Die Galleria Borghese bietet für dieses Thema einen besonders passenden Rahmen. Bereits die Entstehung der Villa außerhalb der Porta Pinciana war eng mit der Bildwelt der „Metamorphosen“ verbunden. Kardinal Scipione Borghese ließ das Casino Nobile als Ort errichten, an dem Kunst, Mythologie und Repräsentation zu einem vielschichtigen Gesamtkunstwerk verschmelzen sollten.
Im 18. Jahrhundert wurde diese Verbindung durch die Umgestaltung der Räume unter Marcantonio IV Borghese und den Architekten Antonio Asprucci weiter vertieft. Die Skulpturen rückten ins Zentrum der Säle und wurden Teil eines dekorativen Programms, das sich direkt auf Ovids Werk bezog. Dadurch wurde die Präsenz der antiken Dichtung zu einem festen Bestandteil der Identität des Hauses.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Metamorphose als schöpferische Kraft, die Körper, Materie und die Ordnung der Welt durchdringt. Die oft dramatischen Mythen Ovids lieferten Künstlern über Jahrhunderte hinweg einen unerschöpflichen Vorrat an Motiven. Liebe, Leidenschaft, Verlangen, Täuschung, Gewalt und Erlösung finden darin ebenso ihren Ausdruck wie die permanente Veränderung aller Dinge.
Der Rundgang zeichnet eine Welt nach, in der Götter, Menschen und Natur einem gemeinsamen Schicksal der Verwandlung folgen. Neben zentralen Themen wie Liebe, Jenseitsvorstellungen und Schöpfungsmythen beleuchtet die Ausstellung auch das Phänomen des „Ovide moralisé“, jener mittelalterlichen Neudeutung der Metamorphosen, die die Bildsprache der Renaissance nachhaltig beeinflusste.
Zu sehen sind Werke bedeutender Künstler vom Renaissance- und Barockzeitalter bis in die Moderne. Arbeiten von Correggio, Michelangelo, Tizian, Rubens und Poussin treten in einen Dialog mit Werken von Gérôme, Rodin und Brancusi und zeigen die anhaltende Faszination, die Ovids Erzählungen bis heute ausüben.
Das Herzstück der Ausstellung bilden die weltberühmten Skulpturen „Apollo und Daphne“ sowie „Pluto und Proserpina“ von Gian Lorenzo Bernini. Gemeinsam mit den weiteren mythologischen Meisterwerken der Sammlung unterstreichen sie die ungebrochene Bedeutung antiker Mythen für die europäische Kunst- und Kulturgeschichte.
Die Ausstellung versteht sich als sinnliche und symbolische Reise durch die Welt der Verwandlung. Sie untersucht die Spannung zwischen Ordnung und Wandel, die Fluidität von Identitäten sowie die Beziehung zwischen Körper und Natur. Metamorphose erscheint dabei nicht nur als körperliche Veränderung, sondern als ästhetische und philosophische Kategorie, die Fragen nach Zeit, Raum, Materie und Form neu stellt.
Mit „Metamorphoses. Ovid and the Arts“ verwandelt sich die Galleria Borghese im Sommer 2026 in einen Ort, an dem die großen Mythen der Antike, die Meisterwerke der Kunstgeschichte und die Idee der ständigen Verwandlung auf einzigartige Weise zusammenfinden. Eine Ausstellung, die zeigt, wie lebendig Ovids Welt auch nach zwei Jahrtausenden geblieben ist.