Besucher im Gespräch vor zeitgenössischer Malerei auf der London Art Fair im Business Design Centre London – internationale Kunstmesse mit moderner und zeitgenössischer Kunst.
Besucher im Gespräch vor zeitgenössischer Malerei auf der London Art Fair im Business Design Centre London – internationale Kunstmesse mit moderner und zeitgenössischer Kunst. – Mit freundlicher Genehmigung von: londonartfair / London Art Fair

Was: Messe

Wann: 21.01.2026 - 25.01.2026

Am Eröffnungsabend liegt feuchter Nebel über dem Business Design Centre. Das Licht der Stadt wird weich, die Konturen verschwimmen, die Architektur wirkt wie aus der Zeit gefallen. In dieser gedämpften Abendstimmung beginnt die London Art Fair – zurückhaltend, konzentriert, ohne Pathos. Der Bau aus der Nachkriegszeit setzt den Ton: kühl, sachlich, offen für eine Kunst, die nicht glänzen will, sondern bestehen.

Gegründet 1988, hat sich die London Art Fair als feste Konstante im internationalen Kunstkalender etabliert. Die 38. Ausgabe findet vom 21. bis 25. Januar 2026 erneut im Business Design Centre statt. Über 120 streng ausgewählte Galerien bilden die Main Fair Section und spannen einen kunsthistorischen Bogen vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Moderne Positionen und internationale zeitgenössische Kunst treten hier nicht in Konkurrenz, sondern in ein bewusst gesetztes Verhältnis.

Blick in die Ausstellungshalle der London Art Fair im Business Design Centre London – historische Stahl- und Glasarchitektur mit internationalen Galerieständen moderner und zeitgenössischer Kunst.
Blick in die Ausstellungshalle der London Art Fair im Business Design Centre London – historische Stahl- und Glasarchitektur mit internationalen Galerieständen moderner und zeitgenössischer Kunst. – Mit freundlicher Genehmigung von: londonartfair / London Art Fair
Am nächsten Morgen lichtet sich der Nebel. Die Architektur tritt klar hervor, Linien werden sichtbar, Räume öffnen sich. Mit dem Tageslicht verändert sich auch der Blick auf die Kunst. Im Zentrum der London Art Fair 2026 steht weniger der Messecharakter als ein kunsthistorischer Zusammenhang, der sich durch die internationale Auswahl zieht: die zeitgenössische Weiterentwicklung materialbasierter Kunst zwischen Tradition, Erinnerung und globaler Gegenwart. Material erscheint nicht als dekoratives Mittel, sondern als Träger von Erfahrung und Geschichte.

Seit Jahrzehnten als Plattform für die Moderne und insbesondere für die britische Nachkriegskunst bekannt, öffnet sich die Messe 2026 konsequent einem erweiterten Horizont. Galerien aus Europa, Asien, dem Nahen Osten und Amerika markieren eine Gegenwart, in der Kunst nicht mehr entlang geografischer Linien gedacht wird, sondern entlang gemeinsamer Fragestellungen. Herkunft, Transformation und Wahrnehmung ersetzen nationale Zuschreibungen. Die Rückkehr zum Handwerk, zur sichtbaren Spur des Materials, wird dabei zu einem verbindenden Moment.

 Stand Chun Chi Albert CHUNG + Tsz Kwan CHAN, Realm of Spirit, 2025  BLINK Art Gallery
 Henry Moore Four Standing Sculpture Ideas, 1980 Crane Kalman Gallery
Gülnihal Yıldız, New Area, 2025, Gallery Kairos
Natalia Revoniuk, Love of the Universe, 2025 undisclosed, IDENTITY
Stand Chun Chi Albert CHUNG + Tsz Kwan CHAN, Realm of Spirit, 2025 BLINK Art Gallery • Henry Moore Four Standing Sculpture Ideas, 1980 Crane Kalman Gallery • Gülnihal Yıldız, New Area, 2025, Gallery Kairos • Natalia Revoniuk, Love of the Universe, 2025 undisclosed, IDENTITY – Mit freundlicher Genehmigung von: londonartfair / London Art Fair

Zwischen diesen Positionen formiert sich eine Galerielandschaft, die weniger durch Herkunft als durch Haltung geprägt ist. Die über 120 teilnehmenden Galerien der Main Fair Section präsentieren keine flüchtigen Trends, sondern setzen auf Kontinuität, auf künstlerische Handschriften und auf eine bewusste Auseinandersetzung mit Material und Geschichte. Die London Art Fair bleibt damit ihrem Anspruch treu, moderne und zeitgenössische Kunst nicht gegeneinander auszuspielen, sondern in Beziehung zu setzen.

