Marta Djourina, Untitled, 2026 – Abstrakte Fotografie mit türkisblauen, weißen und orangefarbenen Flächen, entstanden durch direkte Belichtung gefalteten analogen Fotopapiers mit unterschiedlichen Lichtquellen.
Marta Djourina Untitled, 2026, direct exposure with different light sources on folded analogue photo paper © Marta Djourina and VG Bildkunst, 2026 Courtesy the artist & FWR Galerie – Mit freundlicher Genehmigung von: clairbykahn.com / CLAIRbyKahn

Wann: 25.09.2026 - 19.12.2026

ENCHANTING COLOUR – Wenn Farbe zur Sprache der Fotografie wird

In der Ausstellung „ENCHANTING COLOUR“ bei CLAIRbyKahn in Zürich wird Farbe zu weit mehr als einer Eigenschaft des fotografischen Bildes: Sie wird zur Erinnerung, zur Emotion und zu einer eigenen Sprache, die unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit verändert. Vom 25. September bis zum 19. Dezember 2026 lädt die Galerie dazu ein, anhand ausgewählter Werke aus der Collection de Camilo & Marita Djuana die künstlerische Kraft der Farbfotografie zu entdecken. Dabei begegnen sich unterschiedliche fotografische Positionen, die eines verbindet: die Vorstellung, dass Farbe nicht nur sichtbar macht, sondern selbst etwas erzählen kann.

Wenn die Fotografie beginnt, in Farben zu denken

Lange galt die Fotografie vor allem als Medium, das die sichtbare Welt möglichst genau festhalten sollte. Mit der zunehmenden künstlerischen Auseinandersetzung mit Farbe veränderte sich jedoch auch die Frage, was ein fotografisches Bild leisten kann. Farbe wurde nicht länger ausschließlich als Eigenschaft eines Motivs verstanden, sondern als eigenständiges Ausdrucksmittel, das Atmosphäre erzeugt, Erinnerungen wachruft und Gefühle vermittelt.

Die Ausstellung „ENCHANTING COLOUR“ eröffnet einen Einblick in diese unterschiedlichen Möglichkeiten fotografischer Bildgestaltung. Die Werke führen vor Augen, wie sich die Wirklichkeit durch die bewusste Verwendung von Farbe verändern lässt. Ein vertrautes Motiv kann plötzlich fremd erscheinen, während eine abstrakte Komposition Erinnerungen an Landschaften, Körper oder flüchtige Augenblicke hervorruft.

Die Fotografie wird damit zu einem Raum, in dem sich die sichtbare Welt und die Vorstellungskraft des Betrachters begegnen.

Thomas Ruff ch.phg.01, 2014 Chromogenic print © Thomas Ruff and VG-Bildkunst, 2026
Thomas Ruff ch.phg.01, 2014 Chromogenic print © Thomas Ruff and VG-Bildkunst, 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: clairbykahn.com / CLAIRbyKahn

Zwischen Wirklichkeit und Vorstellung

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die künstlerische Freiheit der Farbfotografie dort, wo sich ein Motiv nicht mehr auf den ersten Blick entschlüsseln lässt.

Fließende Übergänge, intensive Farbflächen und ungewöhnliche Perspektiven können vertraute Formen in etwas Neues verwandeln. Die Fotografie verliert dabei nicht ihre Verbindung zur Wirklichkeit, sondern eröffnet eine weitere Ebene der Wahrnehmung.

Was zunächst wie eine abstrakte Komposition erscheint, kann seinen Ursprung in einem alltäglichen Gegenstand, einer Bewegung oder einer bewusst inszenierten Situation haben.

Entscheidend ist nicht allein, was die Kamera aufgenommen hat, sondern welche Vorstellung der Fotograf mit diesem Bild verbindet.

Manchmal genügt ein einziger Farbton, um eine Erinnerung hervorzurufen, für die sich keine Worte finden lassen. Der Blick verweilt auf einer Form, folgt einer Bewegung und entdeckt plötzlich etwas Vertrautes in einem Bild, das zunächst vollkommen fremd erschien.

Gerade in diesen Augenblicken entfaltet die Farbfotografie ihre besondere Wirkung: Sie zeigt nicht nur eine Welt, die wir erkennen, sondern auch eine, die wir empfinden.

René Groebli Portrait of artist Aja Iskander Schmidlin, 1970 Archival pigment print
René Groebli Portrait of artist Aja Iskander Schmidlin, 1970 Archival pigment print – Mit freundlicher Genehmigung von: clairbykahn.com / CLAIRbyKahn

Die Farbe als künstlerische Entscheidung

Die Verwendung von Farbe ist in der künstlerischen Fotografie niemals nur eine technische Frage. Sie kann den Blick lenken, räumliche Beziehungen verändern oder einem Motiv eine emotionale Bedeutung verleihen.

