Ein ganzer Blumentopf voller Gesichter. Gelbe Blüten mit dunkelvioletten Zeichnungen scheinen uns neugierig, überrascht oder beinahe grimmig entgegenzublicken. Manche wirken, als würden sie lächeln, andere scheinen mit weit geöffneten Augen zu staunen. Was zunächst wie eine fantasievolle Vermenschlichung erscheint, gehört bereits zur Natur der Stiefmütterchen: Ihre charakteristischen Blütenzeichnungen erinnern tatsächlich an kleine Gesichter.
Mit Pansies (2021), präsentiert von der Galeria Francisco Salas, verwandelt die britische Künstlerin Rosalind Nashashibi ein scheinbar gewöhnliches Blumenstillleben in eine lebendige, beinahe märchenhafte Szene. Die leuchtend gelben und violetten Blüten drängen sich dicht aneinander, während der kräftig rote Rand des Blumentopfes die Komposition zusammenhält. Ein einzelner, dünner Zweig wächst rechts aus dem üppigen Blütenmeer heraus, als wolle er sich von der Gemeinschaft lösen.
Doch Nashashibi belässt es nicht bei den Blumen. Rechts unten, beinahe unauffällig, huscht eine kleine braune Maus am Blumentopf vorbei. Ihre Anwesenheit verändert die gesamte Szene. Plötzlich scheint das Stillleben Teil einer größeren Geschichte zu sein. Wohin läuft die Maus? Hat sie sich gerade zwischen den Blumen versteckt, oder ist sie nur zufällig vorbeigekommen? Die Künstlerin lässt diese Fragen offen.
Auch die Malweise trägt wesentlich zur besonderen Atmosphäre bei. Nashashibi arbeitet mit lockeren, sichtbaren Pinselstrichen, kräftigen Farbkontrasten und einem Hintergrund, der stellenweise beinahe unfertig erscheint. Die Blüten sind nicht botanisch präzise wiedergegeben, sondern entstehen aus spontanen Farbsetzungen. Gerade dadurch gewinnen sie ihren eigentümlichen Ausdruck und scheinen ein beinahe menschliches Eigenleben zu entwickeln.
Vielleicht liegt der besondere Reiz dieses Gemäldes gerade in seiner scheinbaren Einfachheit. Rosalind Nashashibi zeigt uns, wie viel Fantasie und Leben in den alltäglichsten Dingen verborgen sein können. Ein Topf mit Stiefmütterchen, eine kleine Maus und ein paar kräftige Pinselstriche genügen, um aus einem vertrauten Motiv eine Welt voller kleiner Geschichten entstehen zu lassen.
Es sind solche Begegnungen mit der Kunst, die den besonderen Reiz einer internationalen Messe ausmachen. Zwischen großen Namen, kunsthistorischen Entdeckungen und überraschenden zeitgenössischen Positionen eröffnet die Art Basel Paris immer wieder neue Perspektiven. Doch das Kunsterlebnis endet nicht an den Türen des Grand Palais.
Mit „Oh La La!“ kehrt zudem das Format für alternative Präsentationsformen zurück. Der Public Program-Bereich entsteht erneut in Zusammenarbeit mit führenden Pariser Institutionen und wird von Miu Miu als offizieller Partner unterstützt. Gespräche, Diskussionsrunden und kulturelle Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet begleiten die Messewoche. Geplant sind unter anderem große Ausstellungen im Musée d’Orsay, Musée Picasso, Fondation Louis Vuitton und der Bourse de Commerce – Pinault Collection.
Wenn sich im Oktober erneut Sammler, Galeristen, Kuratoren und Künstler unter dem monumentalen Glasdach begegnen, wird spürbar, warum das Grand Palais weit mehr als ein Ausstellungsort ist – eine Grande Dame der Belle Époque, vor der man bis heute mit Ehrfurcht stehen bleibt, ein Bauwerk mit eigener Seele.