Reisepass von Günter Grass ab 1981 mit zahlreichen Einreisestempeln, Passfoto und handschriftlicher Signatur – © Michael Haydn
Reisepass von Günter Grass ab 1981 mit zahlreichen Einreisestempeln, Passfoto und handschriftlicher Signatur – © Michael Haydn – Mit freundlicher Genehmigung von: LuebeckerMuseen / Die Lübecker Museen

Was: Presse

Wann: 19.02.2026

Günter Grass, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit und Literaturnobelpreisträger von 1999, kehrt nach Lübeck zurück – mit Werkzeugen, Büchern und Spuren eines Lebens. Mit seinem Debütroman „Die Blechtrommel“ (1959) erlangte er Weltruhm. Nun gewinnt das Günter Grass-Haus durch den Ankauf zentraler Objekte aus dem Behlendorfer Atelier und die Schenkung seiner Nobelpreisträgerbibliothek erstmals persönliche Zeugnisse aus dem unmittelbaren Arbeitsumfeld des Autors.

 

Brief von Horst Janssen mit handkolorierter Zeichnung: links ein Mädchenporträt, rechts ein Totenkopf mit blauen und roten Akzenten, darunter handschriftlicher Text – © Michael Haydn
Brief von Horst Janssen mit handkolorierter Zeichnung: links ein Mädchenporträt, rechts ein Totenkopf mit blauen und roten Akzenten, darunter handschriftlicher Text – © Michael Haydn – Mit freundlicher Genehmigung von: LuebeckerMuseen / Die Lübecker Museen

Dem Günter Grass-Haus ist es im vergangenen Jahr mit Hilfe des Beauftragten für Kultur und Medien gelungen, einen Teil des Nachlasses von Günter Grass aus Behlendorf anzukaufen. In dem rund 25 Kilometer von Lübeck entfernten Ort lebte der Literaturnobelpreisträger gemeinsam mit seiner Frau Ute von 1986 bis zu seinem Tod im Jahr 2015. Bis vor kurzem befanden sich dort noch seine Arbeitsmaterialien wie Bildhauerwerkzeuge, Malutensilien und Schreibgeräte, seine Bibliothek mit rund 4.500 Bänden sowie persönliche Gegenstände, die ihn zu neuen Ideen anregten – von Reisemitbringseln bis hin zu plattgefahrenen Fröschen. Ein Teil dieser wertvollen Objekte wurde nun nach Lübeck überführt. Ab 2027, im Festjahr „100 Jahre Günter Grass“, sollen sie dauerhaft im Günter Grass-Haus ausgestellt werden. Die Exponate wurden in den vergangenen Monaten digitalisiert, um eine umfassende wissenschaftliche Erforschung seines Werkes zu ermöglichen.

Günter Grass hinterließ in seinem Atelier einen umfangreichen künstlerischen Nachlass, aus dem das Günter Grass-Haus rund 800 Objekte für 30.000 Euro mithilfe des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien von der Günter und Ute Grass Stiftung erworben hat. Zusätzlich erhielt das Haus die Nobelpreisträgerbibliothek als Schenkung. In den vergangenen Monaten wurden die Objekte und Bücher vom Team des Günter Grass-Hauses in Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister inventarisiert und digitalisiert. Die Sammlung mit einem Schwerpunkt auf der Literatur der Nachkriegszeit enthält zahlreiche Widmungsexemplare, die das weitverzweigte literarische Netzwerk des Autors sichtbar machen. Marginalien, Annotationen und handschriftliche Anmerkungen geben Einblick in seinen intellektuellen Arbeitsprozess.

Olivetti Lettera 32 Schreibmaschine von Günter Grass im geöffneten Koffer, grün lackiert mit schwarzer Tastatur – © Michael Haydn
Fotografie von Helene Elisabeth Grass, geborene Knoff, Mutter von Günter Grass © Michael Haydn
Olivetti Lettera 32 Schreibmaschine von Günter Grass im geöffneten Koffer, grün lackiert mit schwarzer Tastatur – © Michael Haydn • Fotografie von Helene Elisabeth Grass, geborene Knoff, Mutter von Günter Grass © Michael Haydn – Mit freundlicher Genehmigung von: LuebeckerMuseen / Die Lübecker Museen

„Für das Günter Grass-Haus ist der Ankauf dieses gewichtigen Teils des Nachlasses ein bedeutender Meilenstein. Bislang verfügte das Museum über keine persön­lichen Gegenstände oder Bücher aus dem Nachlass von Günter Grass, son­dern lediglich über Manuskripte und bildkünstlerische Arbeiten. Mit diesen neuen Exponaten – darunter Arbeitsmaterialien, Werkzeuge und Bücher aus Grass' privater Bibliothek – können 30 Jahre seines literarischen und bildkünstlerischen Schaffens bewahrt, erforscht und der Öffentlichkeit veran­schaulicht werden“, so der Direktor des Günter Grass-Hauses, Dr. Jörg-Philipp Thomsa. „In vielen Titeln sind persönliche Widmungen anderer Autor:innen wie Salman Rushdie oder John Irving enthalten. Günter Grass hat Text­stellen häufig markiert und abgebrannte Streichhölzer als Lesezeichen benutzt, die sich noch immer in den Büchern befinden. Dadurch lassen sich wertvolle Rückschlüsse auf sein eigenes Schaffen ziehen. Durch die Digitalisierung können sich internationale Wissen­schaftler:innen mit dem Werk von Günter Grass beschäftigen, ohne physisch vor Ort sein zu müssen.“

Die Objekte aus dem Behlendorfer Nachlass von Günter Grass werden derzeit sicher im Depot der LÜBECKER MUSEEN verwahrt. Perspektivisch sollen sie zu einem zentralen Bestandteil der neuen Dauerausstellung des Günter Grass-Hauses werden, die anlässlich des 100. Geburtstags des Literaturnobelpreisträgers im Jahr 2027 eröffnet wird.

Kein anderer Ort war Günter Grass so lange Heimat wie sein Anwesen in Behlendorf im Herzogtum Lauenburg. In dieser abgeschiedenen Ruhe entstand Weltliteratur. Direkt neben seinem Wohnhaus befindet sich ein ehemaliges Stallgebäude, das er als Bibliothek und Atelier nutzte. Hier entstanden Werke wie „Ein weites Feld“ (1995), „Mein Jahrhundert“ (1999), „Im Krebsgang“ (2002), „Beim Häuten der Zwiebel“ (2006) oder „Grimms Wörter“ (2010) sowie zahlreiche Reden, Essays, Briefe und Tagebucheinträge. In seinem Atelier fertigte er unzählige Grafiken, Aquarelle und Plastiken. Das Haus „Am Kanal 1“ und seine Umgebung inspirierten das Werk des Schriftstellers, Grafikers, Bildhauers, Malers und politischen Intellektuellen immer wieder neu – besonders sichtbar in den Wort-Bild-Bänden „Fundsachen für Nichtleser“ (1997), „Eintagsfliegen“ (2012) und „Vonne Endlichkait“ (2015).

Zwischen Schreibmaschine, Skizzen und handbeschriebenen Seiten beginnt in Lübeck ein neues Kapitel der Erinnerung an Günter Grass.

Tags: Günter Grass, Literatur, Weltliteratur, Nobelpreisträger, Schriftsteller, Nachkriegszeit, Manuskripte, Notizbücher, Olivetti

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