Auch die DDR gibt Kindern ihre gebaute Gegenwart in die Hand. Beim „Kleinen Großblock-Baumeister“ lassen sich um 1980 Plattenbauten zusammensetzen. Was zunächst wie harmloses Spielzeug erscheint, erzählt zugleich von Industrialisierung, Wohnungsbau und der politischen Vorstellung, Architektur durch Standardisierung für eine ganze Gesellschaft verfügbar zu machen.
Kleine Architekten einer Erwachsenenwelt
Doch für wen waren diese Kästen eigentlich gedacht?
Historische Verpackungen zeigen Kinder häufig erstaunlich konzentriert. Bauen erscheint nicht als beiläufiger Zeitvertreib. Die komplizierten Anleitungen verlangten Geduld, räumliches Denken und Disziplin. Kinder wurden als „kleine Baumeister“ und „kleine Architekten“ angesprochen – beinahe wie Erwachsene im Kleinformat.
Auch darin spiegelt sich Gesellschaftsgeschichte. Mädchen tauchen auf den Verpackungen lange überwiegend als Zuschauerinnen auf. Erst ab den 1960er Jahren beginnt sich dieses Bild langsam zu verändern.
So erzählen die Schachteln nebenbei davon, wem man zutraute, die Welt zu bauen – und wem zunächst nur erlaubt wurde, dabei zuzusehen.
900 Hersteller und eine beinahe vergessene Welt