Dumile Feni, African Guernica, 1967 – Monumentale Zeichnung über Gewalt, Apartheid und existenzielle Zerrissenheit, Museo Reina Sofía Ausstellung Dialog mit Picasso Guernica
Dumile Feni, African Guernica, 1967 – Monumentale Zeichnung über Gewalt, Apartheid und existenzielle Zerrissenheit, Museo Reina Sofía Ausstellung Dialog mit Picasso Guernica – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía

Wann: 22.03.2026 - 25.09.2026

Dumile Feni und Pablo Picasso begegnen sich in dieser Gegenüberstellung nicht als historische Referenzen, sondern als zwei künstlerische Kräfte, die unabhängig voneinander eine visuelle Sprache der Gewalt entwickelt haben – roh, fragmentiert und zutiefst menschlich.

Während Picassos „Guernica“ die Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs in eine ikonische, nahezu architektonische Bildordnung überführt, wirkt Fenis „African Guernica“ unmittelbarer, dichter und körperlich spürbar. Die Figuren bei Feni sind deformiert, gedrängt und in einem Zustand permanenter Bedrohung gefangen – sie erscheinen weniger komponiert als vielmehr aus der Erfahrung von Gewalt herausgerissen.

Pablo Picasso, Guernica, 1937 – Ikonisches Antikriegsbild des 20. Jahrhunderts im Museo Reina Sofía, Madrid © Succession Picasso / VEGAP 2026
Pablo Picasso, Guernica, 1937 – Ikonisches Antikriegsbild des 20. Jahrhunderts im Museo Reina Sofía, Madrid © Succession Picasso / VEGAP 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía

Picasso arbeitet mit symbolischer Verdichtung: Stier, Pferd, Licht und Fragment formen ein visuelles Vokabular, das sich zu einer universellen Allegorie steigert. Feni hingegen verzichtet weitgehend auf diese Distanz. Seine Figuren sind konkreter, verletzlicher und individueller. Sie tragen die Spuren der Apartheid nicht als Zeichen, sondern als gelebte Realität.

Auch formal zeigen sich markante Unterschiede: Picassos monumentales Querformat entfaltet eine dramatische Bühne, während Feni trotz vergleichbarer Dimension eine kompaktere, beinahe klaustrophobische Bildwelt entwickelt. Die Energie bei Picasso ist orchestriert – bei Feni eruptiv und unmittelbar.

Und doch verbindet beide Werke eine zentrale Erkenntnis: Kunst wird hier zum Zeugnis. „Guernica“ und „African Guernica“ sind keine bloßen Darstellungen von Gewalt – sie sind deren visuelle Erinnerung.

Im Museo Reina Sofía wird mit der Ausstellung „Guernica converses with Dumile Feni's African Guernica“ ein programmatischer Auftakt gesetzt: Die Reihe „History Doesn’t Repeat Itself, but it Does Rhyme“ untersucht künstlerische Parallelen über Zeit und kulturelle Grenzen hinweg. Im Zentrum steht Pablo Picassos ikonisches „Guernica“ (1937), das hier nicht als isoliertes Meisterwerk erscheint, sondern als Ausgangspunkt eines transkulturellen Dialogs.

Dumile Feni, Saying No, 1967 – Ausdrucksstarke Zeichnung über Widerstand und Gewalt in der Apartheid-Ära © Estate Dumile Feni and Dumile Feni Family Trust
Dumile Feni, Hector Pieterson, 1987 – Eindringliche Zeichnung zur Erinnerung an das Soweto-Massaker und die Gewalt der Apartheid © Estate Dumile Feni and Dumile Feni Family Trust
Dumile Feni, Saying No, 1967 – Ausdrucksstarke Zeichnung über Widerstand und Gewalt in der Apartheid-Ära © Estate Dumile Feni and Dumile Feni Family Trust • Dumile Feni, Hector Pieterson, 1987 – Eindringliche Zeichnung zur Erinnerung an das Soweto-Massaker und die Gewalt der Apartheid © Estate Dumile Feni and Dumile Feni Family Trust – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía

Kuratiert von Tamar Garb, bringt die Ausstellung das monumentale Werk „African Guernica“ von Dumile Feni in direkte Beziehung zu Picassos Bildsprache. Feni, eine Schlüsselfigur der afrikanischen Moderne, reagierte in seinen Arbeiten auf die Gewalt und systemische Unterdrückung der Apartheid in Südafrika. Seine Zeichnungen entfalten eine vergleichbare Intensität – roh, fragmentiert und existenziell.

Neben Fenis großformatiger Arbeit sind weitere Werke aus bedeutenden südafrikanischen Sammlungen zu sehen, darunter Leihgaben der University of Fort Hare, der Norval Foundation und des Wits Art Museum. Ergänzt wird die Präsentation durch vorbereitende Zeichnungen Picassos zu „Guernica“, die den Entstehungsprozess eines der einflussreichsten Werke des 20. Jahrhunderts sichtbar machen.

„African Guernica represents a significant time in the crisis of modernity, the time of Apartheid in South Africa, one of the limits of the modern project“, erklärt Manuel Segade.

Tamar Garb betont die außergewöhnliche Stellung Fenis innerhalb der Zeichnungspraxis des 20. Jahrhunderts: „is a modern artist who used drawing materials on an almost unprecedented scale worldwide at that time“. „If we observe drawing practices globally in the 1960s, very few artists worked on such an epic, monumental scale as Dumile in that period“.

Dumile Feni, You Wouldn’t Know God if He Spat in Your Eye, 1975 – Detail einer monumentalen Zeichnung über Exil, Identität und spirituelle Konfrontation © Estate Dumile Feni and Dumile Feni Family Trust
Dumile Feni, You Wouldn’t Know God if He Spat in Your Eye, 1975 – Detail einer monumentalen Zeichnung über Exil, Identität und spirituelle Konfrontation © Estate Dumile Feni and Dumile Feni Family Trust – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía

Die Ausstellung, die bis zum 22. September 2026 in Raum 205 der Sammlung zu sehen ist, eröffnet einen seltenen Blick auf zwei künstlerische Positionen, die aus unterschiedlichen historischen Kontexten heraus eine gemeinsame Bildsprache der Krise entwickeln – eine eindringliche Reflexion über Gewalt, Erinnerung und die Fragilität moderner Gesellschaften.

Diese Gegenüberstellung macht sichtbar, wie sich die Erfahrungen von Krieg und Unterdrückung in universelle Bildformen übersetzen lassen – und warum „Guernica“ und „African Guernica“ bis heute zu den eindringlichsten visuellen Zeugnissen der Moderne zählen.

Tags: Les métamorphoses de Guernica, Pablo Picasso, Malerei, Moderne Kunst, Spanischer Bürgerkrieg, Meisterwerke, Kunstgeschichte, Frieden, Dumile Feni

Das Museo Reina Sofía in Madrid ist von Montag bis Samstag von 10:00 bis 21:00 Uhr sowie am Sonntag von 10:00 bis 14:30 Uhr geöffnet, dienstags geschlossen. Freier Eintritt gilt abends zwischen 19:00 und 21:00 Uhr sowie sonntags ab 12:30 Uhr.