Martha Rosler – Cleaning the Drapes aus der Serie House Beautiful: Bringing the War Home (ca. 1967–1972)
Martha Rosler – Cleaning the Drapes aus der Serie House Beautiful: Bringing the War Home (ca. 1967–1972) – Mit freundlicher Genehmigung von: louisiana.dk / Louisiana Museum of Modern Art

Wann: 28.04.2026 - 23.08.2026

House Beautiful im Louisiana Museum of Modern Art zeigt eindrucksvoll, wie eine bedeutende Sammlung immer wieder neu lebendig wird – wenn Meisterwerke von Francis Bacon, Roy Lichtenstein, Peter Doig oder Martha Rosler überraschende Begegnungen eingehen und vertraute Kunst plötzlich in einem neuen Licht erscheint. In unserer Ausstellung Kopenhagen eröffnet das renommierte Museum vom 28. April bis 23. August 2026 eine außergewöhnliche Reise durch fast sieben Jahrzehnte Sammlungsgeschichte.

Anstelle einer klassischen chronologischen Präsentation setzt Louisiana auf den Dialog. Moderne Ikonen treffen auf jüngste Erwerbungen, selten gezeigte Arbeiten auf zeitgenössische Positionen. Malerei, Skulptur, Fotografie und Videokunst entfalten gemeinsam ein dichtes Geflecht aus Erinnerungen, politischen Fragestellungen und künstlerischen Visionen. Gerade diese Gegenüberstellung macht den Reiz von „House Beautiful“ aus und zeigt eindrucksvoll, dass eine Museumssammlung niemals statisch ist, sondern sich mit jeder neuen Konstellation weiterentwickelt.

Den Titel der Ausstellung verdankt die Präsentation der bedeutenden Fotoserie „House Beautiful: Bringing the War Home“ von Martha Rosler. In ihren zwischen 1967 und 1972 entstandenen Fotomontagen verbindet die amerikanische Künstlerin idyllische Wohnwelten aus Lifestyle-Magazinen mit erschütternden Bildern des Vietnamkriegs. Die Werkgruppe zählt zu den wichtigsten Neuerwerbungen des Museums und steht exemplarisch für Louisianas Anspruch, historische Lücken in der Sammlung gezielt zu schließen und zentrale Positionen der Kunstgeschichte dauerhaft zu integrieren.

Vor den großformatigen Fotomontagen scheint die vertraute Welt der Wohnräume plötzlich zu kippen. Im Zentrum stehen zwei Soldaten in einem Schützengraben. Der eine raucht und richtet den Blick aufmerksam nach vorne, der andere lehnt sich erschöpft an die Stellung – sein Gesicht erzählt mehr als jede Schlagzeile. Es ist eine Szene, wie sie sich bis heute in Kriegsgebieten auf der ganzen Welt wiederholt. Doch Martha Rosler betrachtet den Krieg nicht vom Schlachtfeld aus, sondern aus dem Wohnzimmer. Schwere Vorhänge rahmen das Geschehen ein, während rechts eine Frau mit einem tragbaren Staubsauger scheinbar versucht, die Realität einfach wegzusaugen. Ein verstörendes Bild über unsere Fähigkeit, Gewalt auszublenden – damals wie heute.

Peter Doig – Music of the Future, 2002–2007, im Louisiana Museum of Modern Art
Peter Doig – Music of the Future, 2002–2007, im Louisiana Museum of Modern Art – Mit freundlicher Genehmigung von: louisiana.dk / Louisiana Museum of Modern Art

Bereits beim Eintritt in den Südflügel begegnen Besucher Yoko Onos Serie „Vertical Memory“ sowie Daya Cahens eindringlichem Film „Nashi“, der heimlich in einem russischen Jugendlager entstand. Im ersten großen Saal richtet sich der Blick anschließend auf die Malerei. Mittelpunkt ist Peter Doigs monumentales Gemälde „Music of the Future“, das zu den Höhepunkten der Louisiana-Sammlung zählt.

Rund um dieses Schlüsselwerk entfaltet sich ein spannender Dialog figurativer Malerei über Generationen und Länder hinweg. Werke von Francis Bacon, Frank Auerbach, Wilhelm Freddie und George Condo begegnen der expressiven Skulpturengruppe von Germaine Richier. Obwohl zwischen den Arbeiten Jahrzehnte liegen, verbindet sie die intensive Auseinandersetzung mit dem Menschen, seiner Wahrnehmung und seiner inneren Wirklichkeit.

Vor Peter Doigs geheimnisvoll schimmerndem Gemälde verlangsamt sich der Blick beinahe automatisch. Die Farben wirken wie Erinnerungen, die zwischen Traum und Realität schweben, und verleihen dem Raum eine beinahe meditative Atmosphäre.

