Sue Tilley wurde durch Lucian Freuds monumentale Porträts zur Ikone der britischen Kunstgeschichte und zu einer Schlüsselfigur der Londoner Kulturszene.
Mit der Kunstauktion in London rückt eines der bekanntesten Modelle von Lucian Freud erneut in den Mittelpunkt des internationalen Kunstmarktes. Sotheby's präsentiert im Rahmen der…
Biografie und Ausbildung:
Sue Tilley (* 1957 in London) ist eine britische Autorin, Kulturhistorikerin und ehemalige Verwaltungsangestellte, die vor allem durch ihre Verbindung zu Lucian Freud und Leigh Bowery bekannt wurde. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie als Modell mehrerer Gemälde von Lucian Freud, die heute zu den bekanntesten Werken der britischen Gegenwartskunst zählen. Beruflich war Tilley über viele Jahre in der britischen Arbeitsverwaltung tätig und arbeitete sich von der Sachbearbeitung bis in leitende Funktionen hoch. Parallel dazu bewegte sie sich in den 1980er- und 1990er-Jahren im kreativen Umfeld der Londoner Kunst-, Mode- und Clubszene.
Eine entscheidende Rolle spielte ihre Freundschaft mit dem australischen Performancekünstler Leigh Bowery. Über ihn lernte sie Lucian Freud kennen, der sie in mehreren Sitzungen porträtierte und damit ihren Platz in der Kunstgeschichte begründete.
Künstlerische Entwicklung und Werk:
Obwohl Sue Tilley nicht als bildende Künstlerin, sondern als Autorin und Kulturhistorikerin bekannt wurde sie zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten innerhalb des Werkes von Lucian Freud. Zwischen 1993 und 1995 entstand eine Reihe von Porträts, die sie in unverstellter Direktheit zeigen. Zu den bedeutendsten Arbeiten zählen „Evening in the Studio“ (1993), „Benefits Supervisor Sleeping“ (1995) und „Sleeping by the Lion Carpet“ (1995–1996).
Besondere Bekanntheit erlangte „Benefits Supervisor Sleeping“. Das Gemälde wurde 2008 bei Christie's für 33,6 Millionen US-Dollar versteigert und galt damals als teuerstes Werk eines lebenden Künstlers. Durch die weltweite Berichterstattung wurde auch Sue Tilley selbst zu einer bekannten Figur des internationalen Kunstbetriebs.
Neben ihrer Rolle als Modell veröffentlichte sie mit „Leigh Bowery: The Life and Times of an Icon“ eine bis heute wichtige Publikation über ihren langjährigen Freund. Das Buch gilt als eine der wichtigsten Quellen zur Person Leigh Bowery und zur Londoner Clubkultur der 1980er- und 1990er-Jahre.
Kunsthistorische Bedeutung:
Sue Tilley nimmt innerhalb der Kunstgeschichte eine ungewöhnliche Stellung ein. Sie wurde nicht aufgrund eines eigenen künstlerischen Werkes bekannt, sondern als zentrale Figur in einigen der bedeutendsten Gemälde Lucian Freuds. Ihre Darstellungen stehen exemplarisch für Freuds Interesse an Individualität, Körperlichkeit und psychologischer Präsenz.
Wer Fotografien von Sue Tilley aus jener Zeit betrachtet, erkennt schnell, weshalb Lucian Freud immer wieder zu ihr zurückkehrte. Sie besaß ein seltenes Strahlen, ein Lächeln in den Augen, das sich dem Betrachter einprägt und nicht mehr loslässt. Ihre Präsenz füllte den Raum, lange bevor sie auf seinen Leinwänden erschien. Für Freud waren es nicht allein die Formen des Körpers, die ihn interessierten. Es war die Art, wie das Licht über die Haut wanderte, wie Rundungen, Falten und Kurven Schatten formten und dem Bild eine Tiefe verliehen, die ihn über Jahre hinweg beschäftigte. Die Landschaft des Körpers wurde für ihn zur Landschaft des Menschen.
Heute gelten die Porträts von Sue Tilley als Schlüsselwerke der britischen Nachkriegskunst und werden regelmäßig in wissenschaftlichen Publikationen, Ausstellungskatalogen und Museumspräsentationen behandelt.
Museen und Sammlungen:
Werke mit Sue Tilley befinden sich beziehungsweise befanden sich in bedeutenden internationalen Privatsammlungen. Sie wurden unter anderem in Ausstellungen der Tate, der National Portrait Gallery in London sowie des Museums für Moderne Kunst Frankfurt präsentiert. Bedeutende Arbeiten von Lucian Freud mit Sue Tilley als Modell wurden zudem durch internationale Auktionshäuser wie Christie's und Sotheby's gehandelt.
Auktionsmarkt:
Sue Tilley selbst tritt nicht als Künstlerin am Auktionsmarkt auf. Ihre kunsthistorische Bedeutung spiegelt sich jedoch in den Ergebnissen jener Werke wider, für die sie Modell stand. Das Gemälde „Benefits Supervisor Sleeping“ erzielte 2008 bei Christie's New York einen Zuschlag von 33,6 Millionen US-Dollar. „Sleeping by the Lion Carpet“ wurde 2026 bei Sotheby's London mit einer Schätzung von 25 bis 35 Millionen Pfund angeboten.
Zitat:
„Ich war die einzige nackte Frau, die jemals auf der Titelseite der Financial Times zu sehen war.“
Résumé:
Sue Tilley gehört zu den ungewöhnlichsten Persönlichkeiten der britischen Kunstgeschichte des späten 20. Jahrhunderts. Als Freundin von Leigh Bowery, Autorin, Zeitzeugin und Modell von Lucian Freud wurde sie Teil eines kulturellen Milieus, das die Londoner Kunstszene nachhaltig prägte. Ihre Darstellungen in den Gemälden Freuds zählen heute zu den bekanntesten Porträts der Nachkriegskunst und haben ihr einen dauerhaften Platz innerhalb der internationalen Kunstgeschichte gesichert.
Hinweis: Da Sue Tilley keine offizielle Künstlerwebsite betreibt, entfällt der Website-Vermerk am Ende des Eintrags.
Lucian Freud bei Sotheby's London: Sleeping by the Lion Carpet kommt zur Auktion