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Was: Presse

Wann: 05.12.2007

Großes erwartete die angereisten Kunstliebhaber am Samstag, den 1. Dezember in Heilbronn. Das Auktionshaus Dr. Fischer lud ein zu zwei großen Versteigerungen „Kunst-Keramik" sowie „Russisches Kunsthandwerk.

Auktionshaus Dr. Fischer, HeilbronnPressenachbericht Auktion 168 „Kunst und Keramik" am 1. Dezember 2007

Das gut 600 Lose umfassende Angebot an europäischem Kunsthandwerk lockte am 1. Dezember 2007 zahlreiche Sammler und Händler in das Trappenseeschlösschen in Heilbronn. Reges Interesse und zahlreiche Bietgefechte fokussierten sich besonders auf siebenbürgische Keramik und rumänische Hinterglasikonen. Die Schätzpreise waren da schon lange keine Maß mehr und die Zuschläge fielen weit darüber hinaus.

Die Sparte Altes Porzellan reüssierte mit einem ganz besonderen Highlight: Ein Teller aus dem Schwanenservice des Grafen von Brühl (Meissen 1737-1741) nach einem Modell des berühmten Johann Joachim Kaendler. Das über 2200 Stücke umfassende Service gilt als eines der prachtvollsten und umfangreichsten Service, das in der Meissner Porzellan-Manufaktur je kreiert wurde. Während des 2. Weltkriegs gingen große Teile verloren oder wurden zerstört. Vereinzelte Stücke fanden ihren Weg in die ganze Welt. Wenn sie in heutigen Zeiten wieder auftauchen, ist die Begierde groß. So konnte sich ein eifriger Bieter gegen seine zahlreichen Konkurrenten durchsetzten und erwarb den Teller für 12.000 Euro.

Beim Jugendstil Porzellan kamen die Damen ganz groß heraus. Eine Tänzerin mit Fächer, nach einem Entwurf von Konrad Hentschel (Meissen, vor 1924) machte es vor, wie es gehen sollte. Sie ließ sich nicht unter Wert verkaufen und wechselte den Besitzer für 5.700 Euro. Ihr folgten die in sich versunkene Lotosblume von Karl Himmelstoss (Rosenthal, um 1922) für 4.200 Euro und die ausdrucksstarke russische Balletttänzerin Karsawina in ihrer Rolle der „Zobeide" aus dem Tanzdrama „Scheherazade", wie sie Constantin Holzer Defanti in Porzellan festgehalten hatte. Die Tänzerin eroberte sich einen neuen Platz für 3.500 Euro.

Außerhalb von Raum und Zeit befindet sich die sogenannte „Tag und Nacht" Uhr von Gustav Oppel (Rosenthal 1929). Als Wächter der Zeit flankieren die griechischen Götter Apollo und Selene das Ziffernblatt. Ihre ausdrucksstarken Gestalten wurden von mehreren Interessenten umworben, so dass sich der Schätzpreis während eines Wettgefechts mehr als verdoppelte. Der Zuschlag ging mit 8.500 Euro an den erfolgreichen Bieter.

Der Saal explodierte förmlich vor Emotion, als eine Vase nach einem Formentwurf des französischen Künstlers Emile-Jacques Ruhlmann (Sèvres, um 1930) für 1.500 Euro aufgerufen wurde. Die Drähte liefen heiß, als sich gleich mehrere Telefonbieter in das Geschehen mit einwählten und mit einigen Saalbieter erbittert um dieses ausgefallene Exemplar kämpften, welches die Zeichen seiner Zeit trägt: mit stilistischer Einfachheit erobert es die Herzen eines jeden Sammlers. Der Wettstreit kam erst bei 17.600 Euro zum Erliegen.

Im Bereich der Fayencen kam es zu einer Überraschung. Ein seltener, sächsischer Walzenkrug aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stellte sich als ein Objekt der Begierde gleich mehrere Interessenten heraus. Der Schätzpreis von 1.600 Euro explodierte geradezu und der Krug wurde letztendlich mit 6.000 Euro zugeschlagen.

Ein erster Vorgeschmack auf die starke Nachfrage an Siebenbürgischem Kunsthandwerk ergab sich, als ein Hermannstädter Nelkenkrug aus dem Jahr 1740 aufgerufen wurde. Dieser besondere, mit einem Lebensbaum verzierte Krug kletterte von 4.800 Euro auf 8.800 Euro. Es folgte ein Siebenbürgischer Weinkrug (Draas, 1804), der seinen Schätzpreis mehr als verdoppeln konnte und mit 6.600 Euro zugeschlagen wurde. Die Jagd auf besondere Keramik nahm kein Ende und kulminierte, als ein Birnkrug mit Emblemen der Schneiderzunft (Siebenbürgen, Thorenburg, Ende 18. Jh.), Zuschlag 5.100 Euro, und ein Birnkrug mit Emblemen der Schnitter (Siebenbürgen, Alvinz, 2. Hälfte 18. Jh.), Zuschlag 6.300 Euro, aufgerufen wurden. Sie konnten beide ihren Schätzpreis mehr als vervierfachen und bildeten damit einen Höhepunkt im Bereich Siebenbürgischer Keramik.

