Nieves González, La sfida, 2025 – Zeitgenössische Interpretation der Maria Magdalena in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Nieves González
Nieves González, La sfida, 2025 – Zeitgenössische Interpretation der Maria Magdalena in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Nieves González – Mit freundlicher Genehmigung von: staedelmuseum / Städel Museum

Wann: 17.09.2026 - 17.01.2027

Maria Magdalena – Zwischen Sünde, Erlösung und Selbstbestimmung

Kaum eine Frau der Bibel hat die Kunstgeschichte so nachhaltig geprägt wie Maria Magdalena. Zwischen Heiligkeit, Schuld, Hoffnung und Erlösung wurde sie über nahezu tausend Jahre immer wieder neu erfunden. Die Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum und der Liebieghaus Skulpturensammlung macht diese außergewöhnliche Bildgeschichte erstmals im deutschsprachigen Raum umfassend erlebbar.

Marlene Dumas, Naomi Campbell as Maria Magdalena, 1996 – Zeitgenössische Interpretation der Maria Magdalena in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Marlene Dumas
Marlene Dumas, Naomi Campbell as Maria Magdalena, 1996 – Zeitgenössische Interpretation der Maria Magdalena in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Marlene Dumas – Mit freundlicher Genehmigung von: staedelmuseum / Städel Museum
Maria Magdalena gehört zu den bekanntesten Gestalten des Neuen Testaments – und zugleich zu den meistmissverstandenen. Die Bibel beschreibt sie als treue Begleiterin Christi, Zeugin der Kreuzigung und als erste Zeugin der Auferstehung. Dennoch verschmolzen ihre Geschichte und die anderer biblischer Frauen bereits früh mit jener der reuigen Sünderin. Dieses Bild prägte über Jahrhunderte Kunst, Religion und gesellschaftliche Vorstellungen von Weiblichkeit.

Genau hier setzt die Ausstellung an. Ausgehend von bedeutenden Werken der Sammlungen des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung entfaltet sie die vielschichtige Geschichte einer Frau, die niemals nur Heilige oder Sünderin war. Internationale Leihgaben aus der National Gallery in London, dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Louvre in Paris, den Vatikanischen Museen, der National Gallery of Art in Washington sowie der Berliner Gemäldegalerie erweitern den Blick und machen die Schau zu einem außergewöhnlichen kunsthistorischen Ereignis.

Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Frage, wer Maria Magdalena war, sondern vielmehr, was Künstler in ihr sahen. Jede Darstellung erzählt ebenso viel über ihre Zeit wie über die biblische Figur selbst. Mal erscheint sie als Büßerin in stiller Einsamkeit, mal als selbstbewusste Zeugin des Glaubens oder als Sinnbild weiblicher Spiritualität. Licht, Gestik, Kleidung und Attribute verändern sich von Jahrhundert zu Jahrhundert – und mit ihnen die gesellschaftlichen Vorstellungen von Schuld, Erlösung und weiblicher Identität.

Girolamo di Benvenuto, Kreuztragung, Kreuzigung und Beweinung, 16. Jahrhundert – Dreiteilige Tafel mit Maria Magdalena in den Passionsszenen der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Städel Museum
Girolamo di Benvenuto, Kreuztragung, Kreuzigung und Beweinung, 16. Jahrhundert – Dreiteilige Tafel mit Maria Magdalena in den Passionsszenen der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Städel Museum – Mit freundlicher Genehmigung von: staedelmuseum / Städel Museum

„Über fast ein Jahrtausend hinweg wurde Maria Magdalena in den unterschiedlichsten Medien und Epochen immer wieder neu dargestellt. Diese außergewöhnliche Vielfalt macht ihre Bildgeschichte zu einem besonders aufschlussreichen Spiegel der jeweiligen Zeit.“

Dr. Bastian Eclercy und Dr. Stefan Roller, Kuratoren der Ausstellung

Luis Salvador Carmona, Santa Maria Egipciaca, 1734–1766 – Barocke Skulptur der heiligen Maria von Ägypten in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Museo Nacional de Escultura, Valladolid
Luis Salvador Carmona, Santa Maria Egipciaca, 1734–1766 – Barocke Skulptur der heiligen Maria von Ägypten in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Museo Nacional de Escultura, Valladolid – Mit freundlicher Genehmigung von: staedelmuseum / Städel Museum
Die Ausstellung versammelt Hauptwerke von Albrecht Dürer, Guercino, Georges de la Tour, Claude Lorrain, Pedro de Mena, Arnold Böcklin, Max Beckmann und David LaChapelle. Sie verdeutlichen eindrucksvoll, wie unterschiedlich Maria Magdalena gelesen werden konnte: als Mystikerin, Sünderin, Heilige oder moderne Frau auf der Suche nach ihrer eigenen Wahrheit.

