Maria Lassnig

Biografie und Ausbildung:
Maria Lassnig wurde 1919 in Kappel am Krappfeld, Kärnten, geboren und starb 2014 in Wien. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf und begann nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Kunststudium an der Akademie der bildenden Künste Wien, wo sie ab 1945 Malerei studierte. Zu ihren Lehrern zählten unter anderem Ferdinand Andri und Albert Paris Gütersloh. Früh zeigte sich eine Distanz zu akademischen Konventionen und eine ausgeprägte Sensibilität für innere Wahrnehmungsprozesse, die ihr gesamtes Werk prägen sollte. Studienaufenthalte in Paris in den 1950er Jahren führten sie mit zeitgenössischen Strömungen wie dem Informel und dem Surrealismus in Berührung, ohne dass sie sich diesen dauerhaft unterordnete.

Künstlerische Entwicklung und Werk:
Im Zentrum von Maria Lassnigs künstlerischer Arbeit steht das von ihr geprägte Konzept der „Körperbewusstseinsmalerei“. Ausgangspunkt war nicht das äußere Erscheinungsbild des Körpers, sondern das subjektive, innere Empfinden von Körperzuständen, Schmerz, Druck, Spannung oder emotionaler Verfassung. Seit den späten 1940er Jahren entwickelte sie eine Bildsprache, die Figuration und Abstraktion miteinander verband und sich konsequent von naturalistischer Darstellung entfernte.
In den 1960er Jahren lebte Lassnig in Paris und später in New York, wo sie sich intensiv mit Zeichnung, Malerei und auch mit Animationsfilm beschäftigte. Die dort entstandenen Arbeiten zeigen eine zunehmende Radikalität in der Selbstbefragung und eine bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Nach ihrer Rückkehr nach Österreich in den 1980er Jahren entstanden zahlreiche großformatige Gemälde, in denen der menschliche Körper fragmentiert, verfremdet oder in unkonventionellen Farbsetzungen erscheint. Das Spätwerk ist geprägt von formaler Klarheit, malerischer Konzentration und existenzieller Schärfe.

Kunsthistorische Bedeutung:
Maria Lassnig gilt als eine der bedeutendsten Positionen der europäischen Nachkriegskunst. Ihr Werk nimmt eine singuläre Stellung zwischen Abstraktion, Figuration und konzeptueller Selbstanalyse ein. Kunsthistorisch wird sie häufig im Kontext feministischer Kunst rezipiert, obwohl sie selbst eine eindeutige Zuordnung stets vermied. Entscheidend ist ihr Beitrag zur Erweiterung des Körperbegriffs in der Malerei: Nicht der sichtbare Körper, sondern der erlebte Körper wird zum eigentlichen Bildgegenstand. Damit beeinflusste sie nachfolgende Generationen von Künstlern nachhaltig, insbesondere im Bereich der figurativen Gegenwartsmalerei.

Museen und Sammlungen:
Werke von Maria Lassnig befinden sich in bedeutenden internationalen Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art New York, das Centre Pompidou Paris, die Tate Modern London, das Stedelijk Museum Amsterdam sowie die Albertina und das mumok in Wien. 2014 widmete ihr das MoMA eine umfassende Retrospektive, die ihre internationale Bedeutung endgültig festigte. Auch die Maria Lassnig Stiftung in Wien spielt eine zentrale Rolle in der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Vermittlung ihres Werks.

Auktionsmarkt:
Auf dem internationalen Auktionsmarkt erzielt Maria Lassnig seit Jahren stabile und steigende Ergebnisse. Werke aus den 1970er und 1980er Jahren sind besonders gefragt. Der bislang höchste belegte Zuschlag für ein Gemälde von Maria Lassnig liegt im siebenstelligen Eurobereich und wurde bei einer internationalen Auktion eines führenden Hauses erzielt. Die Marktentwicklung spiegelt die zunehmende kunsthistorische Anerkennung und institutionelle Präsenz ihres Werks wider.

Zitat:
„Ich male nicht den Körper, den man sieht, sondern den Körper, den man fühlt.“

Résumé:
Maria Lassnig hat mit ihrer kompromisslosen Erforschung des inneren Körpererlebens einen eigenständigen und bis heute wirkmächtigen Beitrag zur Malerei des 20. und frühen 21. Jahrhunderts geleistet. Ihr Werk entzieht sich stilistischen Kategorien und überzeugt durch inhaltliche Konsequenz, formale Präzision und existenzielle Tiefe. Als zentrale Figur der österreichischen Kunstgeschichte und als international rezipierte Künstlerin bleibt Maria Lassnig eine Referenz für eine Malerei, die Wahrnehmung, Selbstreflexion und künstlerische Autonomie radikal zusammendenkt.

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