Mohammed Sami – Massacre, 2023, Ausstellungsansicht im Louisiana Museum of Modern Art.
Mohammed Sami – Massacre, 2023, Ausstellungsansicht im Louisiana Museum of Modern Art. – Mit freundlicher Genehmigung von: louisiana.dk / Louisiana Museum of Modern Art

Ein weiterer Ausstellungsbereich trägt den Titel von Mamma Anderssons Landschaftsgemälde „The Day After“. Hier stehen Erinnerung, Geschichte und die Spuren vergangener Ereignisse im Mittelpunkt. Arbeiten von Pia Arke, William Kentridge, Anselm Kiefer und Mohammed Sami beschäftigen sich mit Ruinen, Landschaften, Karten und den sichtbaren wie unsichtbaren Narben der Vergangenheit. Unterschiedliche Generationen und kulturelle Hintergründe verschmelzen zu einem vielschichtigen Nachdenken über Zeit und Identität.

Menschen sind nicht zu sehen – und doch ist ihre Anwesenheit überall spürbar. Mohammed Sami erzählt nicht vom Augenblick der Gewalt, sondern von dem, was danach bleibt: Stille, Leere und die Spuren einer Vergangenheit, die sich nicht auslöschen lässt.

Die folgenden Räume widmen sich den 1970er Jahren und zeigen eindrucksvoll die enorme Vielfalt dieser Epoche. Werke von Ana Mendieta, Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Sam Gilliam und Tetsumi Kudo verdeutlichen, wie unterschiedlich Künstler jener Zeit die Frage beantworteten, was Kunst sein kann und welche gesellschaftliche Rolle sie übernimmt.

Zwischen Pop Art und existenzieller Gegenwart liegen hier nur wenige Schritte. Wo Roy Lichtenstein mit klaren Linien und kräftigen Farben die Bildsprache der Moderne feiert, konfrontiert Robert Longo den Betrachter mit einer erschütternden Spur von Gewalt. Gerade diese Gegensätze verleihen „House Beautiful“ seine außergewöhnliche Spannung.

Roy Lichtenstein – Figures in Landscape, 1977, Ausstellungsansicht im Louisiana Museum of Modern Art
Robert Longo – Untitled (Bullet Hole, Earth Day, 2017, UA in Huntsville), Louisiana Museum of Modern Art
Roy Lichtenstein – Figures in Landscape, 1977, Ausstellungsansicht im Louisiana Museum of Modern Art • Robert Longo – Untitled (Bullet Hole, Earth Day, 2017, UA in Huntsville), Louisiana Museum of Modern Art – Mit freundlicher Genehmigung von: louisiana.dk / Louisiana Museum of Modern Art

Über eine Treppe – vorbei an Richard Princes legendärem Cowboy und Arthur Jafas „MJ“ – gelangen Besucher schließlich zu den jüngsten Neuerwerbungen des Museums aus den Jahren 2022 bis 2025. Neben Martha Roslers Fotomontagen sind hier Arbeiten von Ed Ruscha, Nan Goldin, Julie Mehretu und Robert Longo zu sehen. Ergänzend ermöglichen Interviews der Louisiana Channel einen unmittelbaren Einblick in die Gedankenwelt mehrerer beteiligter Künstler.

Mit „House Beautiful“ macht das Louisiana Museum zugleich sichtbar, wie dynamisch eine bedeutende Museumssammlung sein kann. Die Werke verlassen regelmäßig ihre vertrauten Plätze, treten in neue Beziehungen und eröffnen immer wieder andere Perspektiven auf Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

Die Ausstellung vereint zahlreiche Künstler, die heute zu den prägenden Namen des internationalen Kunstmarktes zählen. Insbesondere Werke von Francis Bacon, Roy Lichtenstein, Ed Ruscha oder Julie Mehretu gehören zu den begehrtesten Positionen des globalen Blue-Chip-Marktes und unterstreichen die außergewöhnliche Qualität der Louisiana-Sammlung.

„House Beautiful“ zeigt eindrucksvoll, dass große Museumssammlungen niemals abgeschlossen sind – sie bleiben lebendige Organismen, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden und Kunst immer wieder neu erfahrbar machen.

Tags: Malerei, Martha Rosler, Peter Doig, Francis Bacon, Roy Lichtenstein, Ed Ruscha, Nan Goldin, Julie Mehretu, William Kentridge, Anselm Kiefer, Ana Mendieta, George Condo, Yoko Ono, Robert Longo, Moderne Kunst, Zeitgenössische Kunst, Blue Chip Art, Skulpturen

Dienstag bis Freitag: 10:00 bis 22:00 Uhr
Samstag und Sonntag: 10:00 bis 18:00 Uhr
Montag geschlossen.