Georg Kolbe gehört zu den prägenden Bildhauern der klassischen Moderne in Deutschland. Mit seinen Tänzerinnen, Akten und Brunnenfiguren entwickelte er eine eigenständige Formensprache zwischen Bewegung, Rhythmus und stiller Körperlichkeit. Seine Werke verbinden klassische Tradition mit moderner Reduktion und zählen heute zu den wichtigsten Positionen der europäischen Bildhauerei des 20. Jahrhunderts. Besonders in den 1920er Jahren entstanden jene Bronzen, die Kolbe international bekannt machten und bis heute in bedeutenden Museen, Sammlungen und auf dem internationalen Kunstmarkt präsent sind.

Georg Kolbe, „Tänzerinnen-Brunnen“, 1922, Detailansicht der Bronzeplastik mit ausgestreckten Armen, Bronze und Kalkstein, Grisebach Auktion Berlin 2026, Foto © Christian Kain
Berlin, Auktion, 04.06.2026

Georg Kolbe „Tänzerinnen-Brunnen“ bei Grisebach – Millionenwerk der Moderne in Berlin

Mit dem „Tänzerinnen-Brunnen“ von Georg Kolbe gelangt eines der bedeutendsten Werke der klassischen Moderne auf den internationalen Kunstmarkt. Die monumentale Brunnenanlage aus Bronze und Kalkstein wird im…

Georg Kolbe, „Tänzerinnen-Brunnen“, 1922, Bronze und Kalkstein, 310 cm, monumentale Brunnenplastik im Garten, Auktion bei Grisebach Berlin 2026 © Grisebach
Pierre Girieud (1876-1948)  Sitzender Frauenakt auf grauem Grund, 1911, Öl auf Karton, 105 x 74,6 cm, Sammlung Hartwig Garnerus, Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Haydar Koyupinar
Lovis Corinth (1858 – 1925) Stillleben – Rote und rosa Rosen in Vase auf Tischtuch (Blumen) | 1913 | Öl auf Leinwand | 81,5 x 65,5 cm Ergebnis: € 317.000
121001957 Francis Picabia	 La résistance, Um 1943. Öl auf festem Malkarton Schätzpreis: € 250.000 - 350.000
Sol LeWitt (1928 – 2007)  Cube (B) | 1994 | Gouache auf Papier |  155x153,5cm  Ergebnis: 163.625 Euro  Dt. Auktionsrekord für eine Gouache für diesen Künstler
Drei Altarfiguren zur "Huldigung an Pan", w. Süddeutschland, 18. Jh., Holz, geschnitzt, farbig gefasst,  Mindestpreis:	2.500 EUR

Biografie und Ausbildung:

Georg Kolbe wurde am 15. April 1877 in Waldheim in Sachsen geboren und starb am 20. November 1947 in Berlin. Er zählt zu den prägenden Bildhauern der klassischen Moderne in Deutschland. Seine künstlerische Laufbahn begann zunächst nicht mit der Skulptur, sondern mit der Malerei und Grafik. Zwischen 1895 und 1897 studierte Kolbe an der Akademie der Bildenden Künste in München sowie an der Académie Julian in Paris. Aufenthalte in Rom und Paris führten ihn früh an die Kunst der Antike, der italienischen Renaissance und an die Bildhauerei Auguste Rodins heran. Erst um 1900 wandte er sich vollständig der Plastik zu.

1904 ließ sich Kolbe dauerhaft in Berlin nieder. Dort entwickelte er jene eigenständige Formensprache, die ihn international bekannt machte. Sein Atelierhaus in Berlin-Westend, entworfen von Ernst Rentsch und Paul Linder, wurde später zum Georg Kolbe Museum und gehört heute zu den wichtigsten Künstlerhäusern der Moderne in Deutschland.

Künstlerische Entwicklung und Werk:

Im Zentrum von Georg Kolbes Werk stand der menschliche Körper. Seine Plastiken zeigen Tänzerinnen, Athleten, stehende und schreitende Figuren sowie Porträts. Anders als viele akademische Bildhauer des späten 19. Jahrhunderts interessierte ihn weniger das Monumentale als Bewegung, Rhythmus und die Wirkung der Figur im Raum. Besonders der Ausdruckstanz der frühen Moderne beeinflusste seine Arbeiten nachhaltig.

International bekannt wurde Kolbe 1912 mit der Bronze „Tänzerin“, die auf der Sonderbund-Ausstellung in Köln präsentiert wurde. In den 1920er Jahren entstanden zentrale Werke wie „Der Morgen“, „Große Kniende“, „Ruhende Tänzerin“ oder der „Tänzerinnen-Brunnen“ von 1922. Diese Arbeiten verbinden klassische Harmonie mit moderner Vereinfachung. Die weich modellierten Oberflächen verleihen den Figuren eine beinahe schwebende Leichtigkeit.