Die Wogen hatten sich kaum geglättet, als es die nächsten hohen Steigerungen im Bereich Silber gab. Ein Siebenbürgisches Schneckenhefel aus Kronstadt (um 1650) erzielte einen Zuschlag von 9.500 Euro und ein Wiener Kugelfußbecher (1867-1872) mit Darstellungen mythologischer Götter- und Sagengestalten wurde für 5.700 Euro verkauft. Der Kampf um ein Paar Augsburger Rokoko-Leuchter aus der 2. Hälfte des 18. Jh. kam bei 4.400 Euro zum Erliegen.

Der Höhenflug des Siebenbürgischen Kunsthandwerks setzte sich im Bereich Zinn fort. Ein Hermannstädter Weinkrug ziert eine ganz besondere Darstellung: ein Paar in Tracht der Renaissance, davon seitlich je ein Paar in siebenbürgisch-sächsischer Tracht. Welcher Hermannstädter konnte solch einer zeitgenössischen Darstellung schon widerstehen? Der Krug wurde für 6.100 Euro verkauft. Im weiteren Verlauf zeichnete sich ab, dass es erneut die Zünfte waren, die die Zahlen in die Höhe schnellen ließen: Eine Zierplatte mit den Emblemen der Schusterzunft (Siebenbürgen, Schäßburg, 17. Jh.) wurde für 6.100 Euro verkauft und eine Breitrandplatte mit den Zeichen der Weberzunft (Siebenbürgen, Kronstadt, 1760) ging für 5.700 Euro an seinen neuen Besitzer.

Ganz besondere Highlights unter den überdurchschnittlich gut verkauften Rumänischen Festtagsikonen und außerordentlich heiß umkämpft waren zwei Ikonen von dem rumänischen Maler Matei Timforea. Die eine stellt das Leben Jesu und Mariens dar (Rumänien, Citrisoara im Alttal, 1892) und ging mit einem verdoppelten Schätzpreis von 5.100 Euro an den erfolgreichen Bieter; die andere zeigt das Bildnis einer trauernden Muttergottes (Rumänien, Citisoara, 1898), dessen Wert von 1.700 Euro auf 7.000 Euro hochschnellte.

Ein würdigen Abschluss dieser Bietgefechte um Siebenbürgische Kunst bildete ein Gesetzbuch der Sachsen in Siebenbürgen, welches im Jahr 1684 von Stephanus Jüngling verlegt worden war. Der Schätzpreis von 880 Euro raste in einem unerbittlichen Kampf auf 4.200 Euro hoch.

Den Anwesenden im Saal blieb nur eine kurze Pause, als die Spannung erneut stieg und die ersten Positionen der Russischen Kunst aufgerufen wurden.

Pressenachbericht Auktion 169 „Russisches Kunsthandwerk und Gemälde" am 1. Dezember 2007

Das fast 400 Lose umfassende Angebot an Russischer Kunst ließ das Trappenseeschlösschen am 1. Dezember 2007 zu einem Magneten für internationale Kunstkenner- und Liebhaber werden. An diesem Nachmittag war die Atmosphäre im Saal zum Reißen gespannt und ein überwältigendes Aufgebot an Telefon- und Saalbietern ließ oft nicht nur den Auktionator vor Spannung die Luft anhalten. Zielbewußte und unerschrockene Käufer ließen die Schätzungen oft um ein Mehrfaches steigen und sorgten so für einen überaus erfolgreichen Abschluss dieser Auktion.

Ein fulminanter Auftakt und ein erstes Zeichen, dass der Kunstmarkt weiterhin für russische Kunst offen ist und sich Sammler und Händler nicht scheuen, viel Geld in diesen Markt zu investieren, war ein Militärteller aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur. Der in das Jahr 1890 datierte Teller mit vergoldeter Fahne und bemalt von Nicolai Kirsanow, fällt in die Herrscherzeit des Zaren Alexander III. Der Mord an seinem Vater Alexander II. lastete schwer auf seiner Regierung und er selbst, ein ungeliebter Herrscher, entging nur knapp einem Attentat. Umso seltsamer mutet die feine polychrome Malerei im Spiegel eines Tellers aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur an: fern aller Unruhen finden in einer weiten, einsamen Landschaft drei Offiziere aus dem Kaiserlichen Regiment zusammen. Sie ahnen nicht, welch ein Kampf sich um ihre Personen weit hundert Jahre später entfachen soll. Der Teller erzielte während der Auktion, angefacht durch hitzige Bietgefechte zwischen Saal- und Telefonbietern, einen Rekordpreis von 31.500 Euro. Damit steigerte er sich um das fünffache seines Schätzwertes.

