Ausstellungsansicht von „Frida and Diego: The Last Dream“ im Museum of Modern Art (MoMA) in New York mit der raumgreifenden Installation von Jon Bausor. (c) Jonathan Dorado
Ausstellungsansicht von „Frida and Diego: The Last Dream“ im Museum of Modern Art (MoMA) in New York mit der raumgreifenden Installation von Jon Bausor. (c) Jonathan Dorado – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art

Wann: 21.03.2026 - 12.09.2026

Es kommt selten vor, dass sich die Türen eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt und der Metropolitan Opera für dieselbe Geschichte öffnen. Mit „Frida and Diego: The Last Dream“ präsentiert das Museum of Modern Art vom 21. März bis 12. September 2026 eine außergewöhnliche Ausstellung in New York, die das Leben und Werk von Frida Kahlo und Diego Rivera in einen unmittelbaren Dialog mit der Oper stellt.

Mitten im Raum breitet ein leuchtend roter Baum seine Äste aus. Seine Wurzeln greifen in den Boden, während sich die Zweige beinahe wie Blutbahnen durch den Saal ziehen. Für einen Augenblick scheint die Grenze zwischen Museum und Bühne zu verschwinden. Man steht vor den Bildern von Frida und Diego – und zugleich mitten in einer Erzählung über Herkunft und Liebe, Leben und Tod.

Eingangsbereich der Ausstellung „Frida and Diego: The Last Dream“ im Museum of Modern Art (MoMA) in New York mit großformatiger Typografie und historischem Porträt von Frida Kahlo und Diego Rivera. (c) Jonathan Dorado
Eingangsbereich der Ausstellung „Frida and Diego: The Last Dream“ im Museum of Modern Art (MoMA) in New York mit großformatiger Typografie und historischem Porträt von Frida Kahlo und Diego Rivera. (c) Jonathan Dorado – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art
Diego Rivera, „Flower Festival: Feast of Santa Anita“, 1931. Enkaustik auf Leinwand. Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: Erik Landsberg
Diego Rivera, „Flower Festival: Feast of Santa Anita“, 1931. Enkaustik auf Leinwand. Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: Erik Landsberg – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art
Ausgangspunkt der Ausstellung ist die New Yorker Premiere von „El Último Sueño de Frida y Diego“ an der Metropolitan Opera, die vom 14. Mai bis 5. Juni 2026 zu erleben war. Die von Gabriela Lena Frank komponierte Oper mit einem Libretto von Nilo Cruz nähert sich der ebenso leidenschaftlichen wie komplexen Beziehung zwischen Kahlo und Rivera als mythische Erzählung.

Am Día de los Muertos, dem mexikanischen Tag der Toten, ruft der alternde Diego Rivera die verstorbene Frida Kahlo noch einmal ins Leben zurück. Gemeinsam begegnen sie ihrer Liebe, ihrer Kunst und jener schöpferischen Verbindung, die beide über den Tod hinaus miteinander verbindet.

In „Flower Festival: Feast of Santa Anita“ erhebt Rivera eine Szene mexikanischer Festkultur zu einer monumentalen Komposition. Ein Meer aus weißen Calla-Lilien beherrscht das Bild, getragen und umgeben von Figuren, deren Körper beinahe hinter der überwältigenden Pracht der Blumen verschwinden. Rivera verbindet hier eine klare, kraftvolle Formensprache mit jener tiefen Hinwendung zur mexikanischen Kultur und Bevölkerung, die sein Werk international unverwechselbar machte.

Für das MoMA überträgt Jon Bausor, Bühnenbildner und Co-Kostümbildner der Oper, Elemente seiner szenografischen Welt in den Ausstellungsraum. Seine Gestaltung ist von den Entwürfen für die Oper ebenso inspiriert wie von den Werken Kahlos und Riveras. Damit entsteht keine konventionelle Sammlungspräsentation, sondern ein Raum zwischen Museum und Bühne, in dem Malerei, Erinnerung und Theater aufeinandertreffen.