Auffällig ist die Präsenz internationaler Galerien aus Europa, Asien und dem Nahen Osten, die ihre Programme nicht als Exporte verstehen, sondern als Dialogangebote. Galerien aus Italien, Frankreich, Spanien, Japan, der Türkei, Portugal und Skandinavien bringen Positionen nach London, die tief in regionalen Traditionen verwurzelt sind und zugleich eine globale Lesbarkeit besitzen. Die Messe wird so zu einem Ort der Übersetzung, an dem kulturelle Prägungen über das Medium der Kunst miteinander ins Gespräch treten.

 

Tracey Emin, A Deeper Place, 2025, Moniker Projects
Tracey Emin, A Deeper Place, 2025, Moniker Projects – Mit freundlicher Genehmigung von: londonartfair / London Art Fair

Dabei zeigt sich ein Galerienverständnis, das wieder stärker kuratorisch denkt. Viele Präsentationen sind nicht als Aneinanderreihung von Einzelwerken angelegt, sondern als konzentrierte Setzungen. Malerei, Skulptur, Objekt und Papierarbeiten treten in Beziehung zueinander, kommentieren sich, widersprechen einander. Die Galerie erscheint nicht als neutraler Vermittler, sondern als aktive Instanz, die Zusammenhänge sichtbar macht und kunsthistorische Linien offenlegt.

 

 Aurulum Stand number : 28  Alison Jackson, Marilyn’s Back, 2000 £19,500
 Paola Chapdelaine Orange Skies, 2023, ArtULTRA
Aurulum Stand number : 28 Alison Jackson, Marilyn’s Back, 2000 £19,500 • Paola Chapdelaine Orange Skies, 2023, ArtULTRA – Mit freundlicher Genehmigung von: londonartfair / London Art Fair

In der Malerei von Belmin Pilevneli entfalten sich fließende Formen und zyklische Bewegungen, in denen Natur nicht zitiert, sondern strukturell verankert ist. Malerei wird zum Prozess, zum Versuch, Ordnung im Fragmentarischen zu finden. Auch Ana Monsó arbeitet mit dem Unfertigen. Ihre Bildräume verhandeln Erinnerung und Vergänglichkeit als offene Zustände, in denen Zukunft stets in Bewegung bleibt.

Die Verbindung von Tradition und zeitgenössischer Formensprache zeigt sich besonders präzise in den Arbeiten von Aoki Ryoka. Ihre Creative-Kokeshi-Figuren stehen in der Linie japanischer Kunsthandwerkstradition, die sie seit den späten 1950er-Jahren mit einer eigenständigen modernen Ästhetik weiterentwickelt. Holz wird hier nicht nostalgisch eingesetzt, sondern als Material kultureller Kontinuität innerhalb einer globalen Gegenwartskunst verstanden.

Auch jenseits Ostasiens gewinnt das Material als Bedeutungsträger an Gewicht. Fumie Onuki nutzt handgeschöpftes Papier, Holz und feine Zeichnung, um Räume zwischen Sichtbarkeit und Verborgenem zu öffnen. Ihre Arbeiten erinnern an architektonische Elemente und lösen sich beim näheren Hinsehen in fragile, intime Strukturen auf. Sehen wird hier zu einem langsamen, körperlichen Vorgang.

 

Belmin Pilevneli, The Rose's Imprint, Acrylic and gesso on Canvas, 40x50 cm. Courtesy of Gallery Miz.
Dean Tavoularis, No Title, 2005. Oil on canvas, 81 x 60 cm. Courtesy of Galerie de Buci.
Doğ Aoki Ryoka (°1931-), The Imperial Couple, Showa period. Wooden sculptures, 27.5 cm and 33 cm high. Courtesy of Kokeshi Gallery.
 Fabrizio Plessi Bottle Sculpture, 2025, Barovier&Toso ARTE
Belmin Pilevneli, The Rose's Imprint, Acrylic and gesso on Canvas, 40x50 cm. Courtesy of Gallery Miz. • Dean Tavoularis, No Title, 2005. Oil on canvas, 81 x 60 cm. Courtesy of Galerie de Buci. • Doğ Aoki Ryoka (°1931-), The Imperial Couple, Showa period. Wooden sculptures, 27.5 cm and 33 cm high. Courtesy of Kokeshi Gallery. • Fabrizio Plessi Bottle Sculpture, 2025, Barovier&Toso ARTE – Mit freundlicher Genehmigung von: londonartfair / London Art Fair

Ein weiteres Spannungsfeld eröffnet sich dort, wo historische Erfahrung und zeitgenössische Bildproduktion aufeinandertreffen. Dean Tavoularis, bekannt als prägende Figur des filmischen Raums im 20. Jahrhundert, übersetzt seine visuelle Welt in Malerei und Objektkunst. Ordnung und Chaos verbinden sich zu einer Bildrealität, in der Erinnerung und Imagination untrennbar ineinandergreifen.

