Fernando Botero – Mona Lisa a los trece años, 1959. Neuinterpretation von Leonardo da Vincis berühmter Mona Lisa in Boteros charakteristischer Bildsprache des Volumens. Das Gemälde markiert einen frühen Wendepunkt seines künstlerischen Schaffens.
Fernando Botero – Mona Lisa a los trece años, 1959. Neuinterpretation von Leonardo da Vincis berühmter Mona Lisa in Boteros charakteristischer Bildsprache des Volumens. Das Gemälde markiert einen frühen Wendepunkt seines künstlerischen Schaffens. – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Wann: 22.07.2026 - 07.09.2026

Die Ausstellung beginnt nicht mit einem jungen Mann aus Kolumbien, sondern mit der Frage, warum Fernando Botero ausgerechnet gegen alle Strömungen seiner Zeit malte. Während New York in den 1960er-Jahren von Abstraktem Expressionismus und Pop Art beherrscht wurde, entschied sich Botero bewusst für die menschliche Figur. Seine berühmten voluminösen Körper waren niemals eine Karikatur des Gewichts. Sie wurden zu seiner Bildsprache für Präsenz, Würde, Sinnlichkeit und Macht. „Botero in New York“ erzählt deshalb nicht die Geschichte eines Erfolgs, sondern die Entstehung einer der unverwechselbarsten Bildsprachen des 20. Jahrhunderts.

Nach ersten Arbeiten in Kolumbien führten Studien Fernando Botero nach Madrid und Florenz, wo er sich intensiv mit Velázquez, Goya, Tizian und den Künstlern der italienischen Renaissance auseinandersetzte. Der entscheidende Wendepunkt kam 1956 während der Arbeit an einer Mandoline. Weil er das Schallloch ungewöhnlich klein malte, wirkte der gesamte Instrumentenkörper plötzlich voller und kraftvoller. Botero erkannte, dass nicht die Größe eines Motivs, sondern die Proportionen seine Wirkung verändern. Aus dieser Entdeckung entwickelte sich jene Bildsprache des Volumens, die bereits drei Jahre später in Mona Lisa a los trece años (1959) ihren ersten ikonischen Ausdruck fand. Als das Museum of Modern Art das Gemälde 1961 erwarb, wurde deutlich, dass Botero nicht nur einen eigenen Stil gefunden hatte, sondern eine künstlerische Handschrift, die bis heute unverwechselbar geblieben ist.

Ausstellungsansicht von Botero in New York im The Breuer, Sotheby's, New York. Gemälde aus Fernando Boteros New Yorker Schaffensjahren zeigen die Entwicklung seiner charakteristischen Bildsprache des Volumens.
Ausstellungsansicht von Botero in New York im The Breuer, Sotheby's, New York. Gemälde aus Fernando Boteros New Yorker Schaffensjahren zeigen die Entwicklung seiner charakteristischen Bildsprache des Volumens. – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Als Botero 1960 mit nur 200 Dollar nach New York kam, war die Idee seiner Bildsprache bereits geboren. Doch erst hier musste sie sich behaupten. Stundenlang studierte er im Metropolitan Museum of Art Werke von Leonardo, Velázquez, El Greco, Rubens und Cézanne. Das Museum wurde für ihn weniger ein Ort des Staunens als vielmehr ein Atelier des Sehens. Er suchte nicht nach einem Bruch mit der Vergangenheit, sondern nach einer eigenen Antwort auf die großen Meister.

Fernando Botero – Still Life with Watermelon. Monumentales Stillleben mit Wassermelone, Birnen, Pfirsichen, Kaffeekanne und Früchten als Ausdruck von Boteros charakteristischer Bildsprache des Volumens.
Fernando Botero – Still Life with Watermelon. Monumentales Stillleben mit Wassermelone, Birnen, Pfirsichen, Kaffeekanne und Früchten als Ausdruck von Boteros charakteristischer Bildsprache des Volumens. – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Die Ausstellung macht deutlich, dass genau diese Haltung den Unterschied ausmachte. Während viele Künstler ihrer Zeit nach radikal neuen Ausdrucksformen suchten, entwickelte Botero seine Kunst aus der Tradition heraus weiter. Seine Figuren wurden nicht größer, weil er kräftige Menschen malen wollte. Er gab allem mehr Volumen – Menschen, Tieren, Früchten, Instrumenten und selbst Alltagsgegenständen. Das Volumen wurde zu seiner Sprache. Jede Figur gewinnt Präsenz, jeder Gegenstand Bedeutung. Seine Malerei verlangsamt den Blick und lädt dazu ein, Form, Ruhe und Würde neu wahrzunehmen.

