Katrin Plavčak, Parallelwelt, 2022 – Surreale Bildwelt mit Baum, Instrumenten und vielschichtigen Figuren in der Ausstellung „Painting Reality in Surreal Times“ im Lentos Kunstmuseum Linz. © Bildrecht, Wien 2026, Foto: Markus Gradwohl
Katrin Plavčak, Parallelwelt, 2022 – Surreale Bildwelt mit Baum, Instrumenten und vielschichtigen Figuren in der Ausstellung „Painting Reality in Surreal Times“ im Lentos Kunstmuseum Linz. © Bildrecht, Wien 2026, Foto: Markus Gradwohl – Mit freundlicher Genehmigung von: lentos / LENTOS Kunstmuseum Linz

Wann: 18.09.2026 - 10.01.2027

Mit „Painting Reality in Surreal Times“ zeigt das Lentos Kunstmuseum Linz eine Künstlerin, die nicht die Wirklichkeit als solche interessiert, sondern die Frage, warum wir Bildern vertrauen. Katrin Plavčaks Gemälde entstehen aus dem Sammeln, Verfremden und Neu-Zusammensetzen bereits vorhandener Motive. Bekanntes erscheint plötzlich fremd, Widersprüche bestehen nebeneinander, und aus diesen Fragmenten entstehen neue Bildwelten. So macht die Künstlerin sichtbar, dass Realität kein unverrückbarer Zustand ist, sondern etwas, das wir mit jedem Blick neu erschaffen. Zwischen Popkultur, wissenschaftlichen Bezügen, kunsthistorischen Zitaten und alltäglichen Beobachtungen entfaltet sich im Lentos eine Bildsprache, die vertraute Gewissheiten ins Wanken bringt.

In Parallelwelt verlieren selbst Musikinstrumente ihre ursprüngliche Bestimmung. Statt Klang zu erzeugen, scheinen sie ein Eigenleben entwickelt zu haben. Sie stehen, lehnen, beobachten – und eines hält sogar lässig eine Bierflasche in der Hand. Was eigentlich dem Menschen dienen sollte, entzieht sich seiner Funktion. Vielleicht liegt genau darin Plavčaks Idee der „Sabotage“: Nicht als Zerstörung, sondern als Verweigerung des Erwartbaren. Die Künstlerin richtet diesen Gedanken zugleich an uns selbst. Während wir Krisen erkennen, verharren wir allzu oft im Beobachten. So wird aus der surrealen Szene eine stille Frage, ob wir nicht manchmal unsere eigenen Möglichkeiten sabotieren.

Auf ihren Leinwänden herrscht zunächst ein buntes, beinahe heiteres Treiben. Figuren, Tiere, Instrumente und Landschaften begegnen sich in rätselhaften Konstellationen. Doch die farbenfrohe Oberfläche täuscht. Hinter der Leichtigkeit verbirgt sich eine Malerei, die unsere Sehgewohnheiten hinterfragt und erkennen lässt, wie brüchig unsere Vorstellung von Wirklichkeit geworden ist.

Ausstellungsansicht „What Happened in the Digital Hood?“, 2022, von Katrin Plavčak mit beidseitig bemalten Bildkörpern in der Ausstellung „Painting Reality in Surreal Times“ im Lentos Kunstmuseum Linz. © Bildrecht, Wien 2026, Foto: Frank Kleinbach
Ausstellungsansicht „What Happened in the Digital Hood?“, 2022, von Katrin Plavčak mit beidseitig bemalten Bildkörpern in der Ausstellung „Painting Reality in Surreal Times“ im Lentos Kunstmuseum Linz. © Bildrecht, Wien 2026, Foto: Frank Kleinbach – Mit freundlicher Genehmigung von: lentos / LENTOS Kunstmuseum Linz

Ein Schlüsselbegriff ihrer Arbeit ist die „Sabotage“. Gemeint ist keine Zerstörung, sondern das bewusste Unterbrechen vertrauter Denkmuster. Plavčak sabotiert unsere Sehgewohnheiten. Bekanntes verliert seine Selbstverständlichkeit, Gegensätze begegnen sich auf derselben Leinwand, Fiktion und dokumentierte Wirklichkeit verschmelzen miteinander. Gerade dadurch fordert sie den Betrachter auf, genauer hinzusehen und die eigene Wahrnehmung kritisch zu hinterfragen.

Diese Haltung gewinnt angesichts von Fake News, sozialen Medien, künstlicher Intelligenz und der allgegenwärtigen Bilderflut besondere Aktualität. Plavčak liefert jedoch keine politischen Antworten. Ihre Malerei öffnet vielmehr einen Raum, in dem Fragen wichtiger werden als Gewissheiten. Sie erinnert daran, dass jedes Bild eine Konstruktion ist – und dass Sehen immer auch Interpretation bedeutet.

Für einen Moment wirkt alles leicht und verspielt. Doch je länger der Blick verweilt, desto mehr beginnt die vertraute Ordnung zu verrutschen. Die Malerei fordert keine schnelle Antwort – sie schenkt den seltenen Moment, in dem Zweifel produktiv wird.

Auch kunsthistorisch lässt sich Plavčaks Werk einordnen. Ihre Arbeiten greifen die Freiheit des Surrealen auf, stehen zugleich in der Tradition einer Bildkritik, wie sie seit den 1960er-Jahren in der Konzeptkunst und der Appropriation Art entwickelt wurde. Statt Wirklichkeit abzubilden, untersucht sie, wie Bilder entstehen und weshalb wir ihnen oft mehr vertrauen als unserer eigenen Wahrnehmung.

Die Ausstellung im Lentos Kunstmuseum Linz macht deutlich, dass Malerei auch im digitalen Zeitalter nichts von ihrer Kraft verloren hat. Gerade weil sie langsam ist, lädt sie dazu ein, das Sehen selbst neu zu entdecken. Vielleicht liegt genau darin Katrin Plavčaks eigentliche Botschaft: Nicht jedes Bild zeigt die Wirklichkeit – manchmal zeigt es vor allem, wie wir sie erschaffen.

Tags: Katrin Plavčak, Zeitgenössische Kunst, Malerei, Gegenwartskunst, Surrealismus, Konzeptkunst, Appropriation Art, Popkultur, Gemälde

Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–20 Uhr, Montag geschlossen.