Farbenreiche Glasobjekte auf Stäben mit organischen Mustern und klarer Form, André Gutgesell: Fotos von Lutz Naumann
Farbenreiche Glasobjekte auf Stäben mit organischen Mustern und klarer Form, André Gutgesell: Fotos von Lutz Naumann – Mit freundlicher Genehmigung von: lauscha / Glasmuseum Lauscha

Wann: 19.10.2025 - 15.03.2026

Die Glaskunst steht im Zentrum dieser Ausstellung als eigenständige künstlerische Disziplin, die Farbe, Form und Material zu einer stillen, zugleich hochkonzentrierten Sprache verdichtet. Glas erscheint hier nicht als dekoratives Medium, sondern als Träger eines formalen Denkens, das tief in der europäischen Nachkriegstradition der konstruktiven und konkreten Kunst verwurzelt ist. Zwischen mathematischer Ordnung und sinnlicher Wahrnehmung entfaltet sich ein Werkbegriff, der Präzision und Poesie miteinander verbindet.

Überlagerte Glasformen mit klaren Farben und präziser Geometrie, André Gutgesell: Fotos von Lutz Naumann
Farbig geschichtete Glasform mit konzentrischen Linien ruhig, Angerhofer: Fotos von die Baumgartnerin
Überlagerte Glasformen mit klaren Farben und präziser Geometrie, André Gutgesell: Fotos von Lutz Naumann • Farbig geschichtete Glasform mit konzentrischen Linien ruhig, Angerhofer: Fotos von die Baumgartnerin – Mit freundlicher Genehmigung von: lauscha / Glasmuseum Lauscha

Am Anfang ist immer die Idee“ – dieser Satz bildet den gemeinsamen geistigen Ausgangspunkt der Arbeiten von Marlies & Albert Angerhofer aus dem Züricher Oberland und des Lauschaer Glaskünstlers Andrè Gutgesell. Bei den Angerhofers wird die Idee zur farblichen Komposition von außergewöhnlicher Dichte. Spiralen, Kreise und geometrische Figuren bilden seit vielen Jahren das gestalterische Fundament ihres Werks. Seit Anfang der 1990er Jahre widmen sie sich mit Leidenschaft der Glaskunst, insbesondere dem Glasfusing. Ihre Glasobjekte entstehen aus teils bis zu 10.000 farblich komponierten Glasteilchen, die geschmolzen, in Form gebracht und anschließend aufwendig geschliffen und poliert werden. Farbe wird dabei nicht aufgetragen, sondern strukturell gedacht, als integraler Bestandteil der Form.

Weißes Glasobjekt mit schwebenden Blasenstrukturen und ruhiger Oberfläche, Angerhofer: Fotos von die Baumgartnerin
Weißes Glasobjekt mit schwebenden Blasenstrukturen und ruhiger Oberfläche, Angerhofer: Fotos von die Baumgartnerin – Mit freundlicher Genehmigung von: lauscha / Glasmuseum Lauscha

Im Kontrast dazu steht die ruhige, konzentrierte Formensprache von Andrè Gutgesell, dessen Arbeiten in der Lampentechnik gefertigt werden. Seine Glasobjekte zeichnen sich durch klare Linien, präzise Formgebung und eine zurückgenommene, fast meditative Ästhetik aus. Oft ausgehend von klassischen Gefäßformen, bewegen sich seine Arbeiten souverän zwischen funktionalem Objekt und freier Skulptur. Das Glas wird hier nicht verdichtet, sondern geklärt, auf seine Essenz reduziert und in ein ausgewogenes Verhältnis von Volumen, Licht und Raum gesetzt.

So unterschiedlich die Herstellungstechniken auch sind, verbindet die Arbeiten eine gemeinsame Haltung: Glaskunst als Ergebnis geistiger Disziplin und handwerklicher Meisterschaft zu verstehen. Die Ausstellung führt zwei Positionen zusammen, die das Material Glas aus unterschiedlichen Richtungen denken, es jedoch gleichermaßen ernst nehmen. In der Gegenüberstellung von farblicher Opulenz und formaler Zurückhaltung entsteht ein Spannungsfeld, das die Vielschichtigkeit zeitgenössischer Glaskunst sichtbar macht und ihren kunsthistorischen Stellenwert überzeugend unterstreicht.

Tags: Glaskunst, Glaskünstler, Andrè Gutgesell, Marlies & Albert Angerhofer, Glas, Lampen, Geometrie, Studioglas, Kunsthandwerk, Skulpturen, Zeitgenössische Kunst

Dienstag - Samstag 10:00 - 17:00 Uhr Sonntag und Feiertag 11:00 - 17:00 Uhr