Am Ende führt die Ausstellung dorthin, wo Picasso und Bacon besonders eng mit dem Surrealismus verbunden sind: zum Unbewussten.
Sigmund Freud hatte beschrieben, wie Kultur und gesellschaftliche Ordnung sexuelle Lust und destruktive Triebe begrenzen. Die Surrealisten interessierte gerade das, was hinter diesen Grenzen liegt: Begehren, Tabu, Sadismus, Masochismus, Opfer, Traum und das Unkontrollierbare.
Picasso macht daraus einen Kampf der Gegensätze. Wildheit trifft Vernunft, Sein auf Schein. Im Spätwerk scheint selbst die Farbe ihre Disziplin zu verlieren. Die Leinwand wird zur erogenen Zone; Eros zum Alter Ego des alternden Künstlers.
Auch Bacon überschreitet bewusst die Sexualmoral seiner Zeit. Ab 1953 wird die homosexuelle Liebesszene zu einem zentralen Motiv. Zwei miteinander ringende Männer können zugleich Kampf und Umarmung, Gewalt und Begehren sein. Doch der Tod bleibt immer in der Nähe.
Und hier, am Ende dieses Rundgangs, schließt sich der Kreis zurück zu jenem jungen Bacon, der 1927 vor Picassos Bildern stand und darin etwas erkannte, das sein Leben verändern sollte. Noch 1984 sagt er über Picassos Badende: „Picassos kleine Badende am Strand sind zutiefst unillustrativ und doch zutiefst wirklich.“
Vielleicht liegt darin der Schlüssel zu dieser außergewöhnlichen Begegnung in der ALBERTINA. Picasso und Bacon wollten den Menschen nicht schöner, richtiger oder verständlicher machen. Sie zerstörten seine vertraute Gestalt, um etwas sichtbar zu machen, das sich mit Ähnlichkeit allein nicht zeigen lässt.
Denn manchmal muss die menschliche Figur erst zerbrechen, bevor Kunst erzählen kann, wie es sich anfühlt, Mensch zu sein.