Historische foto Tramhuis 1931 op Beursplein (uit Stadsarchief Rotterdam)
Historische foto Tramhuis 1931 op Beursplein (uit Stadsarchief Rotterdam) – Mit freundlicher Genehmigung von: droomendaad.nl / Stichting Droom en Daad

Was: Presse

Wann: 27.01.2026

Stichting Droom en Daad beweist mit dem Tramhuis, dass große Stadterzählungen manchmal in den kleinsten Baukörpern wohnen – ein Gedanke, der überraschend weit trägt und bis zum Naschmarkt in Wien reicht, wo ähnliche Pavillons seit über einem Jahrhundert Teil des urbanen Gedächtnisses sind.

Das Tramhuis in Rotterdam, 1914 als modernes Wartehäuschen für Straßenbahnpassagiere errichtet, war nie als Monument gedacht. Seine schlanke, selbsttragende Stahlkonstruktion, umgeben von Glas und bekrönt von einem leichten Jugendstildach, folgte einem Prinzip, das in der europäischen Moderne selten laut, aber stets wirksam war: Architektur als präziser Begleiter des Alltags. Dass dieses fragile Bauwerk die Bombardierung von 1940 überstand, verleiht ihm heute eine beinahe poetische Autorität.

Detailansicht des restaurierten Tramhuis in Rotterdam mit Jugendstil-Schmiedeeisen, filigraner Stahlkonstruktion und Glasfassade, erbaut 1914, sorgfältig restauriert durch Stichting Droom en Daad, Foto: Florian Braakman
Ilustration des Tramhuis in Rotterdam in abstrahierter Jugendstil-Form, Darstellung der charakteristischen Stahl- und Glaskonstruktion von 1914, heutiges Symbol für Stadtspaziergänge, Illustration: Iris de Mouy
Detailansicht des restaurierten Tramhuis in Rotterdam mit Jugendstil-Schmiedeeisen, filigraner Stahlkonstruktion und Glasfassade, erbaut 1914, sorgfältig restauriert durch Stichting Droom en Daad, Foto: Florian Braakman • Ilustration des Tramhuis in Rotterdam in abstrahierter Jugendstil-Form, Darstellung der charakteristischen Stahl- und Glaskonstruktion von 1914, heutiges Symbol für Stadtspaziergänge, Illustration: Iris de Mouy – Mit freundlicher Genehmigung von: droomendaad.nl / Stichting Droom en Daad

Ein ähnlicher Geist durchzieht die kleinen Markt- und Funktionsbauten am Wiener Naschmarkt. Entstanden um 1900, geprägt vom Jugendstil und vom Denken jener Zeit, die Stadt als Organismus zu begreifen, sind auch sie keine Solitäre, sondern Teil eines bewegten Gefüges. Sie rahmen Wege, strukturieren Begegnung, begleiten den Rhythmus der Stadt. In Wien wie in Rotterdam ist es diese leise Architektur, die Nähe schafft und Dauer erzeugt.

Während das Tramhuis über Jahrzehnte durch Rotterdam wanderte, seine Funktion verlor und schließlich als Nachtlokal und Kebab-Imbiss endete, blieben die Pavillons am Naschmarkt stets dem öffentlichen Leben verpflichtet. Beide Geschichten jedoch erzählen vom gleichen Risiko: Wenn Nutzung und Wertschätzung auseinanderdriften, verliert selbst die feinste Architektur ihre Stimme.

Historische Ansichtskarte des Tramhuis auf dem Beursplein in Rotterdam um 1914, Jugendstil-Wartehäuschen aus Stahl und Glas von F. J. C. Bettenhausen & Zn., frühe Nutzung als Straßenbahnwartehalle, Herkunft unbekannt
Historische Ansichtskarte des Tramhuis auf dem Beursplein in Rotterdam um 1914, Jugendstil-Wartehäuschen aus Stahl und Glas von F. J. C. Bettenhausen & Zn., frühe Nutzung als Straßenbahnwartehalle, Herkunft unbekannt – Mit freundlicher Genehmigung von: droomendaad.nl / Stichting Droom en Daad

Mit der Restaurierung des Tramhuis hat Stichting Droom en Daad diese Stimme zurückgeholt. Nicht als museales Objekt, sondern als lebendiger Ort, der Bewegung fördert und Wahrnehmung schärft. Als weltweit erster Kiosk für Stadtspaziergänge ist das Tramhuis heute Start- und Zielpunkt für neue Wege durch Rotterdam – kuratiert, bewusst langsam, offen für individuelle und kollektive Erfahrungen.

„Walking inspires, connects, and energizes. It is not only one of the healthiest activities, physically and mentally, but also the best way to truly experience a city.“

Dieser Satz könnte ebenso gut über dem Naschmarkt stehen. Denn auch dort erschließt sich Wien im Gehen, im Schauen, im Verweilen. Die Parallele zwischen beiden Städten liegt nicht in der Form allein, sondern im Verständnis von Stadt als begehbarem Raum, in dem Architektur dient, ohne sich aufzudrängen.

„In a city like Rotterdam, you can keep walking. Each new perspective reveals something different every time.“

Rotterdam und Wien begegnen sich hier auf unerwartete Weise. Das Tramhuis und die Pavillons des Naschmarkts zeigen, dass urbane Identität nicht nur aus großen Museen und ikonischen Bauten entsteht, sondern aus jenen kleinen Architekturen, die den Alltag rahmen und Generationen überdauern.

Was bleibt, ist ein gemeinsamer Gedanke der europäischen Moderne: Stadt entsteht im Maßstab des Menschen. Und manchmal genügt ein einziges kleines Gebäude, um diesen Gedanken wieder sichtbar zu machen.

Detail der restaurierten Jugendstil-Schmiedeeisenkonstruktion im Tramhuis Rotterdam mit geschwungenen Stahlstreben, Nieten und Glasflächen, originale Konstruktion von 1914, Foto: Florian Braakman
Außenansicht des restaurierten Tramhuis in Rotterdam mit Jugendstil-Dachkante, geschwungenen Schmiedeeisendetails und Glasfassade, originale Stahlkonstruktion von 1914 in neuem Zustand, Foto: Florian Braakman
Detail der restaurierten Stahl- und Gusselemente des Tramhuis in Rotterdam mit ovalem Jugendstil-Relief, genieteten Verbindungen und originaler Farbgebung von 1914, sorgfältig rekonstruiert im Rahmen der Restaurierung, Foto: Florian Braakman
Detail der restaurierten Jugendstil-Schmiedeeisenkonstruktion im Tramhuis Rotterdam mit geschwungenen Stahlstreben, Nieten und Glasflächen, originale Konstruktion von 1914, Foto: Florian Braakman • Außenansicht des restaurierten Tramhuis in Rotterdam mit Jugendstil-Dachkante, geschwungenen Schmiedeeisendetails und Glasfassade, originale Stahlkonstruktion von 1914 in neuem Zustand, Foto: Florian Braakman • Detail der restaurierten Stahl- und Gusselemente des Tramhuis in Rotterdam mit ovalem Jugendstil-Relief, genieteten Verbindungen und originaler Farbgebung von 1914, sorgfältig rekonstruiert im Rahmen der Restaurierung, Foto: Florian Braakman – Mit freundlicher Genehmigung von: droomendaad.nl / Stichting Droom en Daad
Tags: Architekturgeschichte, Jugendstil, Art Nouveau, historische Bauwerke, Baudenkmäler, denkmalschutz

Mittwoch bis Sonntag, 10:00–16:00 Uhr
(ab 14. Februar 2026)