Zwischen der ruhigen, geschlossenen Form der chinesischen Vase und Chuns beinahe vibrierender Materiallandschaft liegen wiederum Jahrhunderte und vollkommen unterschiedliche künstlerische Traditionen. Doch nebeneinander betrachtet beginnen Material und Oberfläche aufeinander zu reagieren.
Es sind gerade solche Begegnungen, die „Silence“ von einer klassischen Gruppenausstellung unterscheiden.
Die Kunst des Weglassens
Stille bedeutet in dieser Ausstellung nicht bloß Ruhe. Sie entsteht dort, wo etwas zurückgenommen wird und dadurch anderes deutlicher hervortritt.
Das verbindet sehr unterschiedliche Positionen. Wiederholung kann ebenso zu Konzentration führen wie Leere; eine monochrome Fläche ebenso wie die Patina einer jahrhundertealten Bronze. Manchmal ist es das Material, manchmal das Licht und manchmal lediglich der Raum zwischen zwei Dingen, der die Wahrnehmung verändert.
Neben Calderara, Girke, Mack, Manzoni und Ryman versammelt „Silence“ Arbeiten von Pablo Atchugarry, Hermann Bartels, Hal Busse, Chun Kwang Young, Dadamaino, Herman de Vries, Hermann Goepfert, Gotthard Graubner, Gerhard Hoehme, Tschang-Yeul Kim, Stefan Kürten, Walter Leblanc, Fausto Melotti, Milan Mölzer, Morio Nishimura, Ursula Schulz-Dornburg, Turi Simeti und Paul Van Hoeydonck.
Ihnen begegnen antike chinesische Bronzen und Keramiken.
Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Stärke der Ausstellung. „Silence“ versucht nicht, zweitausend Jahre Kunstgeschichte auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Stattdessen lässt sie Dinge nebeneinander bestehen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben müssen.
Und plötzlich wird aus dem Abstand zwischen ihnen ein Raum für Entdeckungen.