Sean Scully, „La Grande Mer“, 2024–2026 – monumentales abstraktes Gemälde aus der Serie „Wall of Light“ mit leuchtenden blauen und erdigen Farbblöcken. © Sean Scully
Sean Scully, „La Grande Mer“, 2024–2026 – monumentales abstraktes Gemälde aus der Serie „Wall of Light“ mit leuchtenden blauen und erdigen Farbblöcken. © Sean Scully – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Salzburg

Wann: 24.07.2026 - 26.09.2026

Sean Scully zählt zu den bedeutendsten abstrakten Malern der Gegenwart. Seine monumentalen Gemälde aus der Werkserie Wall of Light gehören heute zu den eindrucksvollsten Positionen der internationalen Malerei – entstanden aus einer überraschend einfachen Beobachtung: dem Spiel von Licht und Schatten auf den jahrhundertealten Steinen der Maya-Ruinen in Mexiko. Mit der Ausstellung To Feel zeigt Thaddaeus Ropac in Salzburg nun neue Werke dieser wegweisenden Serie.

Vom 24. Juli bis 26. September 2026 präsentiert die Galerie in der Villa Kast großformatige Gemälde und Aquarelle aus Wall of Light, jener Werkgruppe, an der Sean Scully seit 1998 kontinuierlich arbeitet. Die Ausstellung ist jedoch weit mehr als eine Präsentation neuer Bilder – sie eröffnet einen tiefen Einblick in das Denken eines Künstlers, der Farbe, Material und Raum zu einer unverwechselbaren Bildsprache verschmolzen hat.

Wie eine Reise nach Yucatán Sean Scullys Malerei veränderte

Der Ursprung von Wall of Light reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Während einer Reise auf die mexikanische Halbinsel Yucatán faszinierte Sean Scully das Lichtspiel auf den geschichteten Steinen alter Maya-Ruinen. Je nach Sonnenstand schienen die Mauern ihre Gestalt zu verändern. Licht und Schatten ließen die massiven Steinblöcke lebendig wirken.

Aus dieser Erfahrung entstand zunächst ein kleines Aquarell. Jahre später entwickelte Scully daraus eine Werkserie, die heute als eine der wichtigsten Positionen der zeitgenössischen abstrakten Malerei gilt.

Die vertikalen und horizontalen Farbfelder seiner Bilder erinnern bis heute an Mauerwerk. Doch diese Mauern trennen nicht – sie öffnen Räume.

Farbe wird zu Architektur

Auf den ersten Blick wirken Sean Scullys Gemälde streng geometrisch. Rechtecke und Farbbalken bestimmen die Kompositionen. Doch hinter dieser Ordnung verbirgt sich eine überraschend emotionale Malerei.

Die Farbfelder besitzen Gewicht und Körperlichkeit. Dick aufgetragene Schichten treffen auf transparente Übergänge. Dunkle Flächen stehen neben leuchtenden Farben, harte Begrenzungen lösen sich in weiche Pinselbewegungen auf.

Scully selbst beschreibt seine Bilder als den Versuch, Wände aufzulösen.

„Die Wand ist eine Barriere, aber was ich tue, ist, sie aufzulösen. Es ist metaphysisch, transformativ.“

So entstehen Werke, die zugleich monumental und erstaunlich poetisch wirken.

Sean Scully, „Burnt Orange“, 2025 – abstraktes Gemälde aus der Serie „Wall of Light“ mit leuchtenden Orange-, Rosa-, Blau- und Schwarztönen. © Sean Scully
Sean Scully, „Wall of Light Pink Blue“, 2025 – abstraktes Gemälde aus der Werkserie „Wall of Light“ mit leuchtenden Farbblöcken in Rosa, Blau, Gelb und Schwarz. © Sean Scully
Sean Scully, „Burnt Orange“, 2025 – abstraktes Gemälde aus der Serie „Wall of Light“ mit leuchtenden Orange-, Rosa-, Blau- und Schwarztönen. © Sean Scully • Sean Scully, „Wall of Light Pink Blue“, 2025 – abstraktes Gemälde aus der Werkserie „Wall of Light“ mit leuchtenden Farbblöcken in Rosa, Blau, Gelb und Schwarz. © Sean Scully – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Salzburg

To Feel: Neue Arbeiten zwischen Meer und Feuer

Im Mittelpunkt der Salzburger Ausstellung stehen aktuelle Gemälde und Aquarelle der vergangenen Jahre.

