Ein silberner Pokal mit Relief steht im Zentrum von Jana Gunstheimers Ausstellung „Treibstoff“, umgeben von rotem Stoff, Ornamenten, Ketten und dem Satz „Well behaved women rarely make history“.
Ein silberner Pokal mit Relief steht im Zentrum von Jana Gunstheimers Ausstellung „Treibstoff“, umgeben von rotem Stoff, Ornamenten, Ketten und dem Satz „Well behaved women rarely make history“. – Mit freundlicher Genehmigung von: galeriegladbeck.de / Neue Galerie Gladbeck

Wann: 29.11.2025 - 11.02.2026

Jana Gunstheimer – Treibstoff in der Neuen Galerie Gladbeck

Es ist eine dieser Ausstellungen, die mehr sind als bloße Kunstschau – sie sind Verdichtung, Reflexion, vielleicht auch ein Rätsel. Unter dem Titel „Treibstoff“ zeigt die Neue Galerie Gladbeck vom 29. November 2025 bis 14. Februar 2026 eine umfassende Einzelausstellung der Künstlerin Jana Gunstheimer, deren Werk zwischen Ironie, Erinnerung und materialisierter Erzählung oszilliert.

Erzgebirge trifft auf Ruhrgebiet, Handwerk auf Industriegeschichte, Ideologie auf Symbolkraft. „Erzgebirge trifft auf Ruhrgebiet. Künstlerisches Handwerk auf Industriegeschichte. Ideologische Gemengelage auf kultige Zeichen.“ – schon die Ankündigung der Schau klingt wie ein Manifest, ein feines Spiel mit Gegensätzen, die sich am Ende berühren.

Gunstheimer arbeitet multimedial. „Jana Gunstheimer arbeitet multimedial und schafft eigene bildsprachliche Erzählungen aus Zeichnungen, Malerei und Objekten. Oft zerstört sie dafür bildnerische Vorlagen, vor allem wenn die Macht der Bilder ‚unheimlich‘ zu werden scheint.“ Es ist diese Zerstörung, die zur Erneuerung führt. In ihrer Kunst entstehen Mythen aus Material, Geschichten aus Stoff, Philosophie aus Textur.

Für Gladbeck hat die Künstlerin Textilarbeiten der letzten fünf Jahre zu einer großen Installation zusammengefügt. „Der Parcours ihrer Arbeiten folgt einem fiktiven Grundriss aus unterirdischen Verbindungen des Ruhrgebiets und des Erzgebirges über die alten Stollen des Bergbaus. Wie ein unsichtbares Nervensystem entsteht ein Netz aus Wegen, Labyrinthen und Sackgassen, die in architektonische Kammern oder verschlossenen Wänden enden. Eingewoben in dieses Netz sind auch Historie, Sprache und Erinnerungen.“

Diese unterirdische Metapher zieht sich durch das gesamte Projekt – es ist eine Kunst, die in die Tiefe geht, die sich schichtet wie Sediment. „In den Stoffen, die sie für ihre Arbeiten verwendet, lagern selbst bereits Schichten von Wissen und Bedeutung ein.“ Gunstheimer bearbeitet ihre Materialien mit Erde, Pflanzen, Räucherkerzen, roter Beete, „Stierblut“, Wikinger Met, Kaffee, Pfefferminzschnaps oder Kohle – fast wie eine Alchemistin, die das Alltägliche in Symbolik verwandelt.

Das Färben, Verweben, Zusammenfügen verweist, wie sie selbst zeigt, auf die „Techniken der Volkskunst, als auch auf kultische oder (dubiose) rituelle Handlungen zur Abwehr und Heilung.“ In diesen Oberflächen schwingt Geschichte mit – nicht linear, sondern kreisend, wie ein Echo im Material.

Der zweite Teil der Ausstellung schlägt eine intellektuelle Brücke: „95 THESEN DER KUNST – Ein Kompass zur Desorientierung“, eine groß angelegte Plakatserie aus Handsiebdrucken, die Zitate, Manifeste und Slogans zur Kunst versammelt. Es ist ein Manifest der Verunsicherung – präzise, ästhetisch, typografisch kraftvoll.

Jana Gunstheimer, 1974 in Zwickau geboren, studierte Ethnologie, Kunstgeschichte und Bildende Kunst in Leipzig und Halle, war Stipendiatin in Athen, Ohio und 2010 in der Villa Massimo in Rom. Seit 2016 lehrt sie als Professorin für Experimentelle Malerei und Zeichnung an der Bauhaus-Universität Weimar.

Mit „Treibstoff“ verbindet sie Handwerk und Metapher, Region und Idee – und führt das Publikum auf eine Reise durch Schichten von Bedeutung, Erinnerung und Farbe. Es ist eine Ausstellung über das, was bleibt, wenn das Sichtbare vergeht – und das Unsichtbare zu sprechen beginnt.

Tags: Jana Gunstheimer, Zeichnungen, Malerei

mittwochs – sonntags, 15:00 – 20:00 Uhr