Biografie und Ausbildung:
Pierre-Auguste Renoir wurde 1841 in Limoges geboren und wuchs ab früher Kindheit in Paris auf. Sein Vater war Schneider, die Familie lebte in einfachen Verhältnissen. Bereits als Jugendlicher arbeitete Renoir als Porzellanmaler und erlernte dort eine sichere, dekorative Handhabung von Farbe und Linie. Nach der Schließung der Werkstatt besuchte er Zeichenkurse und wurde 1862 an der École des Beaux-Arts in Paris aufgenommen. Parallel studierte er im Atelier von Charles Gleyre, wo er Claude Monet, Alfred Sisley und Frédéric Bazille kennenlernte. Diese Freundschaften wurden prägend für seinen weiteren Weg. Renoir starb 1919 in Cagnes-sur-Mer an der Côte d’Azur.

Künstlerische Entwicklung und Werk:
Renoirs frühe Arbeiten standen noch unter dem Einfluss des Realismus und der Schule von Gustave Courbet, doch bereits in den 1860er-Jahren entwickelte er gemeinsam mit Monet eine freiere, lichtbetonte Malweise. In den 1870er-Jahren wurde er zu einer zentralen Figur des Impressionismus. Anders als viele seiner Weggefährten konzentrierte er sich weniger auf Landschaften als auf das menschliche Miteinander: Cafés, Tanzlokale, Ausflüge, Porträts und Akte. Werke wie „Bal du moulin de la Galette“ oder „Le Déjeuner des canotiers“ verbinden flirrendes Licht mit einer außergewöhnlichen Sinnlichkeit der Figuren.
Nach einer Italienreise 1881 setzte eine bewusste Neuorientierung ein. Die Auseinandersetzung mit Raffael und der klassischen Tradition führte zu einer festeren Zeichnung und ruhigeren Kompositionen, ohne die Farbigkeit aufzugeben. In den späten Jahren, trotz schwerer rheumatischer Erkrankung, entstanden großformatige Akte und Badende, deren weiche Modellierung und leuchtende Farbflächen eine neue, fast zeitlose Körperlichkeit zeigen.

Kunsthistorische Bedeutung:
Renoir gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Impressionismus, zugleich aber als dessen humanistischste Ausprägung. Während andere Impressionisten das Flüchtige der Wahrnehmung betonten, blieb bei Renoir der Mensch stets im Zentrum. Seine Malerei verbindet moderne Wahrnehmung mit klassischer Formtradition. Kunsthistorisch steht er an einer entscheidenden Schnittstelle zwischen der Auflösung akademischer Normen und der Fortführung figurativer Malerei in die Moderne. Sein Werk beeinflusste spätere Künstlergenerationen, insbesondere Henri Matisse und Pierre Bonnard.

Museen und Sammlungen:
Renoirs Werke befinden sich heute in nahezu allen bedeutenden Museumssammlungen der Moderne. Dazu zählen der Musée d’Orsay und der Louvre in Paris, das Metropolitan Museum of Art in New York, die National Gallery in London, das Art Institute of Chicago sowie zahlreiche weitere europäische und internationale Institutionen. Auch private Sammlungen und Stiftungen bewahren zentrale Werkgruppen.

Auktionsmarkt:
Auf dem internationalen Auktionsmarkt gehört Renoir zu den konstant nachgefragten Klassikern der Moderne. Den bislang höchsten bekannten Zuschlag erzielte „Bal du moulin de la Galette“, das 1990 bei Sotheby’s New York für rund 78 Millionen US-Dollar verkauft wurde. Auch Gemälde aus den 1870er- und 1880er-Jahren erzielen regelmäßig zweistellige Millionenbeträge, während Zeichnungen und kleinere Arbeiten ein breiteres Marktsegment bedienen.

Zitat:
„Ein Bild muss etwas Liebenswertes und Fröhliches haben – es gibt schon genug unangenehme Dinge im Leben.“ - Pierre-Auguste Renoir

Résumé:
Pierre-Auguste Renoir verkörpert eine Kunst, die Modernität nicht als Bruch, sondern als Erweiterung verstand. Sein Werk steht für die Verbindung von Licht, Farbe und menschlicher Nähe, für eine Malerei, die das Leben bejaht, ohne es zu idealisieren. In der Geschichte der europäischen Kunst nimmt er eine Schlüsselrolle ein: als Impressionist, als Erneuerer der Figur und als Künstler, dessen Bilder bis heute eine unmittelbare emotionale Präsenz entfalten.

Pierre-Auguste Renoir, Das Boot, um 1878 Museum Langmatt, Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown, Baden, Schweiz
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