Carmen Laffón, „Improvised Shelf“, 2002–2003 – skulpturale Installation mit improvisiertem Regal, Gefäßen und weißer Wand. Private Collection. © Carmen Laffón, VEGAP, Madrid, 2026. Foto: Claudio del Campo
Carmen Laffón, „Improvised Shelf“, 2002–2003 – skulpturale Installation mit improvisiertem Regal, Gefäßen und weißer Wand. Private Collection. © Carmen Laffón, VEGAP, Madrid, 2026. Foto: Claudio del Campo – Mit freundlicher Genehmigung von: MuseoThyssen / Museo Thyssen-Bornemisza Madrid

Wann: 23.06.2026 - 27.09.2026

Carmen Laffón gehört zu den bedeutendsten Künstlerinnen Spaniens des 20. Jahrhunderts – und doch ist ihr Name außerhalb ihrer Heimat bis heute erstaunlich wenig bekannt. Mit der großen Ausstellung „Carmen Laffón. Variations“ widmet das Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid der Malerin nun eine umfassende Hommage und lädt dazu ein, ein außergewöhnliches Werk neu zu entdecken.

Vom 23. Juni bis 27. September 2026 versammelt das Thyssen-Bornemisza 77 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen, die mehr als sechs Jahrzehnte künstlerischen Schaffens umfassen. Die Ausstellung ist weit mehr als eine klassische Retrospektive. Sie zeigt eine Künstlerin, die das Unspektakuläre zu großer Malerei erhob und aus Licht, Stille und Zeit eine unverwechselbare Bildsprache entwickelte.

Die Poesie des Alltäglichen

Während viele Künstler ihrer Generation nach spektakulären Motiven suchten, richtete Carmen Laffón ihren Blick auf das, was oft unbeachtet bleibt. Ein Bett im Morgenlicht. Ein Korb aus Leinen. Ein schlichtes Regal. Ein Glas auf einem Tisch. Die Salinen Andalusiens oder die weiten Landschaften des Nationalparks Doñana.

Gerade diese scheinbar einfachen Motive wurden zum Zentrum ihrer Kunst.

Ihre Gemälde erzählen nicht von Ereignissen, sondern vom stillen Vergehen der Zeit. Farben lösen sich in feine Lichtschleier auf, Konturen verschwimmen, Oberflächen beginnen zu atmen. Ihre Malerei besitzt eine beinahe meditative Ruhe, die den Betrachter unweigerlich entschleunigt.

Carmen Laffón, „Still Life with Biscuit Jar“, 1991–1992 – poetisches Stillleben mit Keksdose, Teller und Keramikgefäß. CaixaBank Collection. © Carmen Laffón, VEGAP, Madrid, 2026. Foto: Claudio del Campo
Carmen Laffón, „Still Life with Biscuit Jar“, 1991–1992 – poetisches Stillleben mit Keksdose, Teller und Keramikgefäß. CaixaBank Collection. © Carmen Laffón, VEGAP, Madrid, 2026. Foto: Claudio del Campo – Mit freundlicher Genehmigung von: MuseoThyssen / Museo Thyssen-Bornemisza Madrid

Eine der großen Stimmen der spanischen Gegenwartskunst

Geboren 1934 in Sevilla, entwickelte Carmen Laffón früh eine eigenständige künstlerische Handschrift. Sie studierte an der Escuela de Bellas Artes Santa Isabel de Hungría und gehörte später zu den prägenden Persönlichkeiten der spanischen Kunstszene.

Besondere Anerkennung erhielt sie als zweite Frau überhaupt, die als ordentliches Mitglied in die traditionsreiche Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid aufgenommen wurde – eine Auszeichnung, die ihre außergewöhnliche Stellung innerhalb der spanischen Kunstgeschichte unterstreicht.

Obwohl ihre Werke längst in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten sind, blieb Carmen Laffón stets ihