Erna Rosenstein, Die Verbrennung der Hexe, 1966 Zachęta – National Gallery of Art, Warsaw The Estate of Erna Rosenstein - courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth
Erna Rosenstein, Die Verbrennung der Hexe, 1966 Zachęta – National Gallery of Art, Warsaw The Estate of Erna Rosenstein - courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere Wien

Wann: 03.07.2026 - 10.01.2027

Erna Rosenstein im Belvedere Wien: „Jenseits der Stille“ rückt eine außergewöhnliche Stimme der europäischen Nachkriegskunst erstmals in Österreich ins Rampenlicht. Mit der Ausstellung in Wien widmet das Untere Belvedere der polnischen Künstlerin Erna Rosenstein (1913–2004) vom 3. Juli 2026 bis 10. Jänner 2027 die erste umfassende Retrospektive des Landes. Rund 80 Werke zeichnen das facettenreiche Schaffen einer Künstlerin nach, die persönliche Erfahrungen, historische Traumata und poetische Bildwelten zu einem unverwechselbaren künstlerischen Kosmos verband.

Erna Rosenstein, Triptychon der Stille und des Feuers, 1974 National Museum in Warsaw The Estate of Erna Rosenstein - courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth
Erna Rosenstein, Triptychon der Stille und des Feuers, 1974 National Museum in Warsaw The Estate of Erna Rosenstein - courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere Wien

Erna Rosenstein, eine zentrale Protagonistin der polnischen Nachkriegskunst, wird erstmals in Österreich in einer umfassenden Retrospektive gewürdigt. Vor dem Hintergrund der Shoah und der historischen Umbrüche in Polen zeugen ihre Werke von der Widerstandskraft einer Künstlerin, die unbeirrt an ihren poetischen und künstlerischen Idealen festhielt. Über sechs Jahrzehnte hinweg schuf Rosenstein ein vielschichtiges Œuvre, das Malerei, Zeichnung und Assemblage vereint und Gegenwart, Erinnerung sowie kollektives und persönliches Erleben miteinander verknüpft.

Kuratiert wird die Ausstellung von Stephanie Auer, Assistenzkurator ist Miroslav Haľák.

Schon das Titelmotiv entfaltet eine eindringliche Wirkung. Organische Formen, leuchtende Farben und traumartige Bildräume scheinen zwischen Erinnerung und Imagination zu schweben. Die Komposition zieht den Blick unweigerlich an und vermittelt jene stille, zugleich eindringliche Bildsprache, die Erna Rosensteins Werk unverwechselbar macht.

 Erna Rosenstein  Foto: Tadeusz Rolke, Agencja Gazeta  The Estate of Erna Rosenstein - courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth
Erna Rosenstein Foto: Tadeusz Rolke, Agencja Gazeta The Estate of Erna Rosenstein - courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere Wien
In den frühen 1930er-Jahren verbringt Rosenstein zwei Jahre in Wien, wo sie an der Frauenakademie studiert, sich einer kommunistischen Jugendorganisation anschließt und die Februarkämpfe 1934 unmittelbar erlebt. Aus dieser Zeit sind keine Werke der Künstlerin erhalten. Sie gingen verloren oder wurden angesichts der Verfolgung im von Nazideutschland besetzten Polen vernichtet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs findet Rosenstein zu einer expressiven Bildsprache, um kollektive Gewalterfahrungen, aber auch Fragen von Mitläufertum, Mitverantwortung und Erinnerung zu artikulieren. Während der Zeit des Stalinismus in Polen widersetzt sie sich den Doktrinen des sozialistischen Realismus und hält an einem surrealistisch geprägten Kunstverständnis fest. Als eine der prägenden Stimmen der polnischen Nachkriegsavantgarde formt sie über Jahrzehnte hinweg eine unverwechselbare Bildsprache, die Traum, Erinnerung und Poesie miteinander verbindet.

Rätselhaft-poetische Werktitel öffnen Räume für Erinnerung, Traum und persönliche Erzählungen und verweisen auf die enge Verbindung von Sprache und Bild, die für die Malerin und Dichterin von zentraler Bedeutung ist. In ihren Assemblagen entfaltet sich eine Poesie des Alltäglichen, indem gefundene, gebrauchte und weggeworfene Objekte zu überraschenden und oft ironischen Konstellationen zusammenfinden.

Die Ausstellung versammelt rund 80 Werke – Gemälde, Zeichnungen und Assemblagen – und erzählt von Verfolgung, Flucht, Verlust und Trauer ebenso wie von Resilienz, künstlerischer Unabhängigkeit und der beharrlichen Suche nach neuen Ausdrucksformen. Damit eröffnet das Belvedere einen neuen Blick auf eine der bedeutendsten Künstlerinnen der polnischen Moderne.

Erna Rosenstein, Denkmäler, 1955 National Museum in Warsaw The Estate of Erna Rosenstein – courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth
Erna Rosenstein Ohne Titel undatiert Assemblage Ausstellung Belvedere Wien
Erna Rosenstein, Denkmäler, 1955 National Museum in Warsaw The Estate of Erna Rosenstein – courtesy of Foksal Gallery Foundation and Hauser & Wirth • Erna Rosenstein Ohne Titel undatiert Assemblage Ausstellung Belvedere Wien – Mit freundlicher Genehmigung von: belvedere / Belvedere Wien

Mit „Jenseits der Stille“ präsentiert das Belvedere Wien eine außergewöhnliche Wiederentdeckung der europäischen Nachkriegskunst. Die Retrospektive entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Foksal Gallery Foundation und Hauser & Wirth und macht Erna Rosensteins faszinierendes Werk erstmals in Österreich in dieser umfassenden Form erlebbar.

Tags: Erna Rosenstein, Malerei, Polnische Kunst, Nachkriegskunst, Moderne Kunst, Surrealismus, Retrospektive, Gemälde, Zeichnungen

Die Öffnungszeiten des Belvedere Wien variieren je nach Standort und Ausstellung. Aktuelle Zeiten für Oberes Belvedere, Unteres Belvedere und Belvedere 21 sind tagesaktuell auf der offiziellen Website des Belvedere abrufbar: https://www.belvedere.at/besuch