Clemens Wolf & Michael Ornauer bei Parallel Vienna: Wenn Material ein Eigenleben bekommt
Ein Fallschirm, der nie wieder fliegen wird, leuchtet plötzlich in einem beinahe unwirklichen Pink: Bei der Parallel Vienna 2026 bringt die Galerie SUPPAN in Wien Clemens Wolf und Michael Ornauer zusammen – zwei Künstler, die Material nicht einfach benutzen, sondern ihm erlauben, seine eigene Geschichte zu erzählen. Vom 9. bis 13. September 2026 begegnen sich im Otto-Wagner-Areal ein in Harz erstarrter Fallschirm und Malerei, die gerade deshalb lebendig erscheint, weil sie ihre Entstehung nicht verbirgt.
Der erste Blick gehört Clemens Wolf. Sein Parachute Painting Neon Pink 1 von 2024 besitzt noch immer die Falten, Nähte und Spannungen eines Reservefallschirms. Doch etwas Entscheidendes ist geschehen: Das Material kann seine ursprüngliche Aufgabe nicht mehr erfüllen. Ein Fallschirm soll sich öffnen, Luft fangen, einen fallenden Körper tragen. Wolf fixiert ihn mit Resin und nimmt ihm damit ausgerechnet jene Beweglichkeit, für die er geschaffen wurde.
Darin liegt ein Gedanke, der Wolfs Arbeiten seit Jahren begleitet. Ihn interessieren Materialien und Orte, denen bereits etwas widerfahren ist: Ruinen, Baustellen, gebrauchte Fallschirme. Er beginnt nicht mit der unberührten Fläche. Er beginnt dort, wo etwas seine Funktion verloren hat, beschädigt wurde oder als Rest zurückgeblieben ist. Das Weglassen wird dabei selbst zur Form. Was fehlt, ist nicht einfach verschwunden – seine Abwesenheit bleibt spürbar.
Man steht vor diesem Pink und denkt zunächst an Farbe. Dann an Stoff. Und irgendwann an Luft. An jenen unsichtbaren Raum, den dieser Fallschirm einmal hätte füllen sollen. Plötzlich wird aus der leuchtenden Oberfläche das Bild einer Bewegung, die nicht mehr stattfinden kann.
Genau an diesem Punkt beginnt das Gespräch mit Michael Ornauer.