Marcel Duchamp – Rotoreliefs (Optical Disks), 1935 (publiziert 1953), in der Ausstellung im Museum of Modern Art (MoMA), New York.
Marcel Duchamp, Rotoreliefs (Optical Disks), 1935 (publiziert 1953). © 2025 Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris / Estate of Marcel Duchamp. – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art

Wann: 12.04.2026 - 22.08.2026

Die Ausstellung „Marcel Duchamp“ im Museum of Modern Art (MoMA) in New York ist weit mehr als eine Retrospektive – sie führt zurück zu jenem Künstler, der das Verständnis von Kunst grundlegend veränderte. Noch bis zum 22. August präsentiert das MoMA mit rund 300 Werken die erste große US-Retrospektive Marcel Duchamps seit 1973 und macht das Schaffen eines der einflussreichsten Künstler der Moderne in seiner ganzen Vielfalt erlebbar.

Installation view of Marcel Duchamp on view at The Museum of Modern Art, New York, from April 12 through August 22, 2026. Photo by Jonathan Dorado.
Installation view of Marcel Duchamp on view at The Museum of Modern Art, New York, from April 12 through August 22, 2026. Photo by Jonathan Dorado. – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art

In der Ausstellung in New York entfaltet sich das außergewöhnliche Werk Marcel Duchamps (1887–1968) über nahezu sieben Jahrzehnte künstlerischen Denkens. Kaum ein anderer Künstler hat die Entwicklung der modernen Kunst so nachhaltig geprägt wie der Begründer des Readymades, dessen Ideen bis heute in der Konzeptkunst, Minimal Art und Pop Art nachwirken. Die gemeinsam vom Museum of Modern Art, dem Philadelphia Museum of Art und dem Centre Pompidou organisierte Schau vereint Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien und selten gezeigte Dokumente zu einem umfassenden Porträt eines Künstlers, der die Grenzen der Kunst immer wieder neu definierte.

Marcel Duchamp-Ausstellung – Installationsansicht mit frühen Gemälden aus der kubistischen Schaffensphase. Foto: Jonathan Dorado.
Marcel Duchamp-Ausstellung – Installationsansicht mit frühen Gemälden aus der kubistischen Schaffensphase. Foto: Jonathan Dorado. – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art

Warum ist das Kunst?“ Kaum eine Frage wird in der Gegenwartskunst häufiger gestellt. Eine überzeugende Antwort führt beinahe zwangsläufig zu Marcel Duchamp. Über mehr als sechs Jahrzehnte stellte er die überlieferten Vorstellungen von Kunst, Originalität und Autorschaft radikal infrage. Stilistische Einordnungen lehnte er bewusst ab und bewegte sich dennoch zwischen Kubismus, Dada, Surrealismus und Pop Art. Seine eigene Haltung brachte er mit den Worten auf den Punkt: „Ich habe mich gezwungen, mir selbst zu widersprechen, um mich nicht meinem eigenen Geschmack anzupassen.“

Marcel Duchamp. Nude Descending a Staircase (No. 2), 1912. Philadelphia Museum of Art, The Louise and Walter Arensberg Collection. © Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris / Association Marcel Duchamp.
Marcel Duchamp. Nude Descending a Staircase (No. 2), 1912. Philadelphia Museum of Art, The Louise and Walter Arensberg Collection. © Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris / Association Marcel Duchamp. – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt „Nu descendant un escalier (No. 2)“ (1912), jenes Gemälde, das auf der Armory Show 1913 in New York einen Skandal auslöste und die amerikanische Moderne nachhaltig beeinflusste. Mehr als ein Jahrhundert später hat das Werk nichts von seiner Faszination verloren.

Aus heutiger Sicht wirkt „Nu descendant un escalier (No. 2)“ erstaunlich visionär. Die in einzelne Bewegungsphasen aufgelöste Figur beim Abwärtssteigen einer Treppe erinnert an eine Filmsequenz oder eine fotografische Mehrfachbelichtung. Die übereinandergelegten Bewegungsabläufe verleihen dem Körper eine beinahe mechanische Präzision und wecken heute Assoziationen an die Fortbewegung eines humanoiden Roboters mit leicht geneigtem Kopf. Mehr als ein Jahrhundert nach seiner Entstehung entfaltet das Gemälde eine Bildsprache, die überraschend nah an der Ästhetik des digitalen Zeitalters liegt.

