Adrian Szaal, Wassermann, Acryl auf Leinwand, 100 × 80 cm, 2026
Adrian Szaal, Wassermann, Acryl auf Leinwand, 100 × 80 cm, 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: szaal / Galerie Szaal – Kunst & Messen

Wann: 30.09.2026 - 16.10.2026

Adrian Szaal – wenn aus Abstraktion plötzlich Wirklichkeit wird

Manchmal genügt ein Jahr, und man sieht einen Künstler mit völlig anderen Augen. Adrian Szaal kehrt mit seiner neuen Serie „Sliders – Kunst, die Welten verbindet“ in die Galerie Szaal in Wien zurück – und plötzlich scheint in seiner Malerei etwas geschehen zu sein, das sich lange angekündigt hat: Die Gegenständlichkeit wird nicht mehr einfach gemalt. Sie entsteht beim Sehen.

Anton Kitzmüller und Adrian Szaal Auf der Lauer Acryl und Öl auf Leinwand 60 x 60 cm 2024
Anton Kitzmüller und Adrian Szaal Auf der Lauer Acryl und Öl auf Leinwand 60 x 60 cm 2024 – Mit freundlicher Genehmigung von: szaal / Galerie Szaal – Kunst & Messen
Noch vor einem Jahr begegnete Szaals Malerei bei findART im „Dialog“ mit Anton Kitzmüller. Wald, Bäume und Landschaft gaben dem Auge Halt, während Farbe darüberlief, sich verselbständigte, spritzte und explodierte. Die Gegenständlichkeit blieb erkennbar und wurde zugleich von einer zunehmend freien Malerei aufgebrochen.

In den Arbeiten von 2026 scheint Szaal diesen Weg konsequent weiterzugehen. Und vielleicht liegt genau darin der entscheidende Schritt seiner jüngsten Entwicklung.

Vor einem „Wassermann“ von 2026 steht zunächst niemand.

Da ist Farbe.

Adrian Szaal, Wassermann, Detail, Acryl auf Leinwand, 2026
Adrian Szaal, Wassermann, Detail, Acryl auf Leinwand, 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: szaal / Galerie Szaal – Kunst & Messen

Gelb schießt über die Leinwand, Blau und Violett durchkreuzen einander, schwarze Linien schneiden in die Bewegung. Formen überlagern sich, verschwinden und werden von der nächsten malerischen Geste verdrängt. Das Bild scheint für einen Moment vollkommen abstrakt.

Und dann geschieht etwas.

Das Auge beginnt zu suchen. Oben formt sich aus den aufragenden Farbspitzen eine Krone. Darunter taucht ein Gesicht auf – Nase, Mund, ein Kopf. Links und rechts lassen sich Formen wie Dreizacke lesen, weiter unten scheinen sich Füße aus dem Farbgewirr zu lösen. Plötzlich steht da eine Gestalt, wo eben noch nichts als Farbe war.

Eine Linie wird zur Kontur. Eine Farbfläche bekommt Volumen. Aus dem scheinbaren Chaos tritt etwas hervor, das einen Augenblick zuvor noch nicht vorhanden war.

Der Wassermann erscheint.

Aber hat Adrian Szaal ihn gemalt – oder haben wir ihn gerade selbst gefunden?

Genau hier liegt eine der spannendsten Eigenschaften seiner gegenwärtigen Malerei. Szaal bezeichnet seine künstlerische Ausrichtung als „gegenständlichen abstrakten Expressionismus“. Figuren, konkrete Formen und Geschichten treten nicht sofort hervor, sondern entwickeln sich erst aus dem dichten Farbraum. Die Bildtitel werden dabei zu Wegweisern für das Auge.

Damit wird der Titel nicht zur bloßen Bezeichnung des Bildes.

Er wird zum Schlüssel.

Dabei führt uns Szaals Malerei zunächst in die Irre.

Denn was nach Spontaneität, Geschwindigkeit und beinahe eruptiver Entladung aussieht, entsteht keineswegs nur aus einem spontanen Malakt.

Sein Arbeitsprozess beginnt im Kopf.

