Die „Sammlung Gurlitt“ umfasst zwei unterschiedliche kunsthistorische Kontexte: den international bekannten Kunstfund um Hildebrand und Cornelius Gurlitt sowie die Sammlung Wolfgang Gurlitt im LENTOS Kunstmuseum Linz. Während der Münchner Bestand eng mit Fragen der Provenienz und NS-Raubkunst verbunden ist, steht die Linzer Sammlung für bedeutende Werke der klassischen Moderne und des Expressionismus.
Die „Sammlung Gurlitt“ zählt zu den bedeutenden und zugleich komplexesten Konstellationen der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der Begriff bezeichnet nicht eine einheitliche Sammlung, sondern umfasst unterschiedliche historische Zusammenhänge, die bis heute Gegenstand kunsthistorischer und gesellschaftlicher Diskussionen sind.
Der Begriff „Sammlung Gurlitt“ wird unterschiedlich verwendet und umfasst sowohl den sogenannten Kunstfund um Hildebrand und Cornelius Gurlitt als auch die eigenständige Sammlung Wolfgang Gurlitt in Linz. Beide Kontexte unterscheiden sich in Herkunft, Bedeutung und kunsthistorischer Einordnung deutlich.
Zum einen steht der Name Gurlitt für den sogenannten Kunstfund um Hildebrand und Cornelius Gurlitt, der internationale Aufmerksamkeit erregte und heute unter anderem im Kunstmuseum Bern verwahrt wird. Dieser Bestand ist eng mit Fragen der Provenienzforschung und dem Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut verbunden und bildet bis heute einen zentralen Bezugspunkt für die Aufarbeitung des Kunsthandels im Nationalsozialismus.
Davon zu unterscheiden ist die Sammlung Wolfgang Gurlitt, die einen eigenständigen kunsthistorischen Kontext bildet. Als Kunsthändler, Galerist und Vermittler moderner Kunst prägte Wolfgang Gurlitt die Entwicklung der klassischen Moderne im deutschsprachigen Raum maßgeblich. Seine Sammlung, die heute einen zentralen Bestand des LENTOS Kunstmuseums Linz bildet, umfasst bedeutende Werke des Expressionismus, der Neuen Sachlichkeit und weiterer avantgardistischer Strömungen.
Die Linzer Sammlung entstand in einer Zeit tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Umbrüche, in der sich auch der Kunstmarkt nachhaltig veränderte. Werke gelangten unter unterschiedlichsten Bedingungen in den Besitz Gurlitts, wodurch die Sammlung nicht nur ästhetische, sondern auch historische und ökonomische Dimensionen sichtbar macht. Diese Vielschichtigkeit verleiht ihr bis heute eine besondere Relevanz innerhalb der kunsthistorischen Forschung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten Teile der Sammlung die Grundlage der Neuen Galerie in Linz, aus der das heutige LENTOS Kunstmuseum Linz hervorging. Damit ist die Sammlung Wolfgang Gurlitt eng mit der institutionellen Entwicklung moderner und zeitgenössischer Kunst in Österreich verbunden und prägt das Profil des Museums bis in die Gegenwart.
Gleichzeitig steht die Sammlung exemplarisch für die komplexen Verflechtungen von Kunst, Markt und Politik im 20. Jahrhundert. Fragen nach Herkunft, Erwerb und Besitzverhältnissen sind integraler Bestandteil ihrer Rezeption und werden bis heute wissenschaftlich untersucht. Die Sammlung Gurlitt ist damit nicht nur ein bedeutender Bestand der klassischen Moderne, sondern auch ein Ausgangspunkt für die kritische Auseinandersetzung mit Verantwortung und Geschichte im Kunstbetrieb.
Im Spannungsfeld zwischen kunsthistorischer Bedeutung und historischer Aufarbeitung eröffnet die Sammlung Gurlitt einen vielschichtigen Zugang zur Moderne – und zeigt, wie eng künstlerische Entwicklung, Marktmechanismen und gesellschaftliche Bedingungen miteinander verflochten sind.
Max Pechstein Ausstellung Linz – LENTOS & Expressionismus