Installation view of Richard Prince, 1989, Jay Gorney Modern Art in collaboration with Barbara Gladstone, New York. Courtesy of Jay Gorney Modern Ar
Installation view of Richard Prince, 1989, Jay Gorney Modern Art in collaboration with Barbara Gladstone, New York. Courtesy of Jay Gorney Modern Ar – Mit freundlicher Genehmigung von: independenthq.com / Independent 20th Century

Was: Presse

Wann: 21.11.2025

New York Gallery History Project: Ein digitales Gedächtnis für eine verschwundene Kunstwelt

In New York, wo die Straßen seit Jahrzehnten die Träume der modernen Kunst tragen, erscheint nun das erste Kapitel eines ambitionierten Vorhabens, das die Geschichte nicht vergisst, sondern neu zugänglich macht. Das New York Gallery History Project hat seinen ersten Archivband veröffentlicht – und widmet ihn einer Galerie, die die Energie und das Risiko der East-Village-Szene der 1980er Jahre wie kaum eine andere verkörperte: Jay Gorney Modern Art.

Die Galerie Jay Gorney Modern Art war zwischen 1985 und 1998 einer jener Orte, an denen New York seinen künstlerischen Pulsschlag neu definierte. Gegründet von Jay Gorney im Herzen der East-Village-Szene, wurde die Galerie rasch zu einem Labor für radikale Ideen, für konzeptuelle Experimente und für Künstler, die die visuellen und politischen Grenzen ihrer Zeit verschoben. Sie vertrat Persönlichkeiten wie Barbara Bloom, Haim Steinbach, Catherine Opie und Tim Rollins + K.O.S., lange bevor viele von ihnen internationale Anerkennung fanden. Jay Gorney Modern Art war ein Raum, der Kunst nicht nur zeigte, sondern Fragen stellte, Debatten auslöste und jene fruchtbare Spannung zwischen Intellekt und Intuition kultivierte, die die Kunst der achtziger und neunziger Jahre prägte. Ihre Ausstellungen verbanden den Mut des Neuen mit der Präzision einer kuratorischen Handschrift, die bis heute nachwirkt.

Die Initiative wird von der Los-Angeles-Organisation Contemporary Art Library gemeinsam mit Independent getragen und möchte ein frei zugängliches Online-Archiv jener Kunsträume schaffen, die die Stadt geprägt haben, auch wenn ihre Türen längst geschlossen sind. Über 90 Ausstellungen von 1985 bis zur Schließung 1998 wurden nun erstmals online zugänglich – ein Fenster in eine Ära voller radikaler Ideen und künstlerischer Abenteuer.

 Installation view of Eadweard Muybridge, Michael Snow, Haim Steinbach, 1995, Jay Gorney Modern Art, New York. Courtesy of Jay Gorney Modern Art. Eadweard Muybridge, Michael Snow, Haim Steinbach February 11 - March 18, 1995 Jay Gorney Modern Art 100 Greene Street, New York Installation view of "Eadweard Muybridge, Michael Snow, Haim Steinbach," 1995, Jay Gorney Modern Art, New York. Courtesy Jay Gorney Modern Art
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Installation view of Eadweard Muybridge, Michael Snow, Haim Steinbach, 1995, Jay Gorney Modern Art, New York. Courtesy of Jay Gorney Modern Art. Eadweard Muybridge, Michael Snow, Haim Steinbach February 11 - March 18, 1995 Jay Gorney Modern Art 100 Greene Street, New York Installation view of "Eadweard Muybridge, Michael Snow, Haim Steinbach," 1995, Jay Gorney Modern Art, New York. Courtesy Jay Gorney Modern Art • nstallation view of Tim Rollins + K.O.S., 1988, Jay Gorney Modern Art, New York. Courtesy of Jay Gorney Modern Art; – Mit freundlicher Genehmigung von: independenthq.com / Independent 20th Century