Szaal visualisiert ein Werk mitunter über mehrere Tage. Noch vor dem ersten Farbauftrag entwickelt er eine Vorstellung des fertigen Bildes. Erst danach überträgt er diese mit seinen eigenen Techniken auf den Bildträger.

Plötzlich muss man die Farbexplosionen anders betrachten.

Was wie Kontrollverlust aussieht, ist möglicherweise das Ergebnis großer Kontrolle.

Spritzer, Schüttungen, Spachtelzüge und Linien dürfen wild erscheinen – und folgen dennoch einer zuvor entwickelten Vorstellung.

Szaal arbeitet hauptsächlich mit Acryl und verwendet unterschiedliche, teilweise selbst entwickelte Verfahren. Dazu gehören „Topic“, „Slides“, Mixed Material Paintings sowie seine „Free Colour“-Technik, bei der strukturelle Farbschüttungen und fluoreszierende Farben eine wichtige Rolle spielen. Mit „Light Painting“ überschreitet er zudem die klassische Leinwand und verbindet Licht, Fotografie und Malerei.

Die Technik ist dabei längst nicht mehr das eigentliche Ereignis.

Das Ereignis findet zwischen Bild und Betrachter statt.

Für Adrian Szaal ist die Galerie Szaal mehr als der Ort dieser Ausstellung. Er ist der Sohn der Galeristenfamilie Szaal und wuchs damit in unmittelbarer Nähe zur Kunst auf. Doch zwischen dem Aufwachsen mit Kunst und dem Finden einer eigenen künstlerischen Sprache liegt ein entscheidender Unterschied.

Szaal, 1986 in Wien geboren, arbeitet seit vielen Jahren als freischaffender Künstler. Nach einem zweijährigen Atelierstudium absolvierte er die Meisterklasse für Malerei bei Christian Ludwig Attersee.

Diese Verbindung ist interessant – aber gerade bei den heutigen Arbeiten vielleicht weniger wegen der Frage, was der Schüler von seinem Lehrer übernommen hat.

Viel spannender ist:

Was hat Adrian Szaal daraus gemacht?

Die Lust an Farbe, die expressive Geste und die Freiheit der Malerei sind geblieben. Doch Szaal scheint sie zunehmend für eine eigene Untersuchung zu benutzen: Wie wenig Gegenständlichkeit braucht ein Bild, damit unser Gehirn beginnt, Gegenstände darin zu erkennen?

Und wann wird aus Farbe eine Figur?

Adrian Szaal, Kopfsache, Acryl auf Leinwand, 160 × 130 cm, 2026
Adrian Szaal, Kopfsache, Acryl auf Leinwand, 160 × 130 cm, 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: szaal / Galerie Szaal – Kunst & Messen

Besonders deutlich wird dieses Spiel bei „Kopfsache“ von 2026.

Das großformatige Werk misst 160 × 130 Zentimeter. Auf der Leinwand verdichten sich Farbe, Linien und Bewegungen zu einem mächtigen Bildkörper.

Zunächst herrscht Unruhe.

Dann lesen wir den Titel.

Kopfsache.

Und plötzlich beginnt unser Gehirn zu arbeiten.

Wo ist der Kopf?

Ist dort ein Profil?

Sind das Augen?

Ist diese Linie eine Stirn – oder einfach nur eine Linie?

Das Faszinierende daran ist, dass sich das Bild durch diesen Vorgang verändert, obwohl Adrian Szaal keinen einzigen weiteren Pinselstrich setzt.

Der Betrachter malt gewissermaßen weiter.

Was zuvor abstrakt erschien, bekommt Bedeutung. Und sobald wir etwas erkannt zu haben glauben, können wir es kaum noch ungesehen machen.

Szaal malt damit nicht nur mit Acryl, Spachtel und Farbschüttungen.

Er malt mit unserer Wahrnehmung.

Dieser Weg kommt nicht plötzlich aus dem Nichts.

Bereits in den Arbeiten der vergangenen Jahre war zu erkennen, wie Szaal Gegenständlichkeit und expressive Malerei immer enger miteinander verband.

