Die Ausstellung beginnt nicht mit einem jungen Mann aus Kolumbien, sondern mit der Frage, warum Fernando Botero ausgerechnet gegen alle Strömungen seiner Zeit malte. Während New York in den 1960er-Jahren von Abstraktem Expressionismus und Pop Art beherrscht wurde, entschied sich Botero bewusst für die menschliche Figur. Seine berühmten voluminösen Körper waren niemals eine Karikatur des Gewichts. Sie wurden zu seiner Bildsprache für Präsenz, Würde, Sinnlichkeit und Macht. „Botero in New York“ erzählt deshalb nicht die Geschichte eines Erfolgs, sondern die Entstehung einer der unverwechselbarsten Bildsprachen des 20. Jahrhunderts.
Nach ersten Arbeiten in Kolumbien führten Studien Fernando Botero nach Madrid und Florenz, wo er sich intensiv mit Velázquez, Goya, Tizian und den Künstlern der italienischen Renaissance auseinandersetzte. Der entscheidende Wendepunkt kam 1956 während der Arbeit an einer Mandoline. Weil er das Schallloch ungewöhnlich klein malte, wirkte der gesamte Instrumentenkörper plötzlich voller und kraftvoller. Botero erkannte, dass nicht die Größe eines Motivs, sondern die Proportionen seine Wirkung verändern. Aus dieser Entdeckung entwickelte sich jene Bildsprache des Volumens, die bereits drei Jahre später in Mona Lisa a los trece años (1959) ihren ersten ikonischen Ausdruck fand. Als das Museum of Modern Art das Gemälde 1961 erwarb, wurde deutlich, dass Botero nicht nur einen eigenen Stil gefunden hatte, sondern eine künstlerische Handschrift, die bis heute unverwechselbar geblieben ist.