Das berühmteste Beispiel dafür kommt für die Ausstellung nach London: „Bal du Moulin de la Galette“ von 1876 aus dem Musée d’Orsay wird nach Angaben der National Gallery erstmals in Großbritannien gezeigt. Das Gesellschaftsbild führt mitten hinein in das sonntägliche Vergnügen auf dem Montmartre. Doch Renoir behandelt die Menge nicht als anonyme Masse. Überall bilden sich kleine Inseln der Nähe: Menschen wenden sich einander zu, sprechen, tanzen, beobachten und lassen sich beobachten. Sonnenlicht fällt durch die Bäume und zerlegt die Szene in bewegliche Flecken aus Helligkeit und Farbe. So wird aus einem Tanzlokal das Bild einer modernen Gesellschaft, die sich im gemeinsamen Vergnügen selbst begegnet.
Gerade hier zeigt sich, weshalb Renoir für die Entwicklung des Impressionismus so bedeutend wurde. Der flüchtige Augenblick erhält bei ihm nicht nur durch Licht und Farbe seine moderne Form. Auch Begegnung, Freizeit und Geselligkeit werden zu Themen einer Malerei, die das Leben ihrer eigenen Gegenwart sucht. Renoir macht sichtbar, wie sich die moderne Stadt nicht nur auf ihren Boulevards, sondern auch in Gärten, Cafés und Vergnügungslokalen neu erfindet.
Die Ausstellung konzentriert sich auf Renoirs Schaffen von den 1860er- bis in die 1880er-Jahre und damit auf eine entscheidende Phase seiner Entwicklung. In diesen Jahren experimentiert er mit Themen und malerischen Möglichkeiten und findet zu jener Verbindung aus Farbe, Licht, Bewegung und menschlicher Nähe, die seine bekanntesten Werke prägt.
Renoir and Love“ wird gemeinsam vom Musée d’Orsay, wo die Ausstellung im Frühjahr und Sommer 2026 bereits zu sehen war, der National Gallery und dem Museum of Fine Arts, Boston organisiert. So begegnen sich in London Werke, die heute über internationale Sammlungen verstreut sind, und lassen jene Jahre neu hervortreten, in denen Renoir Nähe zu einem der großen Themen seiner Malerei machte.
Wie lässt sich sichtbar machen, was Menschen miteinander verbindet?