Adrian Szaal, Vom Fliegen und Gehen, Acryl auf Leinwand, 200 × 120 cm, 2024
Adrian Szaal, Vom Fliegen und Gehen, Acryl auf Leinwand, 200 × 120 cm, 2024 – Mit freundlicher Genehmigung von: szaal / Galerie Szaal – Kunst & Messen
Noch 2024 entstanden Arbeiten wie „Vom Fliegen und Gehen“, ein großformatiges Acrylbild. Auch Werke wie Fly, Impuls oder Flugreise zeigen eine Malerei, in der Bewegung und Farbdynamik immer stärker die Führung übernehmen.

Vergleicht man diese Arbeiten mit den Bildern von 2026, scheint sich jedoch das Verhältnis verändert zu haben.

Früher konnte die Gegenständlichkeit dem Auge noch einen Ausgangspunkt geben, von dem aus die Malerei ins Abstrakte aufbrach.

Heute scheint Szaal den umgekehrten Weg zu gehen.

Er gibt uns die Abstraktion – und lässt uns darin nach Wirklichkeit suchen.

Das ist keine abrupte Kehrtwende. Es wirkt vielmehr wie eine Verdichtung dessen, woran dieser Künstler bereits seit Jahren arbeitet.

Er gibt uns die Abstraktion – und lässt uns darin nach Wirklichkeit suchen.

Das ist keine abrupte Kehrtwende. Es wirkt vielmehr wie eine Verdichtung dessen, woran dieser Künstler bereits seit Jahren arbeitet.

Damit erhält auch der Titel der neuen Serie eine besondere Spannung:

„Sliders – Kunst, die Welten verbindet“.

Welche Welten Szaal damit konkret bezeichnet, bleibt offen. Gerade deshalb sollte man den Bildern zuhören.

Denn zumindest eine Grenze lässt sich in ihnen immer wieder beobachten: jene zwischen dem, was tatsächlich auf der Leinwand vorhanden ist, und dem, was unsere Wahrnehmung daraus macht.

Gegenständlichkeit und Abstraktion werden nicht sauber voneinander getrennt.

Sie gleiten ineinander.

Vielleicht ist deshalb auch der Betrachter selbst ständig in Bewegung.

Einmal sehen wir Farbe.

Dann eine Figur.

Dann wieder nur Farbe.

Und Sekunden später etwas vollkommen anderes.

Ein Satz Szaals bekommt vor diesen Bildern beinahe programmatischen Charakter:

„Nichts ist so, wie es scheint, in Sekunden kann sich alles ändern.“

2026 markiert für Adrian Szaal zwei Jahrzehnte künstlerischen Schaffens. Die Galerie Szaal nimmt dieses Jubiläum zum Anlass für eine Einzelausstellung, in der auch Arbeiten der neuen „Sliders“-Serie präsentiert werden.

Man könnte daraus eine klassische Rückschau machen.

Doch gerade die jüngsten Arbeiten erzählen etwas anderes.

„Wassermann“ und „Pratertage“, beide 2026 entstanden, entwickeln aus Linien, Farbspritzern, Flächen und gestischen Bewegungen jeweils eine vollkommen eigene innere Ordnung.

Hier scheint jemand weniger daran interessiert zu sein, Bilanz zu ziehen, als seine eigene Bildsprache weiterzutreiben.

Vielleicht ist deshalb gerade jetzt der richtige Moment für diese Ausstellung.

Nicht nur, weil Adrian Szaal seit zwanzig Jahren künstlerisch arbeitet.

Sondern weil man vor seinen jüngsten Bildern das Gefühl bekommt:

Nach zwanzig Jahren beginnt gerade etwas Neues.

Adrian Szaal – „Sliders – Kunst, die Welten verbindet“
Galerie Szaal
Schottenring 10, 1010 Wien

Ausstellungsdauer: 30. September bis 16. Oktober 2026
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 11–18 Uhr

Einige Arbeiten der neuen Serie werden anschließend auf der FAIR FOR ART Vienna im Wiener Künstlerhaus vom 7. bis 11. Oktober 2026 zu sehen sein.

Tags: Adrian Szaal, Christian Ludwig Attersee, gegenständliche Kunst, Abstraktion, Expressionismus, Zeitgenössische Kunst, Malerei, Junge Kunst

Dienstag bis Freitag, 11–18 Uhr