Johannes ruht mit geschlossenen Augen, das lockige Haar fällt weich um sein Gesicht. Der Kopf liegt schwer und zugleich geborgen in den Armen, eine Hand ruht nahe am Herzen. Nichts scheint diesen Moment zu stören. Die Fotografie lässt eine tiefe innere Ruhe spürbar werden – fast so, als wäre Johannes für einen Augenblick vollkommen bei sich und mit der Welt zufrieden.
Über sechzig Fotografien vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart treten in Beziehung zu sieben ausgewählten Skulpturen aus dem 11. bis 17. Jahrhundert. In neun thematischen Kapiteln entfaltet sich eine Geschichte des Sehens. Lichtführung, Bildausschnitt und Perspektive werden dabei zu erzählerischen Mitteln, mit denen Skulpturen nicht nur dokumentiert, sondern inszeniert und interpretiert werden.
Licht fällt auf ein Gesicht, bleibt an einer Wange liegen und verliert sich im Schatten. Für einen kurzen Moment scheint der Stein seine Schwere zu vergessen. Die Fotografie hält diesen Augenblick fest – und aus einer Skulptur wird beinahe ein Gegenüber.
Die Ausstellung verbindet die Skulpturensammlung des Bode-Museums mit dem bislang wenig bekannten Fotoarchiv des Hauses. Historische und zeitgenössische Aufnahmen eröffnen dabei neue Sichtweisen auf Werke, deren Erscheinung sich vor der Kamera immer wieder verändert. Die Fotografie wird zum zweiten Blick auf die Skulptur – subjektiv, inszeniert und manchmal überraschend nah.