Mit Klaus Staudt und Enzo Maiolino vereint die Sammlung zwei Künstler, deren Werke unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten der Konkreten Kunst verdeutlichen.
Klaus Staudt untersucht in seinen reliefartigen Arbeiten das Zusammenspiel von Licht, Raum, Struktur und Wahrnehmung. Seine Skulptur „Ikone“ aus dem Jahr 1980 zeigt, wie durch gestaffelte Elemente und differenzierte Helligkeitswerte eine räumliche Wirkung entsteht.
Auch der italienische Künstler Enzo Maiolino (1926–2016) gehörte zu jenen Positionen, für die sich Walter Vitt mit besonderer Überzeugung einsetzte. Durch Publikationen und ein Werkverzeichnis unterstützte er die kunsthistorische Wahrnehmung seines Schaffens.
Ein Kunstkritiker zwischen Forschung und Öffentlichkeit
Walter Vitt verstand Kunstkritik als Vermittlungsarbeit. Wissenschaftliche Genauigkeit und eine allgemein verständliche Sprache waren für ihn keine Gegensätze, sondern gehörten untrennbar zusammen.
Von 1989 bis 2008 war er Präsident der deutschen Sektion des internationalen Kunstkritikerverbandes AICA. In dieser Funktion setzte er sich für die Anerkennung kunstkritischer Arbeit und die Würdigung herausragender Ausstellungen ein.
1993 gründete er die Reihe „Kunstkritik“, in der er sich auch mit der Frage auseinandersetzte, wie über Kunst geschrieben und gesprochen werden sollte.
Sein Engagement erstreckte sich darüber hinaus auf die öffentliche Erinnerungskultur. 2001 initiierte er in Köln ein Bodendenkmal zur Erinnerung an die nationalsozialistische Bücherverbrennung.
Für seine kulturellen Verdienste erhielt Walter Vitt 1999 das Bundesverdienstkreuz am Bande und 2000 den Rudolf-Jahns-Preis. 2008 wurde er zum Ehrenmitglied der AICA ernannt.
Eine Sammlung als kunsthistorisches Vermächtnis
Die Sonderauktion bei VAN HAM bietet nicht nur die Gelegenheit, Werke bedeutender Vertreter der Konkreten Kunst zu erwerben. Sie eröffnet zugleich einen Einblick in das Lebenswerk eines Mannes, der Kunstgeschichte nicht lediglich dokumentierte, sondern aktiv an ihrer Vermittlung und Bewahrung mitwirkte.
Walter Vitt setzte sich für Künstler ein, deren Bedeutung lange unterschätzt wurde. Er erforschte ihre Werke, rekonstruierte historische Zusammenhänge, organisierte Ausstellungen und machte Kunst durch Editionen und Publikationen einer größeren Öffentlichkeit zugänglich.
Seine Sammlung ist deshalb weit mehr als die Zusammenstellung persönlicher Vorlieben. Sie dokumentiert eine lebenslange Auseinandersetzung mit der konstruktiven und konkreten Kunst – von den gesellschaftlich engagierten Avantgarden der 1920er-Jahre bis zu den internationalen Positionen der Nachkriegszeit.
Sein Leitgedanke bleibt über seinen Tod hinaus aktuell:
„Kunst und Kultur müssen sichtbar werden, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.“
— Walter Vitt
Mit der Sonderauktion bei VAN HAM werden rund 160 Werke aus der Sammlung Walter Vitt einem neuen Sammlerkreis zugänglich. Was bleibt, ist das kunsthistorische Vermächtnis eines Mannes, der sein Leben der Erforschung, Vermittlung und Bewahrung der Konkreten Kunst widmete.