Juan Muñoz, The Wasteland, 1986, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Fotografie Roberto Ruiz © Juan Muñoz Estate – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía
Die Präsentation „Collection. Contemporary Art: 1975–Present“ umfasst rund fünf Jahrzehnte – von der Zeit nach dem Ende der Franco-Diktatur bis in die Gegenwart – und vereint mehr als 400 Arbeiten, von denen ein Großteil bislang nicht im Sammlungsrundgang gezeigt wurde. Ziel ist es, die Entwicklung Spaniens aus einer sozialen und politischen Perspektive heraus zu erzählen und damit eine eigene, lokal verankerte Sicht auf die Gegenwartskunst zu formulieren.
Judy Chicago, Women and Smoke, 1971–72, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Videoprojektion im Ausstellungsraum © Judy Chicago, VEGAP – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía
Segade macht deutlich, dass die bisherige Sammlung zentrale Lücken aufwies. Künstlerische Positionen ab den 1990er Jahren waren kaum vertreten, ebenso fehlten wesentliche Aspekte materieller Kultur. Vor allem aber habe es an einer kohärenten Darstellung der spanischen Gegenwartskunst gefehlt. Mit der Neuhängung werde nun der Versuch unternommen, diese Geschichte aus der eigenen Perspektive heraus zu formulieren, nicht aus einem internationalen Zentrum heraus.
„Museen projizieren nicht nur Geschichte, sie projizieren auch Zukünfte.“
Miquel Barceló, Serie de retratos de Hervé Guibert, 1990, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Gemäldeserie im Ausstellungsraum © Miquel Barceló, VEGAP – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía
Vor diesem Hintergrund versteht sich das Projekt als ein offenes System, das mehrere parallele Erzählstränge zulässt. Statt einer linearen Chronologie entstehen unterschiedliche Narrative – etwa zu Feminismus, materiellen Kulturen oder zur Institution selbst –, die gemeinsam ein vielstimmiges Bild ergeben. Diese Offenheit spiegelt sich auch in der strukturellen Neuorganisation des Hauses, das als historisches Gebäude neu gedacht werden musste, um den Besucherfluss und die Lesbarkeit der Sammlung zu verbessern.
Teresa Solar Abboud, Tuneladora, 2022, Installationsansicht, Collection Contemporary Art 1975–Present, Museo Reina Sofía Madrid, Skulptur im Ausstellungsraum (c): © Teresa Solar, VEGAP – Mit freundlicher Genehmigung von: museoreinasofia / Centro de Arte Reina Sofía
Zugleich wird das Museum als sozialer Raum neu definiert. Die starke Präsenz eines jüngeren Publikums sowie die wachsende Diversität der Stadt Madrid führen zu einer Verschiebung institutioneller Verantwortung. Besonders deutlich wird dies in der stärkeren Einbindung lateinamerikanischer Perspektiven, die nicht als Erweiterung eines westlichen Kanons verstanden werden, sondern als Teil eines fortlaufenden Dialogs mit der eigenen historischen Position.
Segade beschreibt das Museum daher nicht als abgeschlossene Instanz, sondern als ein System permanenter Revision. Veränderungen entstehen nicht punktuell, sondern durch kontinuierliche Rückkopplung mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen. In diesem Prozess wird das Museum zu einem Ort, an dem Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukünfte gleichzeitig verhandelt werden.