Das monumentale La Grande Mer (2024–2026) gehört mit über drei Metern Breite zu den größten Werken der Ausstellung. Unterschiedliche Blautöne erinnern an bewegtes Wasser, während feine rote Farblinien zwischen den Farbflächen hervorschimmern. Das Bild entfaltet eine ruhige, fast meditative Kraft und zieht den Blick tief in seine Farbwelt hinein.

Einen starken Kontrast bildet Burnt Orange (2025). Glühende Orange- und Rottöne erzeugen den Eindruck von Hitze, Feuer und leuchtenden Ziegeln. Das Werk zeigt eindrucksvoll, wie Farbe bei Scully nicht nur Oberfläche bleibt, sondern Atmosphäre erzeugt.

Ergänzt werden die monumentalen Leinwände durch Aquarelle, in denen sich seine Bildsprache besonders fein und transparent entfaltet. Sean Scully beschreibt das Arbeiten mit Aquarellfarben als eine „Zusammenarbeit mit dem Sonnenlicht“ – ein Satz, der seine gesamte Kunst auf poetische Weise zusammenfasst.

Sean Scully, „Wall Blue 4.13.26“, 2026 – Aquarell aus der Serie „Wall of Light“ mit transparenten Farbflächen in Blau, Grün, Gelb und Ocker. © Sean Scully
Sean Scully, „Wall Blue 4.13.26“, 2026 – Aquarell aus der Serie „Wall of Light“ mit transparenten Farbflächen in Blau, Grün, Gelb und Ocker. © Sean Scully – Mit freundlicher Genehmigung von: ropac / Thaddaeus Ropac Salzburg

Ein Maler zwischen Tradition und Gegenwart

Obwohl Sean Scully heute als einer der wichtigsten abstrakten Künstler gilt, versteht er sich nicht als reiner Geometriker.

Seine Inspiration reicht von der spanischen Malerei des 17. Jahrhunderts über den französischen Post-Impressionismus bis zu Édouard Vuillard. Materialität, Licht und Emotion stehen für ihn stets über mathematischer Ordnung.

Gerade deshalb besitzen seine Bilder eine ungewöhnliche körperliche Präsenz. Farbe scheint zu fließen, zu atmen und sich ständig zu verändern. Aus scheinbar einfachen Farbblöcken entstehen Werke voller Bewegung und Tiefe.

Einer der bedeutendsten abstrakten Maler unserer Zeit

Sean Scully wurde 1945 in Dublin geboren und wuchs in London auf. Seine Werke befinden sich heute in den Sammlungen bedeutender Museen weltweit – darunter das Metropolitan Museum of Art in New York, die National Gallery in London, das Hirshhorn Museum in Washington oder die National Gallery of Ireland.

In den vergangenen Jahren rückte zudem seine Bildhauerei verstärkt in den Mittelpunkt. Monumentale Skulpturen wurden unter anderem in Venedig, Norfolk, Budapest und Koblenz gezeigt. Parallel dazu präsentierten renommierte Museen und Institutionen seine Malerei in Barcelona, Hamburg, London, Vaduz und New York. 2026 folgen weitere bedeutende Ausstellungen, darunter im Château La Coste und im Grand Palais in Paris.

Warum Sean Scullys Bilder heute so aktuell wirken

In einer Zeit, in der Bilder oft in Sekunden konsumiert werden, verlangen Sean Scullys Werke Geduld.

Sie entfalten ihre Wirkung langsam. Erst beim längeren Betrachten beginnen die Farbschichten zu schwingen, die Oberflächen Tiefe zu entwickeln und die scheinbar festen Mauern sich im Licht aufzulösen.

Gerade darin liegt die besondere Qualität seiner Kunst.

Mit „To Feel“ präsentiert Thaddaeus Ropac nicht nur neue Werke Sean Scullys, sondern macht erlebbar, warum die Serie Wall of Light seit mehr als einem Vierteljahrhundert zu den bedeutendsten Werkgruppen der internationalen abstrakten Malerei zählt.

Tags: Malerei, Sean Scully, Abstrakte Kunst, Aquarell, Moderne Kunst

Dienstag bis Freitag: 10:00–18:00 Uhr
Samstag: 10:00–14:00 Uhr