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Im Zentrum dieser Ausstellung steht ein kunsthistorischer Begriff, der in der zeitgenössischen Kunst längst zu einem unverzichtbaren Deutungsrahmen geworden ist: Ökologie als ästhetische, politische und körperliche Erfahrung. Bei Otobong Nkanga ist Ökologie kein illustratives Thema, sondern eine Denkform, ein komplexes System aus Schichten, Abhängigkeiten und Verletzungen, das sich in Material, Raum und Körper einschreibt. Ihre erste monografische Ausstellung in einem Pariser Museum, gezeigt im Musée d’Art Moderne de Paris, entfaltet diese Perspektive mit eindringlicher Klarheit.
Seit den späten 1990er-Jahren entwickelt Nkanga eine künstlerische Sprache, in der der menschliche Körper und das Territorium untrennbar miteinander verbunden sind. Landschaft erscheint nicht als Hintergrund, sondern als handelndes Gegenüber, als Speicher von Geschichte, Ausbeutung und Erinnerung. „I think of the Earth as a being, like our body: water, air, tree, stone, plant are beings like our body.“ Dieser Gedanke bildet einen stillen, aber beharrlichen Resonanzraum für die gesamte Ausstellung.
Ausgehend von ihrer eigenen Biografie und von transhistorischen Recherchen entstehen Werke, die Netzwerke zwischen Menschen, Materialien und Landschaften knüpfen. Malerei, Installation, Textil, Performance und Zeichnung greifen ineinander und machen sichtbar, wie Ressourcen zirkulieren, wie Bedeutungen verschoben und wie Gewaltspuren im Material sedimentiert werden. Der zentrale Begriff der Strata, der Schichtung, durchzieht das Werk nicht nur formal, sondern auch konzeptuell. Schichten sind hier geologische Realität, soziale Konstruktion und poetische Metapher zugleich.
Die Ausstellung versammelt frühe Zeichnungen, die erstmals öffentlich gezeigt werden, ebenso wie ikonische Arbeiten und neue Werke. Einige zentrale Installationen wurden von der Künstlerin erneut aktiviert und ortsspezifisch erweitert. Dadurch entsteht eine dichte Choreografie aus Materialien, Farben und Bedeutungen, in der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschränkt sind. Besonders deutlich wird dies in der monumentalen Arbeit From Where I Stand aus dem Jahr 2015, die als Scharnier zwischen Körper, Raum und globalen Materialkreisläufen fungiert.
Nkangas Werk verweigert einfache Antworten. Es stellt Fragen nach Verantwortung, nach Erinnerung und nach möglichen Formen von Reparatur. Ökologie erscheint hier nicht als moralische Parole, sondern als fragile Beziehung, die immer wieder neu verhandelt werden muss. Indem die Künstlerin Ausbeutung sichtbar macht, öffnet sie zugleich einen Raum für Zukunftsvorstellungen, in denen Verbundenheit und Fürsorge eine zentrale Rolle spielen.
Die Ausstellung ist bis zum 22. Februar 2026 in Paris zu sehen und markiert einen wichtigen kunsthistorischen Bezugspunkt für die Auseinandersetzung mit ökologischen Denkmodellen in der Gegenwartskunst. Sie zeigt eindrucksvoll, wie Kunst heute in der Lage ist, komplexe globale Zusammenhänge sinnlich erfahrbar zu machen, ohne ihre poetische Kraft zu verlieren.
Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr
(Die Kassen schließen um 17:15 Uhr)
Donnerstags verlängerte Öffnungszeiten für Wechselausstellungen bis 21:30 Uhr
Geschlossen montags sowie am 1. Januar, 1. Mai und 25. Dezember
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