Julia Kissina (*1966) Katja, (Aus der Serie Faries) 1997-98 C-print, 120x160cm Courtesy of the artist © VG Bild-Kunst, Bonn 2026/Julia Kissina
Julia Kissina (*1966) Katja, (Aus der Serie Faries) 1997-98 C-print, 120x160cm Courtesy of the artist © VG Bild-Kunst, Bonn 2026/Julia Kissina – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlungen / Museum Gunzenhauser

Wann: 04.07.2026 - 01.11.2026

Die Ausstellung „Mahlzeit! Serving Gender“ im Museum Gunzenhauser in Chemnitz zeigt mit überraschender Bildkraft, dass Essen weit mehr ist als ein Grundbedürfnis – es erzählt von Macht, Fürsorge, Identität und gesellschaftlichen Rollen.

Das Titelmotiv entfaltet dabei eine irritierende und zugleich faszinierende Wirkung. Hinter einer rohen Fleischmaske erscheint das Profil eines Gesichts – ein Bild zwischen Verletzlichkeit und Provokation, das den Betrachter unmittelbar mit Fragen nach Körper, Identität und gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert. Die kraftvolle Inszenierung macht deutlich, dass Nahrung in dieser Ausstellung weit über das Kulinarische hinausgeht und zum Symbol kultureller Prägungen und sozialer Rollen wird.

Mit der Ausstellung Chemnitz widmet sich das Museum Gunzenhauser vom 4. Juli bis 1. November 2026 dem zweiten Kapitel seiner dreiteiligen Ausstellungsreihe Mahlzeit!. Nach der Präsentation Feinkosthalle, die Kunst und Esskultur in den Mittelpunkt stellte, untersucht Serving Gender die vielschichtigen Beziehungen zwischen Nahrung, Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Erwartungen. Ausgehend von den Sammlungsbeständen der Kunstsammlungen Chemnitz treten historische und zeitgenössische Positionen miteinander in einen spannenden Dialog und eröffnen neue Perspektiven auf ein Thema, das den Alltag ebenso prägt wie die Kunstgeschichte.

Sophia Süßmilch (*1983) Mutterliebe, 2020 Videoloop, 15min, Auflage 5+3 A.P. Courtesy of the artist © Sophia Süßmilch and MARTINETZ, Cologne
Sophia Süßmilch (*1983) Mutterliebe, 2020 Videoloop, 15min, Auflage 5+3 A.P. Courtesy of the artist © Sophia Süßmilch and MARTINETZ, Cologne – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlungen / Museum Gunzenhauser

Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage, wie Essen nicht nur biologische Bedürfnisse stillt, sondern zugleich gesellschaftliche Strukturen sichtbar macht. Wer bereitet Nahrung zu? Wer verteilt sie? Welche Erwartungen werden bis heute mit weiblicher Fürsorge verbunden? Und weshalb sind Spitzenköche historisch betrachtet überwiegend Männer? Serving Gender beleuchtet diese Ambivalenzen und zeigt, wie eng Ernährung, kulturelle Normen, Machtverhältnisse und die Darstellung des Körpers miteinander verwoben sind.

Adolf Friedrich Georg Wichmann (1820 – 1866) Die Traubenspenderin, 1852 Öl auf Leinwand, 124x148,8cm Kunstsammlungen Chemnitz Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Detlef Göschel
Adolf Friedrich Georg Wichmann (1820 – 1866) Die Traubenspenderin, 1852 Öl auf Leinwand, 124x148,8cm Kunstsammlungen Chemnitz Foto: Kunstsammlungen Chemnitz/Detlef Göschel – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlungen / Museum Gunzenhauser

Dabei spannt die Ausstellung einen Bogen von Kunstwerken des 17. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Positionen der Gegenwart. Präsentiert werden unter anderem Arbeiten von Martha Rosler mit ihrer ikonischen Videoarbeit Semiotics of the Kitchen, ergänzt durch Werke von Sophia Süßmilch, Ivonne Thein, Henriette Grahnert, Julia Kissina, Eliane Dür und Fern Liberty Kallenbach Campbell. Die mediale Vielfalt reicht von Malerei und Textilkunst über Druckgrafik und Fotografie bis hin zu Videoinstallationen.

Eliane Diur (*1996) Self Care, 2024 Öl auf Leinwand, 130x110 cm Courtesy of the artist © VG Bild-Kunst, Bonn 2026/Eliane Diur
Eliane Diur (*1996) Self Care, 2024 Öl auf Leinwand, 130x110 cm Courtesy of the artist © VG Bild-Kunst, Bonn 2026/Eliane Diur – Mit freundlicher Genehmigung von: kunstsammlungen / Museum Gunzenhauser
Ein besonderer Reiz entsteht aus der Gegenüberstellung historischer Werke mit zeitgenössischer Kunst. Traditionelle Bildwelten begegnen aktuellen Fragestellungen rund um Fürsorge, Ernährung und gesellschaftliche Rollenzuschreibungen. So werden über Jahrhunderte gewachsene Vorstellungen hinterfragt und zugleich neue Lesarten eröffnet, die den Blick auf alltägliche Rituale nachhaltig verändern.

Die dreiteilige Ausstellungsreihe Mahlzeit! setzt sich 2026 und 2027 mit unterschiedlichen Facetten des Essens in der Kunst auseinander. Während Feinkosthalle den Blick auf die Präsentation und Kulturgeschichte von Lebensmitteln richtet, folgt auf Serving Gender ab Ende November 2026 die Ausstellung Zu Tisch, die gemeinschaftliche Rituale, soziale Begegnungen und die kulturelle Bedeutung gemeinsamer Mahlzeiten thematisiert.

Mit Mahlzeit! Serving Gender gelingt dem Museum Gunzenhauser eine ebenso aktuelle wie vielschichtige Ausstellung, die historische Kunst und zeitgenössische Positionen miteinander verbindet und zentrale gesellschaftliche Fragen anhand eines universellen Themas neu verhandelt. Damit zählt die Präsentation zu den bemerkenswerten Museumsausstellungen des Jahres und dürfte auch überregional auf großes Interesse stoßen.

Tags: Gegenwartskunst, Gender Kunst, Erotik, Martha Rosler, Julia Kissina, Sophia Süßmilch, Eliane Dür

Februar bis Mai 2026: Mi – So, Feiertag 11 – 18 Uhr
Ab Juni 2026: Di – So, Feiertag 11 – 18 Uhr