Fernando Botero – Los Ricos, 1967. Elegantes Figuren eines wohlhabenden Paares mit Hund. Das Gemälde zeigt Boteros charakteristische Bildsprache des Volumens sowie seine feine Beobachtung von Status, Würde und gesellschaftlicher Inszenierung.
Fernando Botero – Mujer en la playa. Sitzender Frauenakt am Strand mit Blick zum Meer. Das Gemälde verkörpert Boteros charakteristische Bildsprache des Volumens sowie Ruhe, Sinnlichkeit und zeitlose Präsenz.
Fernando Botero – Los Ricos, 1967. Elegantes Figuren eines wohlhabenden Paares mit Hund. Das Gemälde zeigt Boteros charakteristische Bildsprache des Volumens sowie seine feine Beobachtung von Status, Würde und gesellschaftlicher Inszenierung. • Fernando Botero – Mujer en la playa. Sitzender Frauenakt am Strand mit Blick zum Meer. Das Gemälde verkörpert Boteros charakteristische Bildsprache des Volumens sowie Ruhe, Sinnlichkeit und zeitlose Präsenz. – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Auffallend sind dabei auch die Gesichter seiner Figuren. Große Augen, kleine Münder, runde Gesichtsformen und eine fast kindliche Ruhe verleihen ihnen eine stille Unschuld. Im Zusammenspiel mit den monumentalen Körpern entsteht eine eigentümliche Spannung zwischen Sanftheit und Präsenz, die wesentlich zur unverwechselbaren Wirkung seiner Kunst beiträgt.

Fernando Botero – Autorretrato a la edad de 1 año. Selbstporträt des Künstlers als einjähriges Kind mit Malpalette. Das Gemälde verweist auf Boteros frühe Berufung und seine charakteristische Bildsprache des Volumens.
Fernando Botero – Autorretrato a la edad de 1 año. Selbstporträt des Künstlers als einjähriges Kind mit Malpalette. Das Gemälde verweist auf Boteros frühe Berufung und seine charakteristische Bildsprache des Volumens. – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus
Vor diesem Selbstporträt entsteht beinahe der Eindruck, als hätte Botero seine Berufung nie gesucht. Das einjährige Kind hält bereits eine Malpalette in den Händen und blickt den Betrachter mit einer Gelassenheit an, die keinen Zweifel kennt. Nicht Ehrgeiz spricht aus diesem Bild, sondern die stille Gewissheit, dass Malerei für Botero nie nur ein Beruf, sondern von Anfang an eine Bestimmung war. Gerade diese innere Überzeugung gab ihm die Kraft, den Widerständen in New York treu zu bleiben.

Die Jahre in New York waren dennoch von Rückschlägen geprägt. Zwei große Ausstellungen wurden von Teilen der Kritik scharf angegriffen. Seine Tochter Lina Botero erinnert sich: „it was the first time I ever saw my father truly depressed. He was not at all a depressive person, but the art critics were so vicious and so brutal against him and his work that it was really, really hard for him."

Gerade in einer Zeit, in der sich die Kunstwelt dem Abstrakten Expressionismus und der Pop Art zuwandte, hielt Botero unbeirrt an seiner eigenen Bildsprache fest. Während manche Kritiker seine Arbeiten ablehnten, erkannten andere bereits die Eigenständigkeit eines Künstlers, der sich bewusst jeder Mode entzog.