Diego Rivera, „Agrarian Leader Zapata“, 1931. Fresko auf verstärktem Zement. Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: John Wronn
Historisches Porträt von Frida Kahlo und Diego Rivera, fotografiert 1946 von Leo Matiz. Sammlung des Museum of Modern Art, New York. (c) Robert Gerhardt
Diego Rivera, „Agrarian Leader Zapata“, 1931. Fresko auf verstärktem Zement. Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: John Wronn • Historisches Porträt von Frida Kahlo und Diego Rivera, fotografiert 1946 von Leo Matiz. Sammlung des Museum of Modern Art, New York. (c) Robert Gerhardt – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art

Die Ausstellung versammelt sechs Gemälde und eine Zeichnung von Frida Kahlo sowie mehr als ein Dutzend Arbeiten von Diego Rivera aus der Sammlung des MoMA. Fotografische Porträts von Lola Álvarez Bravo und Leo Matiz erweitern den Blick auf zwei Künstler, deren gemeinsame Geschichte längst selbst Teil der Kunstgeschichte geworden ist. Ein 1946 in Mexiko entstandenes Porträt von Leo Matiz zeigt Kahlo und Rivera Seite an Seite – nicht als Mythos, sondern als zwei Menschen, deren Leben und künstlerische Wege über Jahrzehnte unauflöslich miteinander verbunden waren.

Beide Künstler besaßen bereits zu Lebzeiten eine besondere Beziehung zum Museum of Modern Art. Werke wie Kahlos „Self-Portrait with Cropped Hair“ von 1940 und „Fulang-Chang and I“ von 1937 sowie Riveras „Flower Festival: Feast of Santa Anita“ und „Agrarian Leader Zapata“, beide aus dem Jahr 1931, gehören seit Langem zu den prägenden Werken der Sammlung.

Eine andere Seite seines Schaffens zeigt „Agrarian Leader Zapata“. Emiliano Zapata, eine der zentralen Figuren der Mexikanischen Revolution, erscheint als entschlossener Anführer der Landbevölkerung. Das Werk verdichtet Riveras politisches und gesellschaftliches Engagement zu einer eindringlichen Bildsprache und erinnert daran, dass seine internationale Bedeutung weit über seine berühmten Wandgemälde hinausreicht.

Frida Kahlo, „Fulang-Chang and I“, 1937. Selbstporträt mit Klammeraffe und bemaltem Spiegelrahmen aus der Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: John Wronn
Frida Kahlo, „Fulang-Chang and I“, 1937. Selbstporträt mit Klammeraffe und bemaltem Spiegelrahmen aus der Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: John Wronn – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art

Frida Kahlo wiederum machte die eigene Existenz zu einem der großen Themen der Kunst des 20. Jahrhunderts. In „Fulang-Chang and I“ begegnet sie dem Betrachter gemeinsam mit ihrem Klammeraffen. Das Werk wird durch einen später hinzugefügten bemalten Spiegelrahmen erweitert: Bild und Spiegel stehen nebeneinander und beziehen den Betrachter unmittelbar in die Komposition ein. Das Selbstporträt wird damit zu einer Begegnung zwischen gemalter und realer Welt – ein Gedanke, der in der szenografischen Inszenierung von „Frida and Diego: The Last Dream“ eine überraschende neue Aktualität erhält.

Frida Kahlo, „My Grandparents, My Parents, and I“, 1936. Familienporträt und genealogisches Selbstbild aus der Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: Jonathan Muzikar
Frida Kahlo, „My Grandparents, My Parents, and I“, 1936. Familienporträt und genealogisches Selbstbild aus der Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: Jonathan Muzikar – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art

Besonders eindringlich führt „My Grandparents, My Parents, and I“ von 1936 zu Kahlos eigener Herkunft zurück. Wie ein genealogisches Geflecht verbinden rote Linien Generationen und Kontinente miteinander. Über dem Landschaftsraum erscheinen ihre Vorfahren, während Kahlo sich selbst als Kind in den Mittelpunkt ihrer Familiengeschichte setzt. Herkunft wird hier nicht zur bloßen Erinnerung, sondern zu einem sichtbaren Geflecht aus Körper, Familie und Identität.