Manche Bilder erzählen nicht von Schuld, sondern von einem Moment der Stille. Als hätte Maria Magdalena aufgehört, sich vor den Blicken anderer zu rechtfertigen. In diesem Augenblick beginnt sie nicht als Heilige oder Sünderin zu wirken – sondern einfach als Mensch.

Besonders spannend ist der Blick auf Künstlerinnen, die der Figur eine neue Stimme verleihen. Werke von Lavinia Fontana, Elisabetta Sirani, Luisa Roldán, Lotte Laserstein, Kiki Smith, Marlene Dumas und Nieves González eröffnen Perspektiven, die lange Zeit in der Kunstgeschichte kaum sichtbar waren. Hier wird Maria Magdalena nicht länger nur zum Objekt männlicher Vorstellungen, sondern zu einer Persönlichkeit mit eigener Würde, Verletzlichkeit und Stärke.

Die Ausstellung beginnt bewusst in der Gegenwart. Von dort führt sie zurück zu den frühesten biblischen Überlieferungen und macht sichtbar, wie jede Generation die Figur neu interpretierte, umformte und ihren eigenen Fragen anpasste. Dadurch wird Maria Magdalena zu einem Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen – von mittelalterlicher Frömmigkeit über barocke Emotionalität bis zu heutigen Debatten über Geschlechterrollen, Identität und Selbstbestimmung.

Luisa Roldán, Ekstase der Magdalena (Tránsito de la Magdalena), um 1700 – Barocke Terrakottaskulptur der Maria Magdalena in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Museo Nacional de Escultura, Valladolid
Luisa Roldán, Ekstase der Magdalena (Tránsito de la Magdalena), um 1700 – Barocke Terrakottaskulptur der Maria Magdalena in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Museo Nacional de Escultura, Valladolid – Mit freundlicher Genehmigung von: staedelmuseum / Städel Museum

„Maria Magdalena fasziniert, weil sich an ihr die wechselnden Vorstellungen von Frauen, Glauben und Gesellschaft über Jahrhunderte hinweg besonders eindrücklich ablesen lassen. Ihre Geschichte ist deshalb immer auch eine Geschichte der Blicke auf sie.“

Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung

El Greco, Büßende Maria Magdalena – Maria Magdalena als Büßerin mit Totenschädel in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Worcester Art Museum / Bridgeman Images
Giovanni Girolamo Savoldo, Maria Magdalena, um 1535–1540 – Maria Magdalena im schimmernden Silbermantel in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © The National Gallery, London
El Greco, Büßende Maria Magdalena – Maria Magdalena als Büßerin mit Totenschädel in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © Worcester Art Museum / Bridgeman Images • Giovanni Girolamo Savoldo, Maria Magdalena, um 1535–1540 – Maria Magdalena im schimmernden Silbermantel in der Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt © The National Gallery, London – Mit freundlicher Genehmigung von: staedelmuseum / Städel Museum

Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Bastian Eclercy, Sammlungsleiter für italienische, französische und spanische Malerei vor 1800 am Städel Museum, sowie Dr. Stefan Roller, Sammlungsleiter Mittelalter der Liebieghaus Skulpturensammlung. Gemeinsam gelingt ihnen eine Ausstellung, die kunsthistorische Forschung und aktuelle Fragestellungen miteinander verbindet.

Arnold Böcklin, Trauer der Maria Magdalena an der Leiche Christi, 1867 – Maria Magdalena betrauert den toten Christus. Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt. Kunstmuseum Basel © Kunstmuseum Basel
Arnold Böcklin, Trauer der Maria Magdalena an der Leiche Christi, 1867 – Maria Magdalena betrauert den toten Christus. Ausstellung „Maria Magdalena. Sin. Pray. Love.“ im Städel Museum, Frankfurt. Kunstmuseum Basel © Kunstmuseum Basel – Mit freundlicher Genehmigung von: staedelmuseum / Städel Museum

Maria Magdalena erscheint in dieser Ausstellung nicht als Figur mit einer endgültigen Wahrheit. Sie wird zu einem Spiegel menschlicher Sehnsüchte, religiöser Vorstellungen und gesellschaftlicher Veränderungen. Gerade darin liegt ihre außergewöhnliche Aktualität: Jede Generation erschafft ihr eigenes Bild von ihr – und vielleicht erzählt ihre Geschichte deshalb bis heute ebenso viel über uns selbst wie über die Frau, die Christus bis unter das Kreuz und zum leeren Grab begleitete.

Tags: Maria Magdalena, Skulpturen, Malerei, Alte Meister, Marlene Dumas, Kunstgeschichte, Religion, Bibel, Gegenwartskunst, Arnold Böcklin, Nieves González, Girolamo di Benvenuto, Luis Salvador Carmona, Luisa Roldán, El Greco, Giovanni Girolamo Savoldo

Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag & Feiertage: 10.00–18.00 Uhr
Donnerstag: 10.00–21.00 Uhr