Ebenso präsent ist „Fountain“ (1917) – das berühmte Readymade eines auf die Seite gelegten Urinals, signiert mit „R. Mutt“, das bis heute als eine der folgenreichsten künstlerischen Gesten des 20. Jahrhunderts gilt. Mit „The Bride Stripped Bare by Her Bachelors, Even (The Large Glass)“ sprengte Duchamp die traditionellen Grenzen der Malerei, während „The Box in a Valise“ sein gesamtes bisheriges Werk als tragbares Museum in Miniaturform zusammenfasste – ein faszinierendes Konzept, das seiner Zeit Jahrzehnte voraus war.

Alfred Stieglitz. Fountain (photograph of readymade by Marcel Duchamp). New York, 1917. Gelatin silver print. Box in a Valise Archive, Private Collection, USA. © Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris / Association Marcel Duchamp.
Marcel Duchamp. L.H.O.O.Q., 1919. Pencil on reproduction of Leonardo da Vinci’s Mona Lisa. Private Collection. © Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris / Association Marcel Duchamp.
Alfred Stieglitz. Fountain (photograph of readymade by Marcel Duchamp). New York, 1917. Gelatin silver print. Box in a Valise Archive, Private Collection, USA. © Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris / Association Marcel Duchamp. • Marcel Duchamp. L.H.O.O.Q., 1919. Pencil on reproduction of Leonardo da Vinci’s Mona Lisa. Private Collection. © Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris / Association Marcel Duchamp. – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art
Marcel Duchamp. Bicycle Wheel, 1951 (third version, after lost original of 1913). Metal wheel mounted on painted wood stool. The Museum of Modern Art, New York. © Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris / Association Marcel Duchamp.
Marcel Duchamp. Bicycle Wheel, 1951 (third version, after lost original of 1913). Metal wheel mounted on painted wood stool. The Museum of Modern Art, New York. © Artists Rights Society (ARS), New York / ADAGP, Paris / Association Marcel Duchamp. – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art
Zwischen Glas, Holz, Metall und alltäglichen Gegenständen entfaltet sich eine stille Revolution. Die Räume der Ausstellung wirken nicht laut oder spektakulär, sondern laden dazu ein, Gewissheiten loszulassen und Kunst neu zu denken. Gerade in dieser Zurückhaltung liegt ihre außergewöhnliche Kraft – jeder Schritt durch die Galerie wird zu einer Begegnung mit Ideen, die bis heute nichts von ihrer Sprengkraft verloren haben.

Mit rund 300 Werken zeichnet die Ausstellung erstmals seit mehr als fünf Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten das vollständige Panorama von Duchamps Schaffen nach. Neue kunsthistorische Forschungen eröffnen dabei einen differenzierten Blick auf einen Künstler, dessen Werk über Jahrzehnte von Mythen, Missverständnissen und Legenden begleitet wurde. Die Retrospektive zeigt Duchamp nicht nur als Provokateur, sondern als außergewöhnlich präzisen Denker, dessen Einfluss bis in die Gegenwart reicht.

Die Ausstellung bietet die seltene Gelegenheit, das Werk eines der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts in seiner ganzen Bandbreite neu zu entdecken – und nachzuvollziehen, warum Marcel Duchamp bis heute das Verständnis von Kunst und künstlerischer Freiheit nachhaltig prägt.

Die Ausstellung bietet die seltene Gelegenheit, das Werk eines der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts in seiner ganzen Bandbreite neu zu entdecken – und nachzuvollziehen, warum Marcel Duchamp bis heute als Wegbereiter der zeitgenössischen Kunst und als feste Größe des internationalen Blue-Chip-Kunstmarkts gilt.

Tags: Marcel Duchamp, Retrospektive, Dada, Konzeptkunst, Moderne Kunst, Blue Chip Art, Kunstgeschichte, Malerei

Das Museum of Modern Art in New York ist täglich von 10:30 bis 17:30 Uhr geöffnet, freitags bis 20:00 Uhr. An Thanksgiving und am 25. Dezember bleibt das Museum geschlossen.