Warme Farbtöne können Nähe und Vertrautheit erzeugen, während kühle Nuancen Distanz, Stille oder eine beinahe unwirkliche Atmosphäre entstehen lassen. Solche Wirkungen sind jedoch nicht festgelegt. Sie verändern sich mit dem Motiv, dem kulturellen Zusammenhang und den persönlichen Erfahrungen des Betrachters.

Auch die Beziehung zwischen Licht und Farbe spielt eine entscheidende Rolle. Licht lässt Oberflächen hervortreten oder verschwinden, während Schatten Formen miteinander verbinden und neue Bildräume entstehen lassen.

In der künstlerischen Fotografie wird die Kamera damit zu einem Instrument, das nicht nur einen Augenblick festhält, sondern eine individuelle Vorstellung von Wirklichkeit sichtbar macht.

Marta Djourina Glowing Attraction, 2021-2022 Direct exposure on analogue photo paper with biolumenescent algae © Marta Djourina and VG Bildkunst, 2026 Courtesy the artist & FWR Galerie
Marta Djourina Glowing Attraction, 2021-2022 Direct exposure on analogue photo paper with biolumenescent algae © Marta Djourina and VG Bildkunst, 2026 Courtesy the artist & FWR Galerie – Mit freundlicher Genehmigung von: clairbykahn.com / CLAIRbyKahn

CLAIRbyKahn – Fotografie im Dialog mit der Kunst

Mit „ENCHANTING COLOUR“ widmet sich die Zürcher Galerie CLAIRbyKahn einem Thema, das die Entwicklung der Fotografie als eigenständige Kunstform wesentlich geprägt hat.

Die Auseinandersetzung mit Farbe verbindet unterschiedliche Generationen und künstlerische Ansätze. Während manche Fotografen die Möglichkeiten der Inszenierung und der bewussten Bildkomposition untersuchen, suchen andere nach abstrakten Strukturen, ungewöhnlichen Perspektiven oder einer unmittelbaren emotionalen Wirkung.

Die Ausstellung macht deutlich, dass sich künstlerische Fotografie nicht allein über das abgebildete Motiv erschließt. Ihre Bedeutung entsteht ebenso durch die Entscheidungen des Fotografen: durch den gewählten Ausschnitt, den Umgang mit Licht, die Farbgestaltung und die Frage, welche Wirklichkeit das Bild sichtbar machen soll.

Mit ihrer angekündigten Teilnahme an der Paris Photo 2026 vom 12. bis 15. November im Grand Palais ist CLAIRbyKahn zudem auf einer internationalen Kunstmesse vertreten, die der Fotografie als künstlerischem und sammelwürdigem Medium gewidmet ist.

Harold Edgerton 30 Bullets Piercing an Apple, 1964 Dye transfer print © 2010 MIT / Courtesy of MIT Museum
Harold Edgerton 30 Bullets Piercing an Apple, 1964 Dye transfer print © 2010 MIT / Courtesy of MIT Museum – Mit freundlicher Genehmigung von: clairbykahn.com / CLAIRbyKahn

Mit seiner Hochgeschwindigkeitsfotografie machte Harold Edgerton Augenblicke sichtbar, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Wie er mit Stroboskoplicht die Grenzen der Wahrnehmung erweiterte, zeigt auch die Ausstellung Freezing Time – Harold „Doc“ Edgerton im MIT Museum Cambridge in unserem ausführlichen findART-Beitrag.

Eine Ausstellung über das Sehen

„ENCHANTING COLOUR“ lädt dazu ein, Fotografien nicht ausschließlich als Abbilder der Wirklichkeit zu betrachten, sondern als eigenständige künstlerische Ausdrucksformen.

Die unterschiedlichen Positionen eröffnen einen Dialog zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, zwischen bewusster Inszenierung und der unmittelbaren Wirkung von Licht und Farbe.

Dabei bleibt die Frage, was ein Bild tatsächlich zeigt, manchmal bewusst offen. Gerade diese Offenheit gibt dem Betrachter die Möglichkeit, eigene Erinnerungen und Vorstellungen mit den fotografischen Werken zu verbinden.

Die Ausstellung bei CLAIRbyKahn erinnert daran, dass die Geschichte der Farbfotografie nicht nur eine Geschichte technischer Entwicklungen ist, sondern auch eine Geschichte darüber, wie Künstler unseren Blick auf die Welt verändert haben.

Tags: Fotografie, Farbfotografie, Fotokunst, Zeitgenössische Kunst, Kunstmarkt, Hochgeschwindigkeitsfotografie

Die ºCLAIRbyKahn Gallery in Zürich ist nach vorheriger Terminvereinbarung geöffnet. Es gelten keine festen öffentlichen Öffnungszeiten.