Independent Art Fair 2026 am Pier 36 in New York
Independent Art Fair 2026 am Pier 36 in New York – Mit freundlicher Genehmigung von: independenthq.com / Independent 20th Century

Wann: 24.09.2026 - 27.09.2026

Die Independent 20th Century 2026 präsentiert schon Monate vor ihrer Eröffnung die ersten Höhepunkte ihres Programms und bestätigt damit eindrucksvoll ihren Ruf als eines der spannendsten kuratierten Formate für Kunst des 20. Jahrhunderts. Bereits im Mai berichteten wir, warum viele Kritiker die Independent inzwischen zu den interessantesten Stationen der New Yorker Kunstwoche zählen. Nun gewährt die Kunstmesse New York erste Einblicke in ausgewählte Galeriepräsentationen der diesjährigen Ausgabe, die vom 24. bis 27. September 2026 im Breuer stattfindet.

Während viele internationale Kunstmessen vor allem mit Größe und Marktstärke werben, setzt die Independent 20th Century erneut auf sorgfältig entwickelte kuratorische Konzepte. Die jetzt vorgestellten Projekte verdeutlichen, weshalb die Messe in den vergangenen Jahren bei Sammlern, Kuratoren und Kritikern gleichermaßen an Bedeutung gewonnen hat. Statt einer Fülle einzelner Positionen stehen konzentrierte Präsentationen im Mittelpunkt, die historische Zusammenhänge sichtbar machen und neue Perspektiven auf bedeutende Künstler eröffnen.

Bereits das Titelbild vermittelt die besondere Atmosphäre der Independent. Zwischen markanter Architektur und der Skyline Manhattans entsteht eine Spannung, die den Charakter der Messe widerspiegelt: urban, international und zugleich offen für konzentrierte Begegnungen mit der Kunst. Statt spektakulärer Inszenierungen steht das bewusste Entdecken im Vordergrund.

Rita Keegan. Courtesy of Niru Ratnam.
Rita Keegan. Courtesy of Niru Ratnam. – Mit freundlicher Genehmigung von: independenthq.com / Independent 20th Century

Zu den bemerkenswertesten Präsentationen zählt die Londoner Galerie Niru Ratnam, die Arbeiten von Rita Keegan aus den 1980er Jahren nach New York bringt. Die 1949 in der Bronx geborene Künstlerin zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der British Black Arts Movement. Bereits früh experimentierte sie mit Fotokopierern, Computern, Scannern und digitaler Animation und verband diese Technologien mit Collagen, in denen Fragen nach Identität, Familie und Gemeinschaft verhandelt werden. Historische Fotografien ihrer afroamerikanischen und kanadischen Familiengeschichte verschmelzen dabei mit einer zeitgenössischen Bildsprache. Dass Keegans Werk 2028 in einer großen institutionellen Ausstellung in den USA präsentiert werden soll, unterstreicht die wachsende internationale Anerkennung ihres Werks.

José Gamarra, L'Affrontement, 2022, Öl auf Leinwand, 74 × 93 cm. Fotografie: Pascal Milhavet. Courtesy of Mariane Ibrahim (Chicago, Paris, Mexico City).
José Gamarra, L'Affrontement, 2022, Öl auf Leinwand, 74 × 93 cm. Fotografie: Pascal Milhavet. Courtesy of Mariane Ibrahim (Chicago, Paris, Mexico City). – Mit freundlicher Genehmigung von: independenthq.com / Independent 20th Century

José Gamarra entführt den Betrachter in eine scheinbar friedliche Flusslandschaft. Erst auf den zweiten Blick treten das historische Segelschiff, das kleine Boot und die verborgenen Spannungen der Szenerie hervor. Zwischen dichter Vegetation und ruhigem Wasser entfaltet sich eine poetische Bildwelt, in der Natur, Geschichte und koloniale Erinnerung auf subtile Weise miteinander verschmelzen.

Lorraine O'Grady, The Clearing: or Cortés and La Malinche, Thomas Jefferson and Sally Hemings, N. and Me, 1991/2019. Archival pigment print on Hahnemühle Baryta pure cotton photo rag paper in 2 parts, 40 × 50 in. Courtesy of Mariane Ibrahim (Chicago, Paris, Mexico City).
Lorraine O'Grady, The Clearing: or Cortés and La Malinche, Thomas Jefferson and Sally Hemings, N. and Me, 1991/2019. Archival pigment print on Hahnemühle Baryta pure cotton photo rag paper in 2 parts, 40 × 50 in. Courtesy of Mariane Ibrahim (Chicago, Paris, Mexico City). – Mit freundlicher Genehmigung von: independenthq.com / Independent 20th Century

Einen weiteren Höhepunkt verspricht die Galerie Mariane Ibrahim, die Fotografien und Collagen der amerikanischen Konzept- und Performancekünstlerin Lorraine O'Grady (1934–2024) gemeinsam mit Gemälden des uruguayischen Malers José Gamarra präsentiert. Beide Künstler setzen sich auf unterschiedliche Weise mit Kolonialgeschichte, Macht und kultureller Erinnerung auseinander. Während O'Grady historische Fotografien und Fotomontagen nutzt, erschafft Gamarra surreal anmutende Landschaften, in denen spanische Galeonen, indigene Figuren, Soldaten, Hubschrauber und Dschungeltiere gleichzeitig existieren. Gerade der Dialog zwischen Fotografie und Malerei dürfte zu den kuratorisch stärksten Präsentationen der Independent 20th Century zählen.

