Rafael Canogar, Escena urbana, 1970, Museo Reina Sofía Madrid, Installationsansicht der Sammlung, Fotografie Roberto Ruiz
Rafael Canogar, Escena urbana, 1970, Museo Reina Sofía Madrid, Installationsansicht der Sammlung, Fotografie Roberto Ruiz – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía

Wann: 28.05.2026 - 12.10.2026

Der Direktor des Museo Reina Sofía, Manuel Segade, beschreibt die umfassende Neupräsentation der Sammlung als einen entscheidenden Schritt, um die jüngere spanische Kunstgeschichte sichtbar zu machen und institutionelle Perspektiven neu zu justieren. Im Zentrum steht dabei nicht nur eine Neuordnung der Werke, sondern ein struktureller Eingriff in die Erzählweise des Museums selbst.

Die Installation von Juan Muñoz organisiert eine Vielzahl von Figuren in einem dichten, räumlich gestaffelten Gefüge, das sich über mehrere Reihen hinweg ausdehnt. Eine seitlich positionierte weibliche Gestalt mit Rock tritt dabei leicht aus der Formation hervor, ohne sich ihr wirklich zu entziehen. Links verdichtet sich die Gruppe zu einer Ansammlung weiblicher Figuren, während sich rechts einzelne Konstellationen abzeichnen, darunter ein Mann mit Zeitung. Die Anordnung folgt keiner klaren Hierarchie, sondern erzeugt ein offenes Feld von Beziehungen, in dem Nähe und Distanz zugleich präsent sind. Viele der Figuren wenden sich voneinander ab, vermeiden Blickkontakt oder verharren in sich gekehrt, wodurch sich die Szene als ein stilles Gefüge kollektiver Vereinzelung lesen lässt. Die Arbeit thematisiert soziale Distanz, kollektive Einsamkeit und die Unmöglichkeit echter Kommunikation im öffentlichen Raum.

Juan Muñoz, The Wasteland, 1986, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Fotografie Roberto Ruiz © Juan Muñoz Estate
Juan Muñoz, The Wasteland, 1986, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Fotografie Roberto Ruiz © Juan Muñoz Estate – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía

Die Präsentation „Collection. Contemporary Art: 1975–Present“ umfasst rund fünf Jahrzehnte – von der Zeit nach dem Ende der Franco-Diktatur bis in die Gegenwart – und vereint mehr als 400 Arbeiten, von denen ein Großteil bislang nicht im Sammlungsrundgang gezeigt wurde. Ziel ist es, die Entwicklung Spaniens aus einer sozialen und politischen Perspektive heraus zu erzählen und damit eine eigene, lokal verankerte Sicht auf die Gegenwartskunst zu formulieren.

Judy Chicago, Women and Smoke, 1971–72, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Videoprojektion im Ausstellungsraum © Judy Chicago, VEGAP
Judy Chicago, Women and Smoke, 1971–72, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Videoprojektion im Ausstellungsraum © Judy Chicago, VEGAP – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía

Segade macht deutlich, dass die bisherige Sammlung zentrale Lücken aufwies. Künstlerische Positionen ab den 1990er Jahren waren kaum vertreten, ebenso fehlten wesentliche Aspekte materieller Kultur. Vor allem aber habe es an einer kohärenten Darstellung der spanischen Gegenwartskunst gefehlt. Mit der Neuhängung werde nun der Versuch unternommen, diese Geschichte aus der eigenen Perspektive heraus zu formulieren, nicht aus einem internationalen Zentrum heraus.

„Museen projizieren nicht nur Geschichte, sie projizieren auch Zukünfte.“

Miquel Barceló, Serie de retratos de Hervé Guibert, 1990, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Gemäldeserie im Ausstellungsraum © Miquel Barceló, VEGAP
Miquel Barceló, Serie de retratos de Hervé Guibert, 1990, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Gemäldeserie im Ausstellungsraum © Miquel Barceló, VEGAP – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía

Vor diesem Hintergrund versteht sich das Projekt als ein offenes System, das mehrere parallele Erzählstränge zulässt. Statt einer linearen Chronologie entstehen unterschiedliche Narrative – etwa zu Feminismus, materiellen Kulturen oder zur Institution selbst –, die gemeinsam ein vielstimmiges Bild ergeben. Diese Offenheit spiegelt sich auch in der strukturellen Neuorganisation des Hauses, das als historisches Gebäude neu gedacht werden musste, um den Besucherfluss und die Lesbarkeit der Sammlung zu verbessern.

Teresa Solar Abboud, Tuneladora, 2022, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Skulptur im Ausstellungsraum  (c): © Teresa Solar, VEGAP
Teresa Solar Abboud, Tuneladora, 2022, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Skulptur im Ausstellungsraum (c): © Teresa Solar, VEGAP – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía

Zugleich wird das Museum als sozialer Raum neu definiert. Die starke Präsenz eines jüngeren Publikums sowie die wachsende Diversität der Stadt Madrid führen zu einer Verschiebung institutioneller Verantwortung. Besonders deutlich wird dies in der stärkeren Einbindung lateinamerikanischer Perspektiven, die nicht als Erweiterung eines westlichen Kanons verstanden werden, sondern als Teil eines fortlaufenden Dialogs mit der eigenen historischen Position.

Segade beschreibt das Museum daher nicht als abgeschlossene Instanz, sondern als ein System permanenter Revision. Veränderungen entstehen nicht punktuell, sondern durch kontinuierliche Rückkopplung mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. In diesem Prozess wird das Museum zu einem Ort, an dem Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukünfte gleichzeitig verhandelt werden.

Tags: Manuel Segade, spanische Kunst, Contemporary Art, Politische Kunst, Ausstellung Madrid, Gegenwartskunst, Rafael Canogar, Juan Muñoz, Judy Chicago, Miquel Barceló, Teresa Solar Abboud, Malerei, Skulpturen, Bildhauer

Das Museo Reina Sofía in Madrid ist von Montag bis Samstag von 10:00 bis 21:00 Uhr sowie am Sonntag von 10:00 bis 14:30 Uhr geöffnet, dienstags geschlossen. Freier Eintritt gilt abends zwischen 19:00 und 21:00 Uhr sowie sonntags ab 12:30 Uhr.