Mit Fabrizio Plessi tritt schließlich eine Position hinzu, die Material, Technologie und Natur in ein poetisches Gleichgewicht bringt. Seine Arbeiten mit Glas führen die Murano-Tradition in eine Gegenwart, in der Wasser, Licht und Bewegung zu eingefrorenen Momenten werden. Glas wird zum Medium der Zeit, zur Schnittstelle zwischen Flüchtigkeit und Dauer.

Wenn sich der Nebel endgültig verzogen hat, bleibt ein klarer Eindruck. London Art Fair 2026 zeigt eine internationale Kunstlandschaft, in der Material nicht Mittel zum Zweck ist, sondern historischer und kultureller Speicher. Zwischen Malerei, Skulptur, Papier, Holz, Glas und digitalen Werkzeugen entfaltet sich eine Gegenwartskunst, die ihre Wurzeln kennt und dennoch offen bleibt für neue Formen des Sehens. In dieser Konzentration auf Substanz, Handwerk und Erinnerung liegt die eigentliche Stärke der Messe – und ihr kunsthistorischer Anspruch.

 

„Die Wolken, eine dem Menschen von Jugend auf so merkwürdige Lufterscheinung, ist man in dem platten Lande doch nur als etwas Fremdes, Überirdisches anzusehen gewohnt. Man betrachtet sie nur als Gäste, als Streichvögel, die, unter einem andern Himmel geboren, von dieser oder jener Gegend bei uns augenblicklich vorbeigezogen kommen; als prächtige Teppiche, womit die Götter ihre Herrlichkeit vor unsern Augen verschließen.“

Johann Wolfgang von Goethe, Briefe aus der Schweiz, 1779, Leukerbad

„In der kühlen Zeit ist ein Teppich besonders einladend.“
 

 

Tags: Art, Art Fair, Design, Farbfotografie, London, Malerei, Moderne Kunst, Skulpturen, Zeichnungen, Zeitgenössische Kunst
Lynn Chadwick, Sitting Woman in Robes III , 1987, Courtesy of the artist and Pangolin London
Lynn Chadwick, Sitting Woman in Robes III , 1987, Courtesy of the artist and Pangolin London – Mit freundlicher Genehmigung von: londonartfair / Wer: London Art Fair
Marion Adnams, Dark River, 1944. Oil on panel 49.5 x 58.5 cm. © Estate of Marion Adnams, Photograph © England & Co.
Marion Adnams, Dark River, 1944. Oil on panel 49.5 x 58.5 cm. © Estate of Marion Adnams, Photograph © England & Co. – Mit freundlicher Genehmigung von: londonartfair / Wer: London Art Fair
Brendan Burns, When The Leaves Come Tumbling Down, 2025, Oil and wax on linen, 170 x 140.5 cm (66 ⅞ x 55 ¼ in) per canvas, Courtesy of Osborne Samuel Gallery
Brendan Burns, When The Leaves Come Tumbling Down, 2025, Oil and wax on linen, 170 x 140.5 cm (66 ⅞ x 55 ¼ in) per canvas, Courtesy of Osborne Samuel Gallery – Mit freundlicher Genehmigung von: londonartfair / Wer: London Art Fair

Der öffentliche Messebetrieb der London Art Fair 2026 beginnt am Mittwoch, dem 21. Januar, und dauert von 11 bis 21 Uhr. Am Abend dieses Tages findet die Wednesday Late View von 17 bis 21 Uhr statt; in diesem Zeitraum werden, solange der Vorrat reicht, kostenlose Getränke angeboten.

Am Donnerstag, dem 22. Januar, sowie am Freitag, dem 23. Januar, ist die Messe jeweils von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Am Samstag, dem 24. Januar, gelten ebenfalls die Öffnungszeiten von 11 bis 19 Uhr. Der letzte Messetag, Sonntag, der 25. Januar, endet mit verkürzten Öffnungszeiten von 11 bis 17 Uhr.