berlin, Skulptur auf Sockel im weißen Ausstellungsraum, Foto: GRAYSC – Mit freundlicher Genehmigung von: galeriethomasschulte / Galerie Thomas Schulte

Was diese drei Positionen verbindet, ist weniger ein gemeinsames Thema als eine Haltung: das Beharren auf Komplexität. In einer Zeit, die nach Vereinfachung verlangt, bestehen diese Arbeiten auf Ambivalenz, auf Mehrdeutigkeit, auf der produktiven Reibung zwischen Form und Inhalt.

Das Gallery Weekend Berlin 2026 wird damit nicht nur zur Bühne für internationale Kunst, sondern zum Resonanzraum für Fragen, die über den Moment hinausweisen. Die Präsentation bei Galerie Thomas Schulte zeigt, wie unterschiedlich künstlerische Strategien sein können – und wie stark sie wirken, wenn sie präzise gesetzt sind.

Gallery Weekend Berlin 2026 – ein Auftakt, der nicht nur gesehen, sondern gedacht werden will.

Ein Volksauto auf dem Kopf. Nach dem Ende der Ausstellung wird der VW-Käfer wieder auf seinen Rädern stehen. Ob sich auch die Autoindustrie wieder aufrichtet, bleibt eine andere Frage.

Tags: Jonathan Lasker, Malerei, Walid Raad, José Montealegre, Zeitgenössische Kunst, Installation, Skulpturen, Mixed Media, VW-Käfers

1.–3. Mai 2026
Freitag bis Sonntag, jeweils ab 11 Uhr

(Die genauen Schließzeiten variieren je nach Galerie)