Die italienische Kunst seit der Nachkriegszeit bildet den kunsthistorischen Anker, um den sich die kommende Ausgabe von Arte Fiera mit neuer Klarheit und erneuerter Energie entfaltet. Seit ihrer ersten Ausgabe 1974 ist die Messe nicht nur die älteste Kunstmesse Italiens, sondern auch ihr verlässlichstes Koordinatensystem: ein Ort, an dem sich die Linien zwischen Moderne, Gegenwart und jüngster Forschung kreuzen und immer wieder neu ausrichten. In dieser langen Kontinuität liegt ihre Autorität – und zugleich die Offenheit für Wandel.
Nach einer außerordentlich erfolgreichen Ausgabe 2025 kehrt Arte Fiera vom 6. Februar 2026 nach Bologna zurück, mit Preview am 5. Februar, und eröffnet einen neuen Zyklus. Mit Davide Ferri als künstlerischem Leiter, der bereits fünf Ausgaben von „Pittura XXI“ geprägt hat, und Enea Righi im vierten Jahr als Managing Director, richtet sich der Blick bewusst nach vorn, ohne die historische Verankerung preiszugeben. Der Titel „Cosa sarà“ trägt diese Spannung in sich: eine Projektion in die Zukunft, verbunden mit dem Versprechen des Unerwarteten und dem Willen, das Format Messe weiterzudenken.
Der besondere Rang der italienischen Nachkriegskunst zeigt sich auch räumlich. Die lichtdurchfluteten Hallen, seit jeher ein Markenzeichen der Messe, lassen die Kunst der Nachkriegszeit in einen offenen Dialog mit zeitgenössischen Positionen und aktuellen künstlerischen Forschungen treten. Hier wird deutlich, was Arte Fiera seit Jahrzehnten auszeichnet: die Fähigkeit, italienische Kunst als vielstimmiges, polyzentrisches System zu lesen, das sich jenseits einfacher geografischer oder stilistischer Zuschreibungen entwickelt. Bologna fungiert dabei als historisches Scharnier zwischen Nord und Süd, als Ort des Austauschs und der Vermittlung.
Diese Haltung spiegelt sich auch in den kuratierten Sektionen wider, die die klassische Messepräsentation erweitern, ohne sie zu fragmentieren. Fotografie wird nicht als Randdisziplin verstanden, sondern als offenes Feld zwischen Dokument, Konzept und formaler Forschung. Die Idee des Multiplen verweist auf eine lange, oft unterschätzte Tradition der Reproduzierbarkeit und auf neue, inklusivere Modelle des Sammelns. Malerei erscheint erneut als ein Medium von ungebrochener Gegenwärtigkeit, das seit den 2000er-Jahren mit neuer Intensität auf die Bühne zurückgekehrt ist. Junge künstlerische Positionen werden nicht isoliert, sondern in Beziehung zu einer gezielten Galeriearbeit gesetzt, während die Moderne des 20. Jahrhunderts als lebendiger Resonanzraum für heutige Fragestellungen lesbar bleibt.
Die neue visuelle Identität der Messe, entwickelt von Al mare. Studio, verdichtet diese Ausrichtung in einem einzigen Zeichen. Der rote Kreis, seit jeher Symbol von Arte Fiera, löst sich aus seiner Statik und wird zu einem aufgehenden Licht, zu einem Sonnenaufgang über einem gedachten Horizont. Minimalistisch und zugleich poetisch verweist er auf Erneuerung, ohne den Wiedererkennungswert aufzugeben.
Auch jenseits der Messehallen bleibt die Nachkriegskunst ein zentraler Bezugspunkt. Die erneuerte Zusammenarbeit mit der Furla Foundation unterstreicht die Bedeutung der Performance, eines Mediums, das Arte Fiera von Beginn an begleitet und heute als selbstverständlicher Teil ihres Profils gilt. Die Fortsetzung der Partnerschaft mit BPER Banca und die enge Zusammenarbeit mit ANGAMC stärken die institutionelle Verankerung der Messe und ihr Selbstverständnis als Plattform, die Markt, Sammlung und kunsthistorische Verantwortung miteinander verbindet.
So erscheint Arte Fiera 2026 nicht als Bruch, sondern als präzise Weiterführung eines gewachsenen Modells. Die italienische Kunst seit der Nachkriegszeit bleibt ihr stabiler Bezugspunkt – nicht als nostalgische Kategorie, sondern als lebendiger Ursprung, aus dem sich Gegenwart und Zukunft immer wieder neu speisen. „Cosa sarà“ ist damit weniger eine Frage als eine Haltung: offen, erwartungsvoll und fest verankert in einer Geschichte, die noch lange nicht abgeschlossen ist.
Die Arte Fiera 2026 öffnet am 5. Februar mit mehreren Einladungsformaten: Special Preview von 11.00 bis 12.00 Uhr, Preview von 12.00 bis 17.00 Uhr und Vernissage von 17.00 bis 21.00 Uhr.
Am 6. Februar ist die Messe von 11.00 bis 12.00 Uhr VIPs vorbehalten, anschließend von 12.00 bis 19.00 Uhr öffentlich zugänglich. Am 7. und 8. Februar ist die Arte Fiera jeweils von 11.00 bis 19.00 Uhr geöffnet.
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