Vielleicht liegt gerade darin die besondere Kraft dieser Ausstellung. Der rote Baum, der sich durch die Inszenierung im MoMA ausbreitet, findet eine beinahe poetische Entsprechung in den Linien, Wurzeln und familiären Verbindungen, die Kahlos Bilder durchziehen. Es ist eine visuelle Assoziation, die „Frida and Diego: The Last Dream“ wie ein leiser roter Faden begleitet: Menschen verschwinden, Erinnerungen bleiben – und Kunst vermag Beziehungen über Generationen und selbst über den Tod hinaus lebendig zu halten.

Frida Kahlo, „Self-Portrait with Cropped Hair“, 1940. Selbstporträt der Künstlerin im Anzug mit abgeschnittenem Haar, Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: Peter Butler
Frida Kahlo, „Self-Portrait with Cropped Hair“, 1940. Selbstporträt der Künstlerin im Anzug mit abgeschnittenem Haar, Sammlung des Museum of Modern Art, New York. © 2025 Banco de México Diego Rivera Frida Kahlo Museums Trust, Mexico, D.F. / Artists Rights Society (ARS), New York. Foto: Peter Butler – Mit freundlicher Genehmigung von: moma.org / Museum of Modern Art

„Sieh, wenn ich dich geliebt habe, dann wegen deiner Haare. Jetzt, wo du kahlköpfig bist, liebe ich dich nicht mehr.“

Frida Kahlo zeigt sich in diesem Selbstporträt auf einem gelben Stuhl, gekleidet in einen dunklen Herrenanzug und schwarze Damenschuhe. Damit bricht sie bewusst mit traditionellen Vorstellungen von Weiblichkeit und Geschlechterrollen. In der Hand hält sie die Schere, mit der sie ihr langes Haar abgeschnitten hat. Die abgeschnittenen Haarsträhnen liegen über den gesamten Raum verstreut – ein kraftvolles Bild von Trennung, Selbstbestimmung und persönlicher Veränderung.

Frida Kahlo, Selbstbildnis mit abgeschnittenem Haar, 1940

Aus heutiger Sicht wirkt das 1940 entstandene Selbstporträt erstaunlich modern. Frida Kahlo bricht bewusst mit traditionellen Vorstellungen von Weiblichkeit und Geschlechterrollen. In einer Zeit, in der Geschlecht, Identität und Selbstbestimmung intensiv diskutiert werden, lässt sich das Bild auch als frühe Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und der Freiheit verstehen, sich jenseits gesellschaftlicher Erwartungen darzustellen.

Kuratiert wird „Frida and Diego: The Last Dream“ von Beverly Adams, Estrellita Brodsky Curator of Latin American Art, und Jon Bausor gemeinsam mit Caitlin Chaisson und Rachel Remick. Die Ausstellung entsteht unter Mitwirkung der Metropolitan Opera. Die Oper „El Último Sueño de Frida y Diego“ wird von Deborah Colker inszeniert und choreografiert. Begleitende öffentliche Programme von MoMA und Metropolitan Opera vertiefen den Dialog zwischen den beiden Kunstformen.

Mit der Verbindung von Meisterwerken Frida Kahlos und Diego Riveras, historischer Fotografie, zeitgenössischer Szenografie und Oper eröffnet das Museum of Modern Art einen neuen Blick auf zwei der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. „Frida and Diego: The Last Dream“ zeigt in New York, wie ihre Kunst weit über die eigene Epoche hinauswirkt – und wie aus Malerei, Bühne und Erinnerung eine Geschichte entstehen kann, die noch immer nicht zu Ende erzählt ist.

Tags: Frida Kahlo, Malerei, Diego Rivera, Oper, Jon Bausor, Mexikanische Kunst, Moderne Kunst, Lateinamerikanische Kunst, Selbstporträts, Zeitgenössische Kunst

Das Museum of Modern Art in New York ist täglich von 10:30 bis 17:30 Uhr geöffnet, freitags bis 20:00 Uhr. An Thanksgiving und am 25. Dezember bleibt das Museum geschlossen.