„Für das Günter Grass-Haus ist der Ankauf dieses gewichtigen Teils des Nachlasses ein bedeutender Meilenstein. Bislang verfügte das Museum über keine persönlichen Gegenstände oder Bücher aus dem Nachlass von Günter Grass, sondern lediglich über Manuskripte und bildkünstlerische Arbeiten. Mit diesen neuen Exponaten – darunter Arbeitsmaterialien, Werkzeuge und Bücher aus Grass' privater Bibliothek – können 30 Jahre seines literarischen und bildkünstlerischen Schaffens bewahrt, erforscht und der Öffentlichkeit veranschaulicht werden“, so der Direktor des Günter Grass-Hauses, Dr. Jörg-Philipp Thomsa. „In vielen Titeln sind persönliche Widmungen anderer Autor:innen wie Salman Rushdie oder John Irving enthalten. Günter Grass hat Textstellen häufig markiert und abgebrannte Streichhölzer als Lesezeichen benutzt, die sich noch immer in den Büchern befinden. Dadurch lassen sich wertvolle Rückschlüsse auf sein eigenes Schaffen ziehen. Durch die Digitalisierung können sich internationale Wissenschaftler:innen mit dem Werk von Günter Grass beschäftigen, ohne physisch vor Ort sein zu müssen.“
Die Objekte aus dem Behlendorfer Nachlass von Günter Grass werden derzeit sicher im Depot der LÜBECKER MUSEEN verwahrt. Perspektivisch sollen sie zu einem zentralen Bestandteil der neuen Dauerausstellung des Günter Grass-Hauses werden, die anlässlich des 100. Geburtstags des Literaturnobelpreisträgers im Jahr 2027 eröffnet wird.
Kein anderer Ort war Günter Grass so lange Heimat wie sein Anwesen in Behlendorf im Herzogtum Lauenburg. In dieser abgeschiedenen Ruhe entstand Weltliteratur. Direkt neben seinem Wohnhaus befindet sich ein ehemaliges Stallgebäude, das er als Bibliothek und Atelier nutzte. Hier entstanden Werke wie „Ein weites Feld“ (1995), „Mein Jahrhundert“ (1999), „Im Krebsgang“ (2002), „Beim Häuten der Zwiebel“ (2006) oder „Grimms Wörter“ (2010) sowie zahlreiche Reden, Essays, Briefe und Tagebucheinträge. In seinem Atelier fertigte er unzählige Grafiken, Aquarelle und Plastiken. Das Haus „Am Kanal 1“ und seine Umgebung inspirierten das Werk des Schriftstellers, Grafikers, Bildhauers, Malers und politischen Intellektuellen immer wieder neu – besonders sichtbar in den Wort-Bild-Bänden „Fundsachen für Nichtleser“ (1997), „Eintagsfliegen“ (2012) und „Vonne Endlichkait“ (2015).
Zwischen Schreibmaschine, Skizzen und handbeschriebenen Seiten beginnt in Lübeck ein neues Kapitel der Erinnerung an Günter Grass.