André Masson, Wildgruppe, 1962, Öl auf Leinwand, Sammlung Klewan Foto Hanna Neander © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
André Masson, Wildgruppe, 1962, Öl auf Leinwand, Sammlung Klewan Foto Hanna Neander © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: picassomuseum / Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Wann: 11.07.2026 - 25.10.2026

Bereits der Name Helmut Klewan steht seit Jahrzehnten für außergewöhnliche Kunst der Moderne. Seine über viele Jahre gewachsene Privatsammlung zählt zu den bemerkenswertesten Sammlungen der Pariser Moderne und bildet den Ausgangspunkt einer Ausstellung, die im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster die Vielfalt der europäischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts eindrucksvoll erfahrbar macht. Mit mehr als 200 Werken von Alberto Giacometti, Pablo Picasso, André Masson, Jean Dubuffet sowie zahlreichen Vertretern des Surrealismus eröffnet die Schau einen weitgespannten Blick auf eine Epoche, die das Selbstverständnis der modernen Kunst nachhaltig veränderte.

Ausstellungsraum mit Werken der Sammlung Helmut Klewan im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster während der Ausstellung zur Pariser Moderne. Foto Hanna Neander
Ausstellungsraum mit Werken der Sammlung Helmut Klewan im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster während der Ausstellung zur Pariser Moderne. Foto Hanna Neander – Mit freundlicher Genehmigung von: picassomuseum / Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Statt einer chronologischen Kunstgeschichte präsentiert die Ausstellung ein dichtes Netzwerk künstlerischer Beziehungen. Im Mittelpunkt stehen Persönlichkeiten, deren Werke die Grenzen zwischen Malerei, Zeichnung, Druckgrafik und Skulptur ebenso überschritten wie die ästhetischen Konventionen ihrer Zeit. Die Auswahl macht sichtbar, wie eng die Künstler der Pariser Moderne miteinander verbunden waren und wie intensiv sie sich gegenseitig beeinflussten.

Die Sammlung Helmut Klewan entstand nicht nach den Regeln eines klassischen Museumsbestandes, sondern aus jahrzehntelanger persönlicher Beschäftigung mit den Künstlern und ihrem Umfeld. Als Galerist, Kunsthändler und Verleger pflegte Klewan enge Kontakte zu bedeutenden Vertretern der europäischen Avantgarde und entwickelte daraus eine Sammlung, die sich durch ihre außergewöhnliche Qualität und inhaltliche Geschlossenheit auszeichnet. Gerade diese persönliche Perspektive verleiht der Ausstellung ihren besonderen Charakter und eröffnet einen authentischen Blick auf die Kunst der Moderne.

Alberto Giacometti, Der Käfig, 1950, Bronze, Sammlung Klewan © Succession Alberto Giacometti ADAGP, Paris, 2026
Alberto Giacometti, Der Käfig, 1950, Bronze, Sammlung Klewan © Succession Alberto Giacometti ADAGP, Paris, 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: picassomuseum / Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Während viele Skulpturen Alberto Giacomettis durch ihre schlanken, isoliert wirkenden Figuren bekannt wurden, zählt „Der Käfig“ aus dem Jahr 1950 zu seinen eindrucksvollsten räumlichen Kompositionen. Die Bronze verbindet eine fragile architektonische Konstruktion mit einer kleinen menschlichen Figur und macht den Raum selbst zu einem wesentlichen Bestandteil des Kunstwerks.

Der kubische Rahmen wirkt wie eine Grenze zwischen Nähe und Distanz, Schutz und Gefangenschaft. Die filigranen Stäbe umschließen die Figur, ohne sie vollständig einzusperren, und lassen den leeren Raum zu einem ebenso bedeutenden Gestaltungselement werden wie die Skulptur selbst. Giacometti löst damit die klassische Vorstellung einer geschlossenen Plastik auf und bezieht den umgebenden Raum bewusst in die Komposition ein.

Entstanden in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, spiegelt „Der Käfig“ die existenziellen Fragen wider, die Giacomettis Werk prägen. Seine Figuren erscheinen verletzlich und zugleich von großer innerer Präsenz. Gerade diese Spannung zwischen Isolation, Freiheit und menschlicher Existenz macht die Skulptur zu einem Schlüsselwerk der europäischen Nachkriegsmoderne und zu einem eindrucksvollen Beispiel für Giacomettis unverwechselbare Bildsprache.

