„Richtige Selbstporträts gibt es von mir eigentlich überhaupt nicht, denn das verbreitete Bedürfnis, sich in den Anblick der eigenen Visage zu vertiefen, ist bei mir nur schwach entwickelt und wird anlässlich der täglichen Rasur vollauf befriedigt. Kämmen kann ich mich auswendig, einfach von vorn nach hinten.
Auch auf die Idee, etwas über mich zu schreiben, wäre ich nie gekommen, aber in meinem Club ist es der Brauch, dass jeder immer wieder mal einen kurzen Vortrag zum Besten gibt. Als ich wieder einmal dran war, entschloss ich mich, weil mir nichts anderes einfallen wollte, für die übliche Verlegenheitslösung „Eigenbericht“ und ließ mir sagen, dessen Sinn sei, darzulegen, „wie man der geworden ist, der man ist“.
Eigentlich hätte ich hier sofort passen müssen, denn um der Frage nachzugehen, wie ich der geworden bin, der ich bin, müsste ich erst wissen, wer ich denn bin, damit ich nicht am Ende darzulegen versuche, wie ich einer geworden sei, der ich gar nicht bin, sondern irrtümlicherweise annehme zu sein.“
(Wolfgang Lettl)
Damit erhält die Ausstellung eine zusätzliche Dimension: der erfahrene Künstler und die jungen Stimmen bewegen sich im gleichen Spannungsfeld von Identität, Suche und Selbsterkenntnis. Sie legen offen, was jenseits der sichtbaren Formen liegt – jenes Unbewusste, das im Surrealismus seinen natürlichen Resonanzraum findet.
Eine Ausstellung, die das Gesicht und das Dahinter gleichermaßen ans Licht bringt.