Pierre-Auguste Renoir, Dance at Bougival, 1883 – Renoir and Love, National Gallery London 2026
Pierre-Auguste Renoir, Dance at Bougival, 1883, Museum of Fine Arts, Boston, Picture Fund, 37.375. Photograph © 2026 Museum of Fine Arts, Boston – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London

Wann: 03.10.2026 - 31.01.2027

Ein Tanz, ein flüchtiger Blick, eine Berührung – und plötzlich scheint die ganze Welt für einen Augenblick nur aus zwei Menschen zu bestehen. Mit „Renoir and Love“ widmet die National Gallery in London Pierre-Auguste Renoir vom 3. Oktober 2026 bis 31. Januar 2027 eine Ausstellung über Liebe, Freundschaft und menschliche Nähe. Rund 40 Gemälde aus internationalen Sammlungen führen in jene Jahre zwischen den 1860er- und 1880er-Jahren, in denen Renoir zu einem der großen Erneuerer des Impressionismus wurde.

Renoir interessierte sich dabei nicht allein dafür, wie das Licht über einen Garten wandert oder eine Farbe im nächsten Moment eine andere Wirkung entfaltet. Ihn faszinierte, was zwischen Menschen geschieht. Paare tanzen, Freunde sitzen beieinander, Familien teilen einen stillen Augenblick. Immer wieder sind es Blicke, Gesten und Berührungen, durch die Renoir Nähe entstehen lässt. Liebe erscheint bei ihm nicht als große dramatische Erzählung, sondern mitten im modernen Leben.

Pierre-Auguste Renoir, Dance at Bougival, 1883 – tanzendes Paar in Renoir and Love © Museum of Fine Arts, Boston, Picture Fund, 37.375
Pierre-Auguste Renoir, Dance at Bougival, 1883 – tanzendes Paar in Renoir and Love © Museum of Fine Arts, Boston, Picture Fund, 37.375 – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London
Wie unmittelbar das sein kann, zeigt „Dance at Bougival“ von 1883. Renoir rückt das tanzende Paar so dicht an den Betrachter, dass die Gesellschaft um es herum zur flirrenden Kulisse wird. Der gelbe Hut des Mannes verdeckt sein Gesicht, während das Gesicht der Frau sichtbar bleibt. Ihre Augen sind gesenkt, sein Arm umfasst sie, ihre Hände treffen sich im Tanz. Bewegung und Intimität werden zu einem einzigen Moment.

Für einen Augenblick scheint der Lärm um sie herum zu verstummen. Zwei Menschen bewegen sich durch eine Menge und sind doch allein. Vielleicht liegt gerade darin Renoirs besondere Fähigkeit: Nähe nicht zu erklären, sondern sie spürbar werden zu lassen.

In diesen Jahrzehnten verändert sich Paris grundlegend. Boulevards, Cafés, Theater, Restaurants, Gärten und Tanzlokale werden zu Schauplätzen einer neuen städtischen Gesellschaft. Renoir findet dort seine Motive.

Er sucht in diesem modernen Leben immer wieder jene Augenblicke, in denen Geselligkeit, Bewegung und menschliche Nähe ineinandergreifen. Licht löst feste Konturen auf, Farben beginnen miteinander zu schwingen und die Malerei erhält jene Leichtigkeit, die zu einem Kennzeichen seines Impressionismus wird.

Pierre-Auguste Renoir, Dance at the Moulin de la Galette, 1876 – Renoir and Love, National Gallery London 2026 (c) Musée d’Orsay, Paris, bequest of Gustave Caillebotte, 1896, RF 2739
Pierre-Auguste Renoir, Dance at the Moulin de la Galette, 1876 – Renoir and Love, National Gallery London 2026 (c) Musée d’Orsay, Paris, bequest of Gustave Caillebotte, 1896, RF 2739 – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London

Das berühmteste Beispiel dafür kommt für die Ausstellung nach London: „Bal du Moulin de la Galette“ von 1876 aus dem Musée d’Orsay wird nach Angaben der National Gallery erstmals in Großbritannien gezeigt. Das Gesellschaftsbild führt mitten hinein in das sonntägliche Vergnügen auf dem Montmartre. Doch Renoir behandelt die Menge nicht als anonyme Masse. Überall bilden sich kleine Inseln der Nähe: Menschen wenden sich einander zu, sprechen, tanzen, beobachten und lassen sich beobachten. Sonnenlicht fällt durch die Bäume und zerlegt die Szene in bewegliche Flecken aus Helligkeit und Farbe. So wird aus einem Tanzlokal das Bild einer modernen Gesellschaft, die sich im gemeinsamen Vergnügen selbst begegnet.

Gerade hier zeigt sich, weshalb Renoir für die Entwicklung des Impressionismus so bedeutend wurde. Der flüchtige Augenblick erhält bei ihm nicht nur durch Licht und Farbe seine moderne Form. Auch Begegnung, Freizeit und Geselligkeit werden zu Themen einer Malerei, die das Leben ihrer eigenen Gegenwart sucht. Renoir macht sichtbar, wie sich die moderne Stadt nicht nur auf ihren Boulevards, sondern auch in Gärten, Cafés und Vergnügungslokalen neu erfindet.

Die Ausstellung konzentriert sich auf Renoirs Schaffen von den 1860er- bis in die 1880er-Jahre und damit auf eine entscheidende Phase seiner Entwicklung. In diesen Jahren experimentiert er mit Themen und malerischen Möglichkeiten und findet zu jener Verbindung aus Farbe, Licht, Bewegung und menschlicher Nähe, die seine bekanntesten Werke prägt.

Renoir and Love“ wird gemeinsam vom Musée d’Orsay, wo die Ausstellung im Frühjahr und Sommer 2026 bereits zu sehen war, der National Gallery und dem Museum of Fine Arts, Boston organisiert. So begegnen sich in London Werke, die heute über internationale Sammlungen verstreut sind, und lassen jene Jahre neu hervortreten, in denen Renoir Nähe zu einem der großen Themen seiner Malerei machte.

Wie lässt sich sichtbar machen, was Menschen miteinander verbindet?

Pierre-Auguste Renoir, Conversation, 1878 – Renoir and Love, National Gallery London 2026 (c) Nationalmuseum, Stockholm, purchased 1918 with contributions from Conrad Pineus and G.A. Kyhlberger
Pierre-Auguste Renoir, Conversation, 1878 – Renoir and Love, National Gallery London 2026 (c) Nationalmuseum, Stockholm, purchased 1918 with contributions from Conrad Pineus and G.A. Kyhlberger – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London

Denn hinter den Tänzen, Gärten und sommerlichen Gesellschaften steht eine Frage, die ihre Aktualität nicht verloren hat: Wie lässt sich sichtbar machen, was Menschen miteinander verbindet? Renoirs Antwort liegt nicht in großen Worten. Sie liegt in einem Blick, einer Hand, einer Bewegung im Tanz – und in einem Licht, das aus einem gewöhnlichen Augenblick Erinnerung werden lässt.

Tags: Pierre-Auguste Renoir, Impressionismus, Malerei, 19. Jahrhundert, Liebe, Gesellschaft und Kunst

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