Mit rund fünfzig Zeichnungen und Druckgrafiken ist Pablo Picasso vertreten. Die Auswahl spannt einen Bogen von den surrealistisch geprägten Arbeiten der 1930er-Jahre bis zu den virtuosen grafischen Zyklen seines Spätwerks. Gerade die Druckgrafiken verdeutlichen Picassos außergewöhnliche Experimentierfreude und seinen souveränen Umgang mit den unterschiedlichsten grafischen Techniken. Historische Fotografien von André Villers und Franz Hubmann ergänzen die Präsentation und eröffnen zugleich einen Blick auf die Persönlichkeit hinter dem Werk.

Eine zentrale Rolle übernimmt auch André Masson, dessen Schaffen entscheidend zur Entwicklung des Surrealismus beitrug. Seine frühen automatischen Zeichnungen zählen zu den radikalsten Experimenten der Avantgarde und zeigen den Versuch, den schöpferischen Prozess von rationaler Kontrolle zu befreien. Gleichzeitig wird sichtbar, wie sich Massons Bildsprache über mehr als vier Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelte und dabei immer neue Ausdrucksformen hervorbrachte.

Jean Dubuffet, Heimlicher Durchgang und Kulisse, 1955, Öl auf Leinwand, Sammlung Klewan © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Pablo Picasso, Stehender Frauenakt, 1944, Kohlezeichnung, Sammlung Klewan © Succession Picasso, Paris / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Jean Dubuffet, Heimlicher Durchgang und Kulisse, 1955, Öl auf Leinwand, Sammlung Klewan © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 • Pablo Picasso, Stehender Frauenakt, 1944, Kohlezeichnung, Sammlung Klewan © Succession Picasso, Paris / VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: picassomuseum / Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Einen bewussten Gegenpol bildet das Werk von Jean Dubuffet. Seine von Graffiti, Kinderzeichnungen und der sogenannten Art Brut inspirierte Bildwelt stellte die etablierten Vorstellungen akademischer Kunst grundlegend infrage. Dubuffets Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken gehören zu den wegweisenden Positionen der europäischen Nachkriegsmoderne und machten eine neue, unmittelbare Bildsprache international bekannt.

Darüber hinaus eröffnet die Ausstellung ein faszinierendes Panorama des Surrealismus. Werke von Max Ernst, René Magritte, Salvador Dalí, Man Ray, Meret Oppenheim, Toyen, Dorothea Tanning und Giorgio de Chirico verdeutlichen die internationale Ausstrahlung jener Bewegung, die Traum, Unterbewusstsein und Imagination zu zentralen Themen der Kunst erhob. Die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Positionen macht sichtbar, wie vielfältig sich der Surrealismus entwickelte und welche nachhaltige Wirkung er bis weit in die Nachkriegszeit entfaltete.

Gleichzeitig vermittelt die Ausstellung ein lebendiges Bild des kulturellen Paris nach dem Zweiten Weltkrieg. Künstler, Schriftsteller, Verleger und Intellektuelle begegneten sich in Ateliers, Galerien, Cafés und den Redaktionen bedeutender Literatur- und Kunstzeitschriften. Aus diesem kreativen Austausch entstand das bedeutendste Zentrum der internationalen Avantgarde des 20. Jahrhunderts, dessen Ideen bis heute nachwirken. Die ausgestellten Werke spiegeln nicht nur individuelle Handschriften wider, sondern auch das geistige Klima einer Zeit des künstlerischen Aufbruchs.

Die Präsentation im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster macht deutlich, dass die Pariser Moderne weit mehr war als eine Abfolge berühmter Namen. Sie war ein lebendiges Geflecht aus Freundschaften, künstlerischen Auseinandersetzungen und gegenseitigen Inspirationen. Gerade die Verbindung der außergewöhnlichen Sammlung Helmut Klewan mit dem wissenschaftlichen Anspruch des Museums eröffnet einen neuen Blick auf eine Epoche, deren Einfluss auf die Kunst des 20. Jahrhunderts bis heute nachwirkt.

So entsteht eine Ausstellung, die weit mehr ist als die Präsentation bedeutender Einzelwerke. Sie erzählt die Geschichte einer künstlerischen Epoche, in der Innovation, Austausch und Experiment die Entwicklung der Moderne entscheidend prägten. Mit der Sammlung des Sammlers Helmut Klewan setzt das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster einen weiteren Höhepunkt seines internationalen Ausstellungsprogramms und unterstreicht zugleich seine Bedeutung als eines der führenden Museen für die Kunst der Moderne in Deutschland.

Tags: Pariser Moderne, Sammlung Helmut Klewan, Pablo Picasso, Alberto Giacometti, André Masson, Jean Dubuffet, Surrealismus, Art Brut, Max Ernst, Klassische Moderne, Salvador Dalí, Meret Oppenheim, Toyen, eigentlich Marie Čermínová, Nachkriegsmoderne, Kunst nach 1945

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