Nicola De Maria, „Regno dei Fiori. Esplorazione Cosmica del Profondo. Fiori“, 2024, Öl und Pigmente auf Leinwand, abstrakte kosmische Komposition mit leuchtenden Farbkreisen, Courtesy the artist & Galleria Mazzoli, Foto: Rolando Paolo Guerzoni • Leonardo Devito, „Fuga“, 2025, Öl und Acryl auf Leinwand, figürliche Darstellung einer Fluchtbewegung mit mehreren dunklen Figuren im Raum, Courtesy the artist and Acappella, Naples – Mit freundlicher Genehmigung von: artefiera.it / BolognaFiere S.p.A.
Der besondere Rang der italienischen Nachkriegskunst zeigt sich auch räumlich. Die lichtdurchfluteten Hallen, seit jeher ein Markenzeichen der Messe, lassen die Kunst der Nachkriegszeit in einen offenen Dialog mit zeitgenössischen Positionen und aktuellen künstlerischen Forschungen treten. Hier wird deutlich, was Arte Fiera seit Jahrzehnten auszeichnet: die Fähigkeit, italienische Kunst als vielstimmiges, polyzentrisches System zu lesen, das sich jenseits einfacher geografischer oder stilistischer Zuschreibungen entwickelt. Bologna fungiert dabei als historisches Scharnier zwischen Nord und Süd, als Ort des Austauschs und der Vermittlung.
Diese Haltung spiegelt sich auch in den kuratierten Sektionen wider, die die klassische Messepräsentation erweitern, ohne sie zu fragmentieren. Fotografie wird nicht als Randdisziplin verstanden, sondern als offenes Feld zwischen Dokument, Konzept und formaler Forschung. Die Idee des Multiplen verweist auf eine lange, oft unterschätzte Tradition der Reproduzierbarkeit und auf neue, inklusivere Modelle des Sammelns. Malerei erscheint erneut als ein Medium von ungebrochener Gegenwärtigkeit, das seit den 2000er-Jahren mit neuer Intensität auf die Bühne zurückgekehrt ist. Junge künstlerische Positionen werden nicht isoliert, sondern in Beziehung zu einer gezielten Galeriearbeit gesetzt, während die Moderne des 20. Jahrhunderts als lebendiger Resonanzraum für heutige Fragestellungen lesbar bleibt.
Giovanni Colacicchi, „Una martire“, 1947, Öl auf Leinwand, stehender weiblicher Akt mit Seil als symbolischem Attribut, Nachkriegsmalerei in klassischer Bildsprache, Courtesy Bottegantica • Moira Ricci, „Dove il cielo è più vicino“, 2014, Inkjet-Print auf Forex, ländliche Landschaft mit freistehendem Gebäude vor bewaldetem Hügel, zeitgenössische italienische Fotografie, Courtesy the artist and Laveronica, Modica – Mit freundlicher Genehmigung von: artefiera.it / BolognaFiere S.p.A.
Die neue visuelle Identität der Messe, entwickelt von Al mare. Studio, verdichtet diese Ausrichtung in einem einzigen Zeichen. Der rote Kreis, seit jeher Symbol von Arte Fiera, löst sich aus seiner Statik und wird zu einem aufgehenden Licht, zu einem Sonnenaufgang über einem gedachten Horizont. Minimalistisch und zugleich poetisch verweist er auf Erneuerung, ohne den Wiedererkennungswert aufzugeben.
Auch jenseits der Messehallen bleibt die Nachkriegskunst ein zentraler Bezugspunkt. Die erneuerte Zusammenarbeit mit der Furla Foundation unterstreicht die Bedeutung der Performance, eines Mediums, das Arte Fiera von Beginn an begleitet und heute als selbstverständlicher Teil ihres Profils gilt. Die Fortsetzung der Partnerschaft mit BPER Banca und die enge Zusammenarbeit mit ANGAMC stärken die institutionelle Verankerung der Messe und ihr Selbstverständnis als Plattform, die Markt, Sammlung und kunsthistorische Verantwortung miteinander verbindet.
Hamza Badran, „Untitled (Self-Portrait)“, 2019, fotografischer Print auf Papier, Selbstporträt eines Mannes mit Schleuder vor dunklem Hintergrund, zeitgenössische Fotografie, Courtesy the artist and Gian Marco Casini Gallery, Livorno, Foto: Alessio Belloni • Ana Lupas, „Portrait“, 1985, Porzellan, skulpturales Objekt mit handschriftlichen Markierungen, Unikat, Courtesy the artist e P420, Bologna, Foto: Carlo Favero – Mit freundlicher Genehmigung von: artefiera.it / BolognaFiere S.p.A.
So erscheint Arte Fiera 2026 nicht als Bruch, sondern als präzise Weiterführung eines gewachsenen Modells. Die italienische Kunst seit der Nachkriegszeit bleibt ihr stabiler Bezugspunkt – nicht als nostalgische Kategorie, sondern als lebendiger Ursprung, aus dem sich Gegenwart und Zukunft immer wieder neu speisen. „Cosa sarà“ ist damit weniger eine Frage als eine Haltung: offen, erwartungsvoll und fest verankert in einer Geschichte, die noch lange nicht abgeschlossen ist.
Reena Saini Kallat, „Paper Machine“, 2012/13, bemalte glasfaserverstärkte Kunststoffplatte, skulpturales Objekt in Panzerform mit kartografischen Motiven, zeitgenössische Skulptur, Copyright of the artist, Courtesy Richard Saltoun, London, Rome, New York – Mit freundlicher Genehmigung von: artefiera.it / BolognaFiere S.p.A.