Le Carreau du Temple in Paris – historischer Veranstaltungsort der Signatures Art Fair 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: signaturesartfair.com / Drawing Society / DS Office
Das Carreau du Temple gehört dabei selbst zum Erlebnis. Seine historische Konstruktion aus Glas und Metall lässt Licht über die Architektur wandern und schafft einen reizvollen Gegensatz zu den oft kleinen, konzentrierten Formaten der Edition. Mitten im 3. Arrondissement beginnt so ein Rundgang, bei dem nicht die Größe eines Werkes entscheidet, sondern die Idee dahinter.
Im Mittelpunkt stehen nummerierte und limitierte Editionen: Gravur und Druckgrafik treffen auf Fotografie und Serigrafie, Künstlerbücher auf Objekte und Skulpturen. Wie weit dieser Begriff reichen kann, zeigt bereits die Auswahl der präsentierten Arbeiten. Die Edition erscheint hier nicht als bloße Wiederholung eines Originals, sondern als eigenständige künstlerische Praxis.
Émile Mariot, „L’Embrassade“, Lithographie – École des Arts Décoratifs – PSL, Signatures Art Fair 2026 Paris – Mit freundlicher Genehmigung von: signaturesartfair.com / Drawing Society / DS Office
Besonders still wirkt Émile Mariots Lithografie „L’Embrassade“. Zwei Körper verschmelzen beinahe miteinander, Konturen verschwinden, Schwarz wird zu Nähe. Das Blatt der École des Arts Décoratifs – PSL steht exemplarisch für jene intime Wirkung, die Druckgrafik entwickeln kann und die sich erst beim längeren Hinsehen vollständig erschließt.
Vielleicht liegt genau hier eine der schönsten Eigenschaften der Edition: Sie verlangt nicht nach Distanz. Vor „L’Embrassade“ wird aus wenigen schwarzen Flächen eine Umarmung, aus Papier plötzlich etwas Körperliches. Für einen Moment tritt die Technik zurück – und übrig bleibt eine Geste, die jeder versteht.
Sculptures-chandeliers en bronze à patine noire ,une face en bronze poli, 1986, courtesy Galerie Pierre-Alain Challier, Paris – Mit freundlicher Genehmigung von: signaturesartfair.com / Drawing Society / DS Office
Wenige Schritte weiter verändert sich die Sprache vollkommen. Die „Sculptures-chandeliers“ von Lynn Chadwick aus dem Jahr 1986 erheben sich mit ihren schwarzen, kantigen Bronzekörpern beinahe wie Figuren im Raum. Bei Galerie Pierre-Alain Challier wird damit sichtbar, dass die Welt der Edition keineswegs an Papier gebunden ist. Auch Skulptur und Multiple gehören zu dieser Geschichte.
Alex Katz, „Pas de Deux Suite I“, 1994, handsignierte Serigrafie, 91,4 × 50,8 cm – Signatures Art Fair Paris – Mit freundlicher Genehmigung von: signaturesartfair.com / Drawing Society / DS Office
Mit Alex Katz und „Pas de Deux Suite I“ von 1994 kommt wiederum Farbe ins Spiel. Die handsignierte Serigrafie zeigt jene reduzierte, flächige Bildsprache, mit der Katz Figuren und Beziehungen auf wenige präzise Gesten konzentriert. Solche Begegnungen zwischen bekannten Namen und weniger vertrauten Positionen bestimmen den Rhythmus der Messe.
Unter den angekündigten Ausstellern finden sich Perrotin Editions & Store, Opera Gallery, La Patinoire Royale Bach, Galerie GKM, Galerie Chevalier, Galerie Minimasterpiece, Éditions RLD, Éditions Anthèse, MEL Publisher und My Collection – Yoyo Maeght. Dabei wechseln klassische Editionshäuser mit Galerien und Präsentationen, in denen Grafik, Objekt und Skulptur selbstverständlich nebeneinanderstehen.
My Collection – Yoyo Maeght mit farbigen Skulpturen und Grafiken – Aussteller der Signatures Art Fair 2026 in Paris – Mit freundlicher Genehmigung von: signaturesartfair.com / Drawing Society / DS Office
Bei My Collection – Yoyo Maeght wird diese Offenheit besonders augenfällig: farbige Skulpturen stehen vor dicht gehängten Grafiken und lassen den Messestand beinahe selbst zu einer kleinen Sammlung werden. Perrotin Editions & Store führt den Gedanken weiter und zeigt, wie selbstverständlich Editionen heute zwischen Kunstwerk, Künstlerobjekt und Publikation ihren Platz behaupten.
Perrotin Editions & Store mit zeitgenössischen Grafiken, Editionen und Kunstobjekten – Signatures Art Fair 2026 Paris – Mit freundlicher Genehmigung von: signaturesartfair.com / Drawing Society / DS Office
Dass hinter all dem auch Handwerk und eine lange Tradition stehen, führt der Rundgang schließlich zurück zur Lithografie. Éditions Anthèse erinnert mit dem Atelier de lithographies Nicolas Draeger an jene Werkstätten, in denen Künstleridee und drucktechnisches Wissen zusammenkommen. Auch Armans „Trio à cordes“ von 1987, ein Portfolio aus drei Serigrafien der Édition GKM, macht sichtbar, wie aus der Wiederholung nicht Gleichförmigkeit, sondern Variation entstehen kann.
Éditions Anthèse – Atelier de lithographies Nicolas Draeger, historische Darstellung einer Lithografiewerkstatt, Signatures Art Fair Paris – Mit freundlicher Genehmigung von: signaturesartfair.com / Drawing Society / DS Office
So führt die Signatures Art Fair vom intimen Blatt über die farbige Serigrafie bis zur Bronze und wieder zurück an die Druckpresse. Die Signatures Art Fair 2026 erweitert damit den Pariser Messeherbst um einen internationalen Treffpunkt für Galerien, Verlage, Sammler und Künstler, an dem nicht das Einzelstück, sondern die erstaunliche Vielfalt der Edition zur Hauptdarstellerin wird.