Jon Rafman, „Main Stream Media“ Poster, dystopische digitale Bildwelt zwischen Überwachung, künstlicher Intelligenz und Medienkritik, 2025 © the artist. Courtesy the artist and Sprüth Magers
Jon Rafman, „Main Stream Media“ Poster, dystopische digitale Bildwelt zwischen Überwachung, künstlicher Intelligenz und Medienkritik, 2025 © the artist. Courtesy the artist and Sprüth Magers – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlung / Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Wann: 30.05.2026 - 27.09.2026

Jon Rafman verwandelt die digitale Gegenwart in einen fiebrigen Albtraum zwischen künstlicher Intelligenz, Internetkultur und emotionaler Überforderung – nun widmet die Ausstellung in Düsseldorf dem kanadischen Künstler seine erste große Museumseinzelausstellung in Deutschland.

„Main Stream Media“ Bereits das Ausstellungsmotiv wirkt wie ein verstörendes Sinnbild unserer Gegenwart: Ein Kind im violetten Pullover mit kurzen blonden Haaren steht konzentriert vor einem Bildschirm, während Teile der rosafarbenen Gehirnwindungen offen sichtbar sind und von transparenten Schläuchen sowie leuchtenden Lichtwellenleitern umgeben werden, die wie direkte Verbindungen zur digitalen Außenwelt wirken. Ein künstliches Auge ersetzt die linke Pupille, ein implantierter leuchtender Chip sitzt mitten auf der Stirn, darüber erscheint ein weiteres blaues Interface über dem rechten Auge. Im Hintergrund ragen die digitalen Fassaden einer modernen Großstadt auf – überlagert von Bildschirmen, Signalen und Medienfragmenten.

Zwischen Verletzlichkeit und technologischer Mutation entsteht eine Bildwelt, die zugleich futuristisch, hypnotisch und zutiefst beunruhigend erscheint. Jon Rafman greift dabei auf Internet-Subkulturen, Gaming-Ästhetiken, virtuelle Räume und KI-generierte Bilder zurück und entwickelt daraus immersive Installationen von enormer visueller Intensität.

Jon Rafman, „Dream Journal 2016–2019“, digitale surrealistische Szene über Überwachung, Avatare und virtuelle Identität, 2019. Courtesy the artist and Sprüth Magers
Jon Rafman, „Dream Journal 2016–2019“, digitale surrealistische Szene über Überwachung, Avatare und virtuelle Identität, 2019. Courtesy the artist and Sprüth Magers – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlung / Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

„Dream Journal 2016–2019“ zeigt eine verstörend künstliche Parallelwelt zwischen Popkultur, Konsum und digitaler Kontrolle: Ein junges Mädchen mit rosafarbener Kappe, auf der provokant „XANAX“ steht, blickt mit fast lebloser Mimik zur Seite. Das hautenge, grell gemusterte Oberteil betont die überzeichnete, avatarhafte Erscheinung der Figur. Während einer futuristischen Zutrittskontrolle wird ein Strichcode direkt in ihre Netzhaut projiziert beziehungsweise gescannt. Im Vordergrund erscheint eine Security-Figur mit künstlicher Gesichtsmaske und nahezu entmenschlichter Physiognomie.

Im Hintergrund entfaltet sich eine surreale, künstlich wirkende Freizeitwelt mit grell ausgeleuchtetem Karussell, ornamentierten Säulen, bunten Bodenmustern und vereinzelten Spielzeugfiguren, die an virtuelle Vergnügungsparks oder digitale Simulationen erinnern. Die sterile Atmosphäre, die überzeichneten Proportionen und die glatte Oberflächenästhetik erzeugen den Eindruck einer synthetischen Realität zwischen Videospiel, Social-Media-Filter und dystopischer Konsumwelt.

Jon Rafman verbindet in dieser Bildwelt Ästhetiken aus Videospielen, virtuellen Plattformen, Internet-Subkulturen und digitalem Konsumrausch zu einem dystopischen Szenario, in dem Identität, Überwachung und virtuelle Selbstdarstellung zunehmend miteinander verschmelzen.

Mit „Main Stream Media“ präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vom 30. Mai bis 27. September 2026 einen der international wichtigsten Künstler im Spannungsfeld von virtueller Realität, Medienästhetik und digitaler Wahrnehmung. Rafman, der 1981 in Montreal geboren wurde, untersucht seit Jahren die psychologischen und kulturellen Folgen einer Welt, die zunehmend von Bildschirmen, Algorithmen und künstlich erzeugten Wirklichkeiten geprägt wird.

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen beschreibt den Künstler als eine zentrale Position der digitalen Gegenwartskunst. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Verführung und Kontrollverlust, zwischen Popkultur und existenzieller Isolation. Besonders bekannt wurde Rafman durch seine filmischen Arbeiten und virtuellen Bildwelten, die internationale Aufmerksamkeit auf der Biennale von Venedig erhielten.

Jon Rafman, „Main Stream Media“, surrealistische Figur mit mehrfachen Augen und monumentalen Flügeln in dystopischer digitaler Bildwelt, 2025
Jon Rafman, „Main Stream Media“, surrealistische Figur mit mehrfachen Augen und monumentalen Flügeln in dystopischer digitaler Bildwelt, 2025 – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlung / Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

„Jon Rafman (geb. 1981 in Montreal) gehört zu den bedeutendsten Künstlern, die sich mit dem digitalen Zeitalter auseinandersetzen. Seine Videos, Filme und immersiven Installationen untersuchen, wie digitale Kultur Beziehungen, Verbundenheit und Entfremdung nebeneinander existieren. Dabei greift er auf Internet-Subkulturen, virtuelle Welten und KI-generierte Bilder zurück.“

Die Ausstellung in Düsseldorf gibt einen umfassenden Überblick über Rafmans Schaffen seit 2008. Neben frühen Arbeiten sind auch spätere Werke wie das Video in Spielfilmlänge „Dream Journal 2016-2019“ zu sehen, das bereits 2019 auf der 58. Biennale in Venedig präsentiert wurde. Besonderes Augenmerk gilt dem neuen Werk „Main Stream Media Network“ aus dem Jahr 2025, das mit KI-generierten Musikvideos bewusst an die Bildsprache des MTV-Zeitalters der 1980er-Jahre anknüpft.

Rafmans Arbeiten wirken dabei nicht wie klassische Medienkritik, sondern wie emotionale Zustandsbilder einer Generation, die zwischen Dauervernetzung, virtuellen Identitäten und algorithmischer Überforderung lebt. Gerade diese Mischung aus technologischer Faszination und unterschwelliger Beklemmung macht seine Installationen derzeit so relevant.

Mit „Main Stream Media“ zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eine Bildwelt, die weniger wie ferne Science-Fiction wirkt als vielmehr wie eine beunruhigende Zuspitzung unserer Gegenwart – geprägt von digitalen Identitäten, künstlicher Wahrnehmung, Überwachung und der permanenten Verschmelzung von Mensch, Medien und virtueller Realität.

Tags: Jon Rafman, Digitale Kunst, Gegenwartskunst, KI-Kunst, Künstliche Intelligenz, Installation, Medienkunst, Videokunst, Biennale di Venezia, Blue Chip Art

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