Höchstpreise wurden auch in der Sparte Silber erreicht. Solch außergewöhnliche Arbeiten, wie die einer Karaffe mit einer silbernen Fischmontierung (um 1890) aus der weltberühmten Werkstatt Fabergé, stießen schon bei der englischen Königsfamilie auf Interesse: der Prince of Wales erwarb im Jahr 1895 eine identisches Karaffenpaar direkt bei Fabergé. Die bei 9.800 Euro angesetzte Karaffe wurde heiß umkämpft. Der Hammer fiel erst bei 25.200 Euro, königliches Flair mit inbegriffen.

Nicht weniger verlockend war da ein Fabergé Kowsch mit Doppeladler (1898-1903). Das Hoflieferantenzeichen lässt vermuten, dass der Zar selbst diesen Kowsch in der Hand hatte. Sein auf 7.500 Euro geschätzter Wert kletterte in einem rasanten Bietergefecht auf 15.100 Euro hoch.

Dieses Mal kam außerdem eine außergewöhnliche Offerte an edlem und seltenem Cloisonné- Email zum Aufruf: Ein Paar vergoldeter Kowschs mit zwei Salzlöffeln (Moskau, 1896-1908) wurde mit 6.300 Euro zugeschlagen. Ein Cloisonné-Email-Abendtäschchen (Moskau, 1908- 1917) wechselte für 5.100 Euro den Besitzer. Ebenso begehrt wie Arbeiten zur Jahrtausendwende waren auch neuere Arbeiten, die in künstlerischer wie auch handwerklicher Qualität ihren Vorbildern aus alten Zeiten in keiner Weise nachstehen: so erkämpfte sich ein hartnäckiger Bieter ein 32-teilges Cloisonné-Service (Leningrad 1973) für 8.800 Euro, damit wurde das doppelte des Schätzpreises erreicht.

Die Sparte Gemälde bot eine breite Auswahl an bedeutenden russischen Künstlern die auch bei den Käufern auf großes Interesse stießen. Bereits hoch geschätzt, stieg der Preis des von dem russischen Künstler Richard Karlovich Zommer (1866-1939) stammenden Gemäldes „Vor der Teestube" in einem kurzen Bietergefecht von 16.000 Euro auf 21.500 Euro. Die Kunst von Vladimir Ovchinnikov war in den russischen Museen der 60er Jahre nicht gern gesehen und er zählte mit seinen Bildern zu den „inoffiziellen" Künstlern Russlands, da er nicht konform mit dem von der Regierung vorgeschriebenen „Sowjetischen Realismus" ging.

Vladimir Ovchinnikov gehört heute zu den bedeutendsten, zeitgenössischen Malern in Russland. Und so verpönt seine Kunst auch in den schwierigen 60er Jahren gewesen sein mag, desto selbstbewusster tritt sie heute auf den Kunstmarkt und umso begehrter ist sie bei Sammlern und Händlern. Das aus dem Jahr 1941 stammende Gemälde mit dem märchenhaft anmutenden Motiv einer Frau in Begleitung eines Einhorns, ließ die Gemüter der am Telefon und im Saal anwesenden Bieter aufbrausen: sie schaukelten sich von 6.500 Euro auf 22.700 Euro hoch.

Um einen echten Ausreißer handelte es sich bei einer hölzernen Schatulle mit Petersburger Ansichten. Nach einem Gefecht von Telefon- und Saalbieter kletterte der Schätzpreis von 4.500 auf 25.200 Euro.

Unter den Bronzen stach besonders eine Plastik des Bildhauers Pjotr Alexandrowitsch Samonoff (1863-1910) hervor, die einen reitenden Kosaken zeigt. Sie erreichte einen Zuschlag von 7.600 Euro.

Alle Preise inklusive Aufgeld von 26 %

Die Türen des Trappenseeschlösschens schließen sich somit nach einem gelungenen Jahr 2007.

Wir wünschen Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr!

Das Fischer Team

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Ein Highlight aus der 168. Auktion Kunst und Keramik ist eine Vase nach einem Entwurf von EmileJacques Ruhlmann`, die für 17.600 Euro verkauft wurde.
Ein Highlight aus der 168. Auktion Kunst und Keramik ist eine Vase nach einem Entwurf von EmileJacques Ruhlmann`, die für 17.600 Euro verkauft wurde. – Mit freundlicher Genehmigung von: findart /