Entstehung
Der Begriff Informel bezeichnet eine Strömung der europäischen Nachkriegskunst, die sich ab etwa 1945 entwickelte und bis in die frühen 1960er-Jahre wirksam blieb. Der Begriff leitet sich vom französischen „art informel“ ab und wurde Ende der 1940er-Jahre geprägt, um eine Malerei zu beschreiben, die sich bewusst von geometrischer Ordnung, Komposition und festgelegten Formen löste. Informel entstand vor dem Hintergrund der politischen, moralischen und kulturellen Erschütterungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Gesicherte kunsthistorische Eckdaten verorten seine frühen Zentren in Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Die Künstler reagierten auf die Erfahrung von Zerstörung, Schuld und Neubeginn mit einer Kunst, die den Prozess, das Material und die spontane Geste in den Mittelpunkt stellte.

Kunsthistorische Bedeutung:
Kunsthistorisch steht das Informel für eine radikale Abkehr von formalen und programmatischen Konzepten der Vorkriegsmoderne. Im Gegensatz zur geometrischen Abstraktion oder konstruktiven Kunst verzichtete das Informel auf rationale Ordnungssysteme und verstand das Bild als offenes Feld des Handelns. Die Malerei wurde zum Ort unmittelbarer körperlicher Präsenz, in dem Material, Bewegung und Zeit sichtbar bleiben. Theoretisch ist das Informel eng mit existenziellen Denkmodellen verbunden, ohne jedoch ein geschlossenes Manifest hervorzubringen. Zeitgenössische Kritik war gespalten: Während Befürworter im Informel eine authentische Antwort auf die Erfahrung der Nachkriegszeit sahen, wurde ihm von Gegnern formlose Beliebigkeit vorgeworfen. Diese Spannung prägt die kunsthistorische Bewertung bis heute.

Exemplarisch lässt sich das Informel an einzelnen künstlerischen Positionen und Werkgruppen verdeutlichen, ohne daraus einen verbindlichen Kanon abzuleiten. Die gestischen Malereien von Jean Fautrier, die materiell aufgeladenen Bildflächen von Wols, die dynamischen Kompositionen von Hans Hartung, die strukturell offenen Arbeiten von Pierre Soulages sowie die experimentellen Bildprozesse von Emilio Vedova stehen stellvertretend für unterschiedliche Ausprägungen innerhalb des Informel. Gemeinsam ist ihnen die Ablehnung festgelegter Formen zugunsten eines prozesshaften, oft körperlich nachvollziehbaren Malakts.

Galerien Museen und Sammlungen:
Die institutionelle Anerkennung des Informel setzte in den 1950er-Jahren ein und ist heute fest verankert. Bedeutende Werkbestände befinden sich im Museum of Modern Art in New York, im Centre Pompidou in Paris, in der Tate Modern in London, im Museum Ludwig in Köln sowie in der Fondation Beyeler bei Basel. Diese Institutionen haben das Informel durch Ausstellungen, Sammlungspolitik und wissenschaftliche Publikationen nachhaltig in den kunsthistorischen Diskurs eingebettet.

Auktionsmarkt:
Am internationalen Auktionsmarkt ist das Informel seit Jahrzehnten präsent, wenn auch weniger spektakulär als amerikanische Nachkriegsströmungen. Auktionshäuser wie Christie’s, Sotheby’s, Phillips, Bonhams und das Dorotheum dokumentieren regelmäßig Verkäufe zentraler Werke. Einzelne Arbeiten erzielten belegte Höchstzuschläge im oberen siebenstelligen Bereich, insbesondere bei frühen Hauptwerken aus den 1950er-Jahren. Marktpreise werden kunsthistorisch nicht als Qualitätsmaßstab verstanden, sondern als Ausdruck anhaltender Rezeption und Sammlerinteressen.

Zitat:
Der französische Kunstkritiker Michel Tapié schrieb 1952 im Zusammenhang mit dem Informel: „L’art informel est l’expression d’un monde sans formes préétablies, où l’acte prime sur la composition.“ Das Zitat stammt aus einem kunsttheoretischen Kontext der frühen 1950er-Jahre und beschreibt prägnant den prozesshaften Charakter dieser Strömung.

Résumé:
Das Informel bezeichnet eine zentrale europäische Antwort auf die Erfahrungen der Nachkriegszeit. Durch die Betonung von Geste, Material und Prozess löste es sich von formalen Ordnungen und öffnete die Malerei für eine unmittelbare, existenzielle Bildsprache. In Museen, Sammlungen und im Auktionsmarkt ist das Informel dauerhaft verankert und bildet ein wesentliches Bindeglied zwischen Abstrakter Kunst, Abstraktem Expressionismus und späteren Entwicklungen der Gegenwartskunst.

Zu den einzelnen Kunstbegriffen im Detail:
Moderne Kunst · Abstrakte Kunst · Nachkriegskunst · Abstrakter Expressionismus · Informelle · Farbfeldmalerei · Pop Art · Minimal Art · Konzeptkunst · Postmoderne Kunst · Neo-Expressionismus · Medienkunst · Zeitgenössische Kunst · Gegenwartskunst

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