Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt „Nu descendant un escalier (No. 2)“ (1912), jenes Gemälde, das auf der Armory Show 1913 in New York einen Skandal auslöste und die amerikanische Moderne nachhaltig beeinflusste. Mehr als ein Jahrhundert später hat das Werk nichts von seiner Faszination verloren.
Aus heutiger Sicht wirkt „Nu descendant un escalier (No. 2)“ erstaunlich visionär. Die in einzelne Bewegungsphasen aufgelöste Figur beim Abwärtssteigen einer Treppe erinnert an eine Filmsequenz oder eine fotografische Mehrfachbelichtung. Die übereinandergelegten Bewegungsabläufe verleihen dem Körper eine beinahe mechanische Präzision und wecken heute Assoziationen an die Fortbewegung eines humanoiden Roboters mit leicht geneigtem Kopf. Mehr als ein Jahrhundert nach seiner Entstehung entfaltet das Gemälde eine Bildsprache, die überraschend nah an der Ästhetik des digitalen Zeitalters liegt.
Ebenso präsent ist „Fountain“ (1917) – das berühmte Readymade eines auf die Seite gelegten Urinals, signiert mit „R. Mutt“, das bis heute als eine der folgenreichsten künstlerischen Gesten des 20. Jahrhunderts gilt. Mit „The Bride Stripped Bare by Her Bachelors, Even (The Large Glass)“ sprengte Duchamp die traditionellen Grenzen der Malerei, während „The Box in a Valise“ sein gesamtes bisheriges Werk als tragbares Museum in Miniaturform zusammenfasste – ein faszinierendes Konzept, das seiner Zeit Jahrzehnte voraus war.