Prints & Multiples bei LA Modern Auctions: Wenn ein Blatt zum Experimentierfeld wird
Fast zwei Meter Farbe – und plötzlich verliert der Blick seinen festen Standpunkt: Mit David Hockneys „Hotel Acatlán: Second Day“ führt die Auktion „Prints & Multiples“ bei LA Modern Auctions in Los Angeles mitten hinein in eine Zeit, in der Künstler das gedruckte Blatt neu entdeckten. Nicht als bloße Wiederholung eines Originals, sondern als Experimentierfeld für Raum, Bewegung, Farbe und Wahrnehmung. Hockney, Roy Lichtenstein, Alex Katz, Robert Longo, Ellsworth Kelly, Frank Stella und Larry Bell stellen dabei immer wieder dieselbe große Frage: Wie viel Wirklichkeit braucht ein Bild – und wie viel entsteht erst in unserem Kopf?
David Hockney: Kann ein Bild mehrere Augenblicke zugleich zeigen?
Genau darum geht es in David Hockneys „Hotel Acatlán: Second Day“ von 1984–85. Hockney interessierte sich für die Grenzen der klassischen Zentralperspektive. Ein einziger, unbeweglicher Blickpunkt entsprach für ihn kaum der Art, wie Menschen tatsächlich sehen: Wir bewegen den Kopf, wandern mit den Augen, erinnern uns an Einzelheiten und setzen aus vielen Eindrücken einen Raum zusammen.
In seiner berühmten „Moving Focus“-Serie wird diese Idee zum Bild. Der Innenhof des mexikanischen Hotels ist deshalb weniger eine Ansicht als eine Erfahrung von Raum. Säulen, Bäume, Türen und Wege ziehen den Blick weiter. Perspektiven verschieben sich, Nähe und Ferne geraten in Bewegung.
Man steht nicht einfach vor diesem Hof. Man scheint durch ihn hindurchzugehen. Der Blick findet keinen Ort, an dem er dauerhaft zur Ruhe kommt – und gerade darin liegt die Freiheit des Bildes.
Die farbige Lithografie auf zwei Blättern erreicht eine Breite von rund 1,92 Metern. Angeboten wird Exemplar 18/98, gedruckt und herausgegeben von Tyler Graphics Ltd. Die Schätzung von 100.000 bis 150.000 US-Dollar macht Hockneys herausragende Stellung auch am internationalen Kunstmarkt sichtbar.