Kolbe arbeitete bevorzugt in Bronze, schuf aber ebenso zahlreiche Gipsmodelle, Zeichnungen und Kleinplastiken. Seine Brunnenanlagen verbanden Architektur, Bewegung und Skulptur zu komplexen Raumkompositionen. Charakteristisch blieb die ruhige Spannung seiner Figuren, die trotz ihrer Bewegung niemals dramatisch wirken.

Während der Zeit des Nationalsozialismus blieb Kolbe eine ambivalente Figur. Er erhielt weiterhin öffentliche Aufträge und war auf wichtigen Ausstellungen vertreten. Zugleich stand seine moderne Auffassung des Körpers im Spannungsverhältnis zur offiziellen Kunstpolitik. Die kunsthistorische Forschung bewertet diese Phase bis heute differenziert.

Kunsthistorische Bedeutung:

Georg Kolbe gehörte neben Wilhelm Lehmbruck und Ernst Barlach zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Anders als die expressionistische Zuspitzung Barlachs entwickelte Kolbe eine stärker rhythmische und idealisierte Form des menschlichen Körpers. Seine Arbeiten stehen zwischen Klassizismus, Jugendstil und moderner Abstraktion.

Besonders die Verbindung von Bewegung und Plastik machte Kolbe international einflussreich. Seine Skulpturen spiegeln das neue Körperbewusstsein der frühen Moderne ebenso wie die Reformbewegungen der Weimarer Republik. Tänzerinnenfiguren wurden dabei zu einem Leitmotiv seines Schaffens. Kunsthistorisch gilt Kolbe als Vermittler zwischen traditioneller Bildhauerei und moderner Formreduktion.

Sein Berliner Atelier entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einem Treffpunkt von Künstlern, Architekten und Intellektuellen. Kolbes Werke wurden früh international ausgestellt, unter anderem in Paris, Wien, Venedig und New York.

Museen und Sammlungen:

Werke Georg Kolbes befinden sich unter anderem im Georg Kolbe Museum Berlin, in der Alten Nationalgalerie Berlin, im Museum of Modern Art in New York, im Städel Museum Frankfurt, im Musée d’Art Moderne de Paris sowie in zahlreichen internationalen Privat- und Museumssammlungen. Bedeutende Plastiken befinden sich bis heute im öffentlichen Raum Berlins.

Das Georg Kolbe Museum verwaltet den zentralen Nachlass des Künstlers und gilt als wichtigste wissenschaftliche Institution zur Erforschung seines Werkes. Zu den maßgeblichen Publikationen zählen Forschungen von Ursel Berger sowie Ausstellungskataloge der Georg-Kolbe-Stiftung.

Auktionsmarkt:

Der internationale Markt für Georg Kolbe entwickelte sich besonders seit den 2000er Jahren dynamisch. Bedeutende Bronzen aus den 1910er- und 1920er-Jahren erzielen regelmäßig hohe Zuschläge bei Grisebach, Sotheby’s und Christie’s. Besonders gefragt sind Tänzerinnenfiguren, Brunnenplastiken und monumentale Akte.

2025 erzielte Grisebach mit einer Skulptur Kolbes einen Weltrekord von 1.416.000 Euro. Der „Tänzerinnen-Brunnen“ von 1922 wurde 2026 mit einer Schätzung von 1 bis 1,5 Millionen Euro angeboten und zählt aufgrund seiner Provenienzgeschichte und musealen Qualität zu den bedeutendsten Arbeiten des Künstlers auf dem internationalen Kunstmarkt.

Zitat:

„Die Plastik lebt vom Rhythmus des Körpers im Raum.“ — Georg Kolbe, zitiert nach veröffentlichten Atelieraufzeichnungen der Georg-Kolbe-Stiftung.

Résumé:

Georg Kolbe entwickelte eine Bildhauerei, die den menschlichen Körper als Ausdruck von Bewegung, Rhythmus und innerer Spannung verstand. Zwischen klassischer Tradition und moderner Formvereinfachung schuf er Skulpturen von großer Ruhe und räumlicher Präsenz. Seine Tänzerinnen, Brunnenfiguren und Akte gehören heute zu den wichtigsten Werken der europäischen Bildhauerei des 20. Jahrhunderts. Trotz der historischen Ambivalenzen seiner Zeit bleibt Kolbe eine zentrale Figur der klassischen Moderne, deren Einfluss auf die figurative Plastik bis heute sichtbar ist.

Grisebach Auktionen Berlin 2026 – Georg Kolbe, Emil Nolde und Meisterwerke der Moderne