Bereits 1958 – noch bevor sich der Begriff der Installation in den 1960er-Jahren etablierte – schuf Nevelson in New York mit „Moon Garden + One“ ihr erstes großes Environment. Dort präsentierte sie auch ihren ersten monumentalen „Wall“, „Sky Cathedral“, eine vertikale Hommage an ihre Wahlheimat New York. Aus gefundenen Holzobjekten komponierte sie komplexe Strukturen, die sie in Kästen arrangierte, zu monumentalen Wänden stapelte und schließlich vollständig schwarz fasste. Die monochrome Oberfläche verband die einzelnen Elemente zu einer eindrucksvollen Einheit. Weit über Bezüge zur präkolumbischen Kunst, zum Kubismus oder zur Color Field Painting hinaus entwickelte Nevelson damit Orte, die nicht nur betrachtet, sondern körperlich erfahren werden wollten.
Für jedes ihrer Environments, die John Cage als music theater bezeichnete, widmete Louise Nevelson Raum und Licht besondere Aufmerksamkeit. Einige ihrer Werke tauchte sie in geheimnisvolles Blau, wodurch Schatten, Tiefe und Orientierungslosigkeit eine neue Intensität erhielten. Ihre Installationen entfalten eine geradezu theatralische Wirkung, bei der der gesamte Körper des Betrachters Teil der Inszenierung wird. Von „Dawn’s Wedding Feast“, das 1959 im Museum of Modern Art im Rahmen der Ausstellung „Sixteen Americans“ gezeigt wurde, bis zu „Mrs. N’s Palace“, dessen Titel auf Edward Albees Stück „Tiny Alice“ verweist, entsteht ein Werk, das Skulptur als umfassende räumliche Erfahrung versteht.