Ein eindrucksvolles Schwarz-Weiß-Motiv führt unmittelbar in das Werk von Lorraine O'Grady. Die schwebenden Figuren wirken beinahe traumartig und eröffnen einen stillen Dialog über Geschichte, Erinnerung und Identität. Gerade diese poetische Bildsprache macht die gesellschaftlichen Themen ihrer Arbeiten umso eindringlicher.

Rodolfo Abularach, Ojo Centro Azul No. 2, 1970–71. Ink and acrylic on paper, 30 × 30 inches. Photography by Lance Brewer. Courtesy of the Estate of Rodolfo Abularach, Marc Selwyn Fine Art, and David Nolan Gallery.
Rodolfo Abularach, Ojo Centro Azul No. 2, 1970–71. Ink and acrylic on paper, 30 × 30 inches. Photography by Lance Brewer. Courtesy of the Estate of Rodolfo Abularach, Marc Selwyn Fine Art, and David Nolan Gallery. – Mit freundlicher Genehmigung von: independenthq.com / Independent 20th Century

Nicht minder faszinierend ist die Überblicksausstellung zu Rodolfo Abularach (1933–2020), die gemeinsam von Marc Selwyn Fine Art aus Los Angeles und der David Nolan Gallery aus New York realisiert wird. Der in Guatemala geborene Künstler widmete sich über Jahrzehnte mit außergewöhnlicher Konsequenz dem Motiv des Auges. Zwischen fotorealistischer Präzision und beinahe abstrakten Kompositionen entstehen Bilder, in denen das Auge zum Sinnbild für Wahrnehmung, Spiritualität und menschliches Bewusstsein wird. Ergänzt werden diese Werke durch Zeichnungen und Gemälde, die weitere wiederkehrende Themen seines Schaffens – von Vulkanlandschaften bis zu Himmelsphänomenen – sichtbar machen.

Das monumentale Auge von Rodolfo Abularach zieht den Blick des Betrachters unmittelbar in seinen Bann. Es wirkt zugleich vertraut und geheimnisvoll – ein Bild, das den Besucher beinahe dazu zwingt, über das Sehen selbst nachzudenken und damit den Kern seines künstlerischen Schaffens erfahrbar macht.

Richard Artschwager, Splatter Table (Empire), 2011. Laminate, acrylic, mirror and wood. Left panel: 29 × 11 inches; right panel: 27½ × 21¼ inches. Courtesy David Nolan Gallery.
Richard Artschwager, Splatter Table (Empire), 2011. Laminate, acrylic, mirror and wood. Left panel: 29 × 11 inches; right panel: 27½ × 21¼ inches. Courtesy David Nolan Gallery. – Mit freundlicher Genehmigung von: independenthq.com / Independent 20th Century

Den Abschluss der ersten Vorschau bildet die Gruppenausstellung „Obsessive Seeing“, die von der David Nolan Gallery gemeinsam mit der Mailänder Gió Marconi Gallery organisiert wird. Rund 32 Künstler aus unterschiedlichen Generationen und Kunstrichtungen treten hier miteinander in Beziehung – darunter Georg Grosz, Hans Bellmer, Man Ray, Richard Hamilton, Louise Nevelson, Arnaldo Pomodoro, Mona Hatoum und Dorothea Rockburne. Im Mittelpunkt steht weniger ein gemeinsamer Stil als die intensive Auseinandersetzung mit wiederkehrenden Motiven, Materialien und künstlerischen Fragestellungen. Die Präsentation zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich Beharrlichkeit und künstlerische Konsequenz über Jahrzehnte entfalten können. Mit Künstlern wie Man Ray, Louise Nevelson oder Arnaldo Pomodoro vereint die Präsentation mehrere Positionen, die heute zu den etablierten Blue-Chip-Künstlern des internationalen Kunstmarkts zählen und deren Werke bis heute Museen, bedeutende Privatsammlungen und den kunsthistorischen Diskurs prägen.

Mit diesen ersten Einblicken bestätigt die Independent 20th Century ihren Anspruch, nicht über Größe, sondern über Qualität, kuratorische Präzision und inhaltliche Tiefe zu überzeugen. Die ausgewählten Präsentationen zeigen bereits Monate vor Messebeginn, warum New York im September erneut zu den spannendsten Treffpunkten der internationalen Kunstwelt zählen dürfte.

Mit ihren ersten angekündigten Präsentationen bestätigt die Independent 20th Century 2026 ihren Ruf als eine der kuratorisch anspruchsvollsten Kunstmessen New Yorks und gehört schon jetzt zu den wichtigsten internationalen Messeterminen des Kunstherbstes.

Tags: Kunstmesse, Malerei, Skulpturen, Fotografie, Schwarzweißfotografie‎, Contemporary Art, Zeitgenössische Kunst, Kunstmarkt, Blue Chip Art, internationale Kunstmesse, Rita Keegan, Lorraine O'Grady, José Gamarra, Rodolfo Abularach, Man Ray, Louise Nevelson, British Black Arts

Die Independent 20th Century 2026 findet vom 24. bis 27. September 2026 im Sotheby's at The Breuer, 945 Madison Avenue, New York, statt. Die genauen Öffnungszeiten werden vom Veranstalter noch bekannt gegeben.