In Artnews beschreibt Maximilíano Durón das Projekt als „the largest digitalization project that Contemporary Art Library has taken on thus far“. Jay Gorney selbst spricht von einem „living archive“, das weiter wachsen werde, und betont, der Prozess sei „very meaningful and very moving“. Elizabeth Dee, die treibende Kraft hinter dem Projekt, erinnert daran, weshalb dieses digitale Erinnern notwendig ist: „people are not getting credit for the curatorial work they’re doing in galleries if their galleries close“. Und sie ergänzt: „The market is a part of art history—they are speaking to each other“. Es sind Worte, die jenen subtilen Dialog zwischen Wirtschaft und Vision offenlegen, der die Geschichte der Kunst immer begleitet hat.

Auch Artnet widmete der Veröffentlichung Aufmerksamkeit und nannte das entstehende Archiv „a treasure trove of New York gallery history“. Jay Gorney blickte dort auf die Höhepunkte seines Programms zurück: „There was Barbara Bloom’s The Reign of Narcissism, an extraordinary installation. Haim Steinbach’s Adirondack Tableau was a gallery-spanning architectural piece that one still remembers. There were Gillian Wearing’s videos, David Deutsch’s Rotunda paintings, and Joel Otterson’s Disco’s Bed/Rocking ‘Craftmatic’ Disco, Canopy Bed, that played nonstop disco tunes. Jessica Stockholder’s shows in the early ‘90s were influential to so many artists, and there was Martha Rosler’s show of airport photographs ‘In the Place of the Public,’ the Tim Rollins + K.O.S. show of [the first] Scarlet Letter painting, James Welling’s show of railroad photographs, and Alexis Rockman’s monumental paintings. One could go on!

Installation view of Haim Steinbach, 1988, Jay Gorney Modern Art, New York. Courtesy of Jay Gorney Modern Art.
Installation view of Haim Steinbach, 1988, Jay Gorney Modern Art, New York. Courtesy of Jay Gorney Modern Art. – Mit freundlicher Genehmigung von: independenthq.com / Independent 20th Century

Der Ursprung des Projekts, wie The Art Newspaper berichtet, liegt in einer einfachen, aber tiefen Sorge: dem Verschwinden eines kulturellen Gedächtnisses. Jillian Billard zeichnete nach, wie Elizabeth Dee über Lisa Darms mit Forrest Arakawa-Nash in Kontakt kam, um die Vision umzusetzen. „A gallery programme represents a particular moment in time and culture, facilitating movements around artistic expressions and ways of thinking. If a gallery fades away over years or decades, we risk losing that entire legacy.“ Dee vergleicht eine Galerie mit einer Rockband – eine präzise, poetische Analogie, die die Energie jener Jahre spürbar macht.

Das New York Gallery History Project schreibt diese vergänglichen Geschichten neu in die Zukunft ein. Es bewahrt nicht nur Räume, sondern Atmosphären; nicht nur Ausstellungen, sondern Denkweisen. Ein Archiv, das atmet – lebendig wie die Stadt, die es hervorgebracht hat.

Und während dieses Archiv den Blick zurückschärft, richtet Independent selbst den Blick nach vorn. Vom 14. bis 17. Mai 2026 kehrt Independent nach New York zurück – eine Messe, die seit ihrer Gründung für mutige Programme, konzentrierte Präsentationen und eine unverwechselbare kuratorische Handschrift steht. Sammler, Kuratoren und Kunstliebhaber dürfen sich auf ein Format freuen, das stets auf die Zukunft zielt und gleichzeitig die Vielfalt der Gegenwart feiert. Auch 2026 wird Independent wieder jene intime Atmosphäre schaffen, die mehr an ein kuratorisches Labor erinnert als an eine klassische Messe.

Tags: Malerei, Kunstwelt, Konzeptkunst, Fotografie, Schwarzweißfotografie‎, Farbfotografie, 80 Jahre, 90. Jahre, Video Kunst, Medienkunst

14. bis 17. Mai 2026 kehrt Independent nach New York