Der bewohnte Garten von Michael Zimmer: Ein Dialog zwischen Kunst und NaturSeit mehr als drei Jahrzehnten verwandelt der Sammler Michael Zimmer eine ehemalige Kiesgrube in der Nähe von Köln in ein lebendiges Gesamtkunstwerk. Es ist kein Skulpturenpark im herkömmlichen Sinn, sondern ein „bewohnter Garten“, in dem Kunst und Natur miteinander verschmelzen. In einer Welt der White Cubes bietet dieser Ort eine alternative Erfahrung – sinnlich, offen, naturnah.
„Als ich meinen Hof vor circa 30 Jahren kaufte, war fast alles nur Sand, Beton oder Kiesgrube. Der Hof war eine Ruine. Die Ödnis habe ich u.a. intuitiv mit einem Garten gefüllt.“
Dieser intuitive Zugang war der Beginn eines Projekts, das heute unter Sammlern und Kunstliebhabern Kultstatus genießt. Inspiriert durch die Idee seines damaligen Freundes Udo Kittelmann, begann Zimmer zeitgenössische Skulpturen zu sammeln – Werke, die nicht isoliert, sondern im Einklang mit Landschaft und Jahreszeiten erlebt werden sollen.
„Die Idee gefiel mir, weil sie mir den Garten gemütlich machte. Irgendwann kam mir dann die Idee, den Garten beschränkt öffentlich zu machen.“
Der Zugang zur Kunst soll hier nicht elitär oder museal vermittelt werden, sondern emotional und unmittelbar. Die Vision dahinter ist klar: Menschen jeden Alters sollen die Möglichkeit haben, sich der Kunst auf natürliche Weise zu nähern.
„Dabei geht es mir nicht ausschließlich um Fachpublikum, sondern insbesondere um Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die den Zugang zur Kunst suchen, den ihnen der White Cube häufig entfremdet.“
Im Zentrum der Sammlung steht die menschliche Figur in der zeitgenössischen Skulptur – ein Thema, das Zimmer und Kittelmann zeitlebens faszinierte. Der Garten wird dabei nicht nur als Kulisse begriffen, sondern als Mitgestalter der Werke.
„Jeder Künstler oder Künstlerin hatte dabei auch die Möglichkeit, seinen Teil des Gartens mitzugestalten.“
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Paul McCarthy.
„Für ihn haben wir auf seinen Wunsch einen Hügel angelegt, um seine Skulptur ‘Henry Moore, Bound to fail’ zu präsentieren, eingerahmt von Trauerweiden ist das Gras auf der einen Seite geschnitten, wie es bei Moore richtig gewesen wäre und von der anderen Seite wild, zu Paul entsprechend passend.“
Oder Pierre Huyghe, dessen Werk „Untilled“ in einem eigens angelegten Wäldchen mit Blumenwiese seinen idealen Ort fand.
„Diese Art der Zusammenarbeit mit diesen großartigen Künstler:innen hat mir immer besondere Freude gemacht.“
Der Garten folgt keiner klassischen Ordnung, sondern orientiert sich an der Idee des englischen Landschaftsgartens.
„Alles bei uns möglichst leger und unprätentiös. Wichtig ist nur, jeder einzelnen Arbeit ihren eigenen Raum zu lassen.“
Diese Haltung spiegelt sich auch im Umgang mit Leerstellen und dem Wachstum der Sammlung wider.
„Der Park ist in sich schön. Der Garten soll wirken. Die Skulptur ist zu Gast. Deswegen ‘Der bewohnte Garten’.“
Heute ist der Garten Teil einer Stiftung, die sich nicht nur der Erhaltung dieses einzigartigen Ortes widmet, sondern auch Ausstellungen, Publikationen und Museen fördert.
„Das zentrale Anliegen der Stiftung ist, den Besuchern ein Moment der kontemplativen Ruhe zu schenken.“
Besonderes Augenmerk gilt dabei der jungen Generation.
„Insbesondere Kindern und Jugendlichen soll er ein Hort der Ruhe sein. Dies ermöglichen wir mit unseren Kids Days.“
Für die Zukunft hat Zimmer klare Pläne:
„Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen auszubauen, ist unser nächstes primäres Ziel.“
Sein Rat an junge Sammler ist einfach und leidenschaftlich zugleich.
„Sich selbst, ihren Interessen und Ideen zum persönlichen Vergnügen zu folgen. Aus persönlicher Begeisterung entstehen die schönsten Ergebnisse.“
Und was sollten Kunstliebhaber sonst noch beachten?
„Aus Begeisterung Kunst erwerben. Das ist wirtschaftlich nicht sinnvoll – macht aber Freude. Wer mit Kunst Geld verdienen will, spielt besser im Lotto.“
Der bewohnte Garten ist kein Projekt für Rendite, sondern ein poetischer Ort der Erfahrung, Reflexion und Lebensfreude.
„Ich weiß nicht, ob das jetzt drei Ratschläge waren aber das wäre das, was ich dem Kunstinteressierten gerne mitgeben würde.“
Wer diesen Ort besuchen möchte, kann auf Anfrage Führungen organisieren. Es lohnt sich – nicht nur für Kunstliebhaber, sondern für alle, die sich nach einem authentischen Erlebnis sehnen, das Kunst, Natur und Mensch in Einklang bringt.