Maria Pavlova – und plötzlich wird die Welt zur Bühne
Bei Maria Pavlova kippt die Perspektive. In Rabbit does not care about Greek Tragedy von 2025 scheint die Welt selbst zur Bühne geworden zu sein. Architektur, Figuren, Licht und Dunkelheit stehen nebeneinander wie Fragmente einer Handlung, deren Anfang wir verpasst haben – und deren Ende offenbleibt.
Pavlova erzählt keine Geschichte, die sich einfach entschlüsseln ließe. Menschen erscheinen klein gegenüber den Räumen, die sie umgeben. Eine beleuchtete Szene liegt wie ein Bild im Bild in der Dunkelheit. Nähe und Ferne, Innen und Außen geraten durcheinander. Der Betrachter sieht zu – und weiß zugleich nicht recht, von welchem Standpunkt aus.
Und dann dieser Titel: Rabbit does not care about Greek Tragedy.
Das Kaninchen kümmert sich nicht um die griechische Tragödie.
Plötzlich bekommt die ganze Szene einen leisen, beinahe absurden Humor. Was für den Menschen Drama, Schicksal und existenzielle Bedeutung besitzt, kann aus einer anderen Perspektive vollkommen bedeutungslos sein. Vielleicht ist Wirklichkeit eben niemals nur das, was geschieht. Sie hängt auch davon ab, wer hinsieht.
Zwei Malereien, ein gemeinsamer Raum
Genau hier treffen sich Pliem und Pavlova.
Die eine lässt Grenzen in einem organischen Kosmos verschwimmen, die andere verschiebt Räume, Maßstäbe und Wahrnehmung. Beide erschaffen jene imaginären „(Welt)Bühnen“, von denen Gehrmann spricht. Das einzelne Ich steht darin nicht selbstverständlich im Mittelpunkt. Es wird erst durch seine Beziehung zu allem sichtbar, was es umgibt.
So gewinnt auch der Titel „Leaps in Time and Space | Zeitensprünge Raumrochaden“ seine Bedeutung. Zeit und Raum sind hier keine stabilen Koordinaten mehr. Sie werden verschoben, ineinandergeschoben und malerisch neu zusammengesetzt.
Gerade auf einer Kunstmesse ist das bemerkenswert. Wo der Blick gewöhnlich schnell von Werk zu Werk, von Raum zu Raum und von Position zu Position wandert, verlangen Pliem und Pavlova etwas anderes: Zeit.
Vielleicht liegt darin die schönste Einladung dieses kleinen Raumes auf der Parallel Vienna. Für einige Minuten nicht danach zu fragen, was ein Bild darstellt oder welchen Platz es im Kunstbetrieb einnimmt. Sondern stehen zu bleiben und sich auf eine viel ältere Frage einzulassen:
Wo stehen wir selbst in einer Welt, in der nichts für sich allein zu existieren scheint?