Oberes Belvedere: 2026 Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien
Oberes Belvedere: 2026 Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere Wien

Was: Presse

Wann: 08.01.2026

Nach dem erfolgreichsten Jahr seiner Geschichte richtet das Belvedere den Blick auf 2026 und verankert sein Programm erneut in der österreichischen Kunstgeschichte, verstanden als lebendiges Spannungsfeld zwischen historischer Tiefe und zeitgenössischer Gegenwart. Mit vierzehn neuen Ausstellungen an drei Standorten entfaltet sich ein Jahresbogen, der vom Biedermeier bis zu feministischen Zukunftsentwürfen reicht und das Museum als zentrale europäische Institution kunsthistorischer Reflexion positioniert.

Im Unteren Belvedere bildet die Malerei des 19. Jahrhunderts einen wesentlichen Bezugspunkt. Ferdinand Georg Waldmüller wird nicht als isolierter Meister gelesen, sondern als europäisch eingebettete Figur, deren Landschaftsauffassung den Realismus der Naturbeobachtung mit gesellschaftlicher Ordnung verbindet. Die textile Moderne der Klassischen Avantgarde tritt mit Anni Albers hinzu, deren Werk erstmals in Österreich in seiner ganzen konzeptuellen Konsequenz sichtbar wird. Mit Erna Rosenstein und Erika Giovanna Klien öffnet sich der Blick auf zwei Künstlerinnen, deren Bedeutung für die europäische Nachkriegs- und Avantgardekunst lange unterschätzt wurde und die heute als unverzichtbare Stimmen der Moderne gelten.

Das Obere Belvedere schärft den kunsthistorischen Blick auf die Sammlung selbst. Die Auseinandersetzung mit Johann Baptist Lampi d. Ä. und d. J. legt verborgene Bedeutungsschichten frei und macht sichtbar, wie Übermalungen kunsthistorische Narrative verändern können. Die Reihe Carlone Contemporary führt mit Werken von herman de vries und Asta Gröting zeitgenössische Positionen in den barocken Raum ein und zeigt, wie historische Architektur zur Resonanzfläche heutiger Fragestellungen wird.

Im Belvedere 21 verdichtet sich die Gegenwart. Die skulpturalen Installationen von Sandra Mujinga eröffnen das Jahr mit einer körperlich erfahrbaren Bildsprache zwischen Schutz, Präsenz und Identität. Feministische Malerei erhält mit Sue Williams eine kraftvolle Bühne, während Friedl Kubelka / vom Gröller erstmals auch als Zeichnerin und Malerin sichtbar wird. Fragen nach künstlicher Intelligenz und Autorschaft treten mit Miao Ying in den Vordergrund, bevor die Ausstellung Stellprobe die Neuerwerbungen der letzten Dekade zusammenführt und damit die Entwicklung der Sammlung selbst zum Thema macht. Den Abschluss bildet Feminist Futures Forever, eine Ausstellung, die feministische Kunstgeschichte nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als fortlaufenden Dialog zwischen Generationen versteht.

„Zu den Höhepunkten im Unteren Belvedere zählen Ausstellungen zu Ferdinand Georg Waldmüller, Anni Albers, Erna Rosenstein und Erika Giovanna Klien“, betont Generaldirektorin Stella Rollig und verweist damit auf den programmatischen Kern des Jahres, der historische Positionen neu liest und in gegenwärtige Diskurse einschreibt.

Begleitet wird das Ausstellungsprogramm von Publikationen, Veranstaltungen und partizipativen Projekten, die den musealen Raum über die Ausstellung hinaus öffnen. Zugleich wächst die Sammlung kontinuierlich weiter, insbesondere durch umfangreiche Konvolute zur österreichischen Gegenwartskunst, darunter Werke aus dem Nachlass von Alfons Schilling und dem Vorlass von Maria Hahnenkamp.

Der Erfolg des Hauses spiegelt sich auch in den Zahlen wider. „Wir freuen uns, dass wir 2025 rund 9 Prozent mehr Besucher*innen begrüßen durften als im Vorjahr – so viele wie nie zuvor“, erklärt Wolfgang Bergmann, wirtschaftlicher Geschäftsführer des Belvedere. Mit rund 1,6 Millionen Besuchern allein im Oberen Belvedere und erstmals mehr als zwei Millionen Besuchern über alle Standorte hinweg markiert 2025 einen historischen Höhepunkt. Parallel dazu schreiten die Planungen für das neue Visitor Center und die Expansion nach Salzburg voran, womit das Belvedere seinen Anspruch unterstreicht, österreichische Kunstgeschichte nicht nur zu bewahren, sondern aktiv in die Zukunft zu führen.

Tags: Ferdinand Georg Waldmüller, Anni Albers, Erna Rosenstein, Erika Giovanna Klien, Moderne Kunst, Zeitgenössische Kunst

Die Öffnungszeiten des Belvedere Wien variieren je nach Standort und Ausstellung. Aktuelle Zeiten für Oberes Belvedere, Unteres Belvedere und Belvedere 21 sind tagesaktuell auf der offiziellen Website des Belvedere abrufbar: https://www.belvedere.at/besuch