Eine chinesische Bronzevase aus der Zeit der Streitenden Reiche (475–221 v. Chr.) folgt vollkommen anderen Vorstellungen von Funktion und Bedeutung als die europäische Nachkriegskunst. Und dennoch richtet auch sie die Aufmerksamkeit auf Proportion, Material und Oberfläche. Jahrhunderte der Geschichte haben ihre Spuren hinterlassen und sind Teil ihrer heutigen Erscheinung.
Wer die Oberfläche der Bronzevase länger betrachtet, kann darin beinahe eine Landschaft entdecken. Grünliche, rötliche und erdige Spuren ziehen sich über den dunklen Grund wie Landmassen, Küsten oder Meere auf einer alten Karte. Natürlich zeigt die Patina keine wirkliche Weltkarte – und doch scheint die Zeit selbst eine Landschaft auf die Bronze gezeichnet zu haben. Bei einem Objekt, das vor mehr als zweitausend Jahren entstand, erhält dieser Eindruck eine beinahe poetische Dimension.
Die Ausstellung versucht deshalb nicht, aus einer antiken chinesischen Vase nachträglich ein minimalistisches Kunstwerk zu machen. Interessanter ist die umgekehrte Frage: Was verändert sich an unserem Blick auf moderne Kunst, wenn neben ihr plötzlich ein Objekt steht, das mehr als zwei Jahrtausende älter ist?
Von China und Korea nach Düsseldorf
Dass dieser Dialog nicht allein zwischen Europa und dem historischen China stattfindet, zeigt eine weitere Begegnung.
Eine chinesische Keramikvase aus der Han-Dynastie (206 v. Chr.–220 n. Chr.) trifft auf Chun Kwang Youngs „Aggregation 98-S68A“ aus dem Jahr 1998. Der koreanische Künstler arbeitet mit koreanischem Maulbeerpapier, das er zu zahllosen kleinen Elementen formt und zu reliefartigen Oberflächen verdichtet.