Fernando Botero – Le Buffet. Monumentales Stillleben mit festlich gedecktem Tisch, Schinken, Früchten, Kuchen und Fliegen. Das Gemälde verbindet Überfluss, feinen Humor und Boteros charakteristische Bildsprache des Volumens.
Fernando Botero – Familia Protestante. Familienporträt mit Mutter, Kindern und Hund als monumentale Komposition. Das Gemälde verbindet familiäre Nähe mit Boteros charakteristischer Bildsprache des Volumens.
Fernando Botero – Le Buffet. Monumentales Stillleben mit festlich gedecktem Tisch, Schinken, Früchten, Kuchen und Fliegen. Das Gemälde verbindet Überfluss, feinen Humor und Boteros charakteristische Bildsprache des Volumens. • Fernando Botero – Familia Protestante. Familienporträt mit Mutter, Kindern und Hund als monumentale Komposition. Das Gemälde verbindet familiäre Nähe mit Boteros charakteristischer Bildsprache des Volumens. – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Auch die Erinnerungen seiner Kinder verleihen der Ausstellung eine persönliche Ebene. Während Botero wirtschaftliche Unsicherheit und Zweifel erlebte, erinnern sie sich an eine glückliche Kindheit zwischen Kolumbien und New York. Gemeinsam besuchten sie immer wieder Musicals wie The Sound of Music oder Mary Poppins. Diese Leichtigkeit findet sich auch in vielen seiner Werke wieder. Fliegen umschwirren ein üppiges Buffet, ein Junge ringt bei seiner Erstkommunion mit Engel und Teufel, eine Frau versucht vergeblich, ihren Körper mit einem viel zu kleinen Handtuch zu bedecken. Botero beobachtet den Menschen nie spöttisch. Seine Figuren besitzen Humor, Wärme und eine stille Würde.

Fernando Botero – The Botero Exhibition. Gemälde einer Ausstellung mit Besuchern vor Werken des Künstlers. Botero verbindet Humor, Selbstreflexion und seine charakteristische Bildsprache des Volumens zu einer Hommage an die Kunst.
Fernando Botero – The Botero Exhibition. Gemälde einer Ausstellung mit Besuchern vor Werken des Künstlers. Botero verbindet Humor, Selbstreflexion und seine charakteristische Bildsprache des Volumens zu einer Hommage an die Kunst. – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Die Präsentation bei Sotheby's ist weit mehr als eine klassische Ausstellung. Zahlreiche Schlüsselwerke aus den prägenden New Yorker Jahren werden im Rahmen einer kuratierten Verkaufsausstellung angeboten. Hinter dem Hinweis „Price upon request“ verbergen sich Arbeiten, deren Marktwert häufig im Millionenbereich liegt. Die Ausstellung verbindet damit Kunstgeschichte und Kunstmarkt auf eindrucksvolle Weise und zeigt, weshalb Fernando Botero heute zu den international bedeutendsten Blue-Chip-Künstlern zählt.

Fernando Botero – Leda and the Swan. Monumentale Bronzeskulptur nach der griechischen Mythologie. Botero interpretiert den antiken Mythos mit seiner charakteristischen Bildsprache des Volumens und verbindet klassische Erzählung mit zeitloser Präsenz.
Fernando Botero – Leda and the Swan. Monumentale Bronzeskulptur nach der griechischen Mythologie. Botero interpretiert den antiken Mythos mit seiner charakteristischen Bildsprache des Volumens und verbindet klassische Erzählung mit zeitloser Präsenz. – Mit freundlicher Genehmigung von: sothebys.com / Sotheby’s Auktionshaus

Am Ende wird deutlich, dass New York Fernando Botero nicht deshalb geprägt hat, weil die Stadt ihn sofort verstand, sondern weil sie ihn zwang, seiner eigenen Überzeugung treu zu bleiben. Aus einer kleinen formalen Entdeckung an einer Mandoline entwickelte sich eine Bildsprache, die Menschen, Tiere, Früchte und Skulpturen gleichermaßen prägte und heute weltweit unverwechselbar ist. Die Ausstellung erzählt deshalb nicht nur den Weg eines jungen Künstlers, sondern den Moment, in dem aus einer Idee eine der markantesten künstlerischen Handschriften des 20. Jahrhunderts entstand. Man verlässt die Ausstellung mit dem Eindruck, dass große Kunst selten dort entsteht, wo Zustimmung wartet – sondern dort, wo ein Künstler den Mut hat, seiner eigenen Vorstellung von der Welt zu folgen.

Tags: Fernando Botero, Malerei, Figurative Kunst, Lateinamerikanische Kunst, Moderne Kunst, Zeitgenössische Kunst, Kunstgeschichte, Kunstmarkt, Blue Chip Art, Pop Art

Montag bis Samstag: 10:00–17:00 Uhr
Sonntag: 13:00–17:00 Uhr