Joseph Wright of Derby, An Experiment on a Bird in the Air Pump, 1768, Kerzenlichtszene mit wissenschaftlichem Experiment, National Gallery London
Joseph Wright of Derby, An Experiment on a Bird in the Air Pump, 1768, Kerzenlichtszene mit wissenschaftlichem Experiment, National Gallery London – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London

Wann: 07.11.2025 - 10.05.2026

Wright of Derby: Aus den Schatten

Es beginnt im Halbdunkel. Ein Licht, das nicht erklärt, sondern fragt. Mit „Wright of Derby: From the Shadows“ richtet die National Gallery den Blick auf einen Künstler, dessen Werk sich der eindeutigen Lesart entzieht und gerade darin seine anhaltende Wirkung entfaltet. Erstmals wird Joseph Wright of Derby (1734–1797) hier nicht nur als Maler der Aufklärung gezeigt, sondern als ein Beobachter ihrer inneren Spannungen.

Im Zentrum steht die sogenannte „Kerzenlicht“-Serie, die zwischen 1765 und 1773 entstand und Wrights Ruf als einer der eindringlichsten Maler seiner Zeit begründete. Die Ausstellung versammelt Schlüsselwerke dieser Phase und führt sie erstmals seit Jahrzehnten wieder zusammen. Darunter befinden sich Gemälde wie „Three Persons Viewing the Gladiator by Candlelight“ (1765), „A Philosopher giving that Lecture on the Orrery in Which a Lamp is Put in Place of the Sun“ (1766) sowie „An Experiment on a Bird in the Air Pump“ (1768), in denen sich wissenschaftliche Neugier und existenzielle Fragestellungen unauflöslich verschränken.

Was hier wie ein beobachteter Moment erscheint, ist in Wahrheit eine präzise konstruierte Szene. Lange vor der Erfindung der Fotografie entsteht ein Bild, das Erinnerung, Vorstellung und Inszenierung miteinander verbindet. Das Licht folgt keiner festen Quelle, sondern einer inneren Ordnung – es ist nicht gesehen, sondern gedacht.

Joseph Wright of Derby, A Philosopher giving that Lecture on the Orrery, 1764–66, Kerzenlichtszene mit astronomischem Modell, Derby Museums
Joseph Wright of Derby, A Philosopher giving that Lecture on the Orrery, 1764–66, Kerzenlichtszene mit astronomischem Modell, Derby Museums – Mit freundlicher Genehmigung von: nationalgallery.org.uk / National Gallery London

Die kuratorische Setzung verschiebt den Blick auf Wright bewusst. An die Stelle des lange gepflegten Bildes eines „Malers des Lichts“ tritt ein Künstler, der das Dunkel ebenso ernst nimmt wie die Erleuchtung. Seine nächtlichen Szenen werden zu Bühnen der Erkenntnis, in denen Zweifel, Faszination und moralische Ambivalenz gleichzeitig präsent sind. Licht erscheint nicht als Triumph, sondern als fragile Erscheinung, die jederzeit in den Schatten zurückgleiten kann.

So erweitert die Ausstellung die kunsthistorische Einordnung des Künstlers innerhalb der Aufklärung. Wright zeigt sich weniger als Chronist wissenschaftlicher Fortschritte denn als sensibler Beobachter jener Übergänge, in denen Wissen, Emotion und Skepsis in ein instabiles Gleichgewicht geraten. Seine Bildräume verbinden die Tradition europäischer Malerei mit einer Inszenierung, die fast theatralisch wirkt und zugleich von stiller Intensität getragen ist.

Neben den Gemälden eröffnet die Ausstellung auch einen materiellen Zugang zur Epoche. Wissenschaftliche Instrumente des 18. Jahrhunderts, darunter ein Orrery und eine Luftpumpe, treten in direkten Dialog mit den Bildern und verdeutlichen die enge Verbindung von Kunst und Erkenntnis. Druckgrafiken ergänzen die Präsentation und machen sichtbar, wie Wright die Reproduktionstechniken seiner Zeit nutzte, um seine Werke über nationale Grenzen hinaus zu verbreiten.

„Wright of Derby: From the Shadows“ ist damit nicht nur eine monografische Ausstellung, sondern eine konzentrierte Annäherung an eine Epoche, in der Licht und Dunkel untrennbar miteinander verbunden sind. Die National Gallery setzt damit einen stillen, präzisen Akzent und lädt dazu ein, einen vertrauten Künstler neu zu sehen – nicht im Glanz, sondern in der Spannung seiner Schatten.

Tags: Joseph Wright of Derby, Licht, Malerei, 18. Jahrhundert, Ausstellung London

Montag – Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr
Freitag: 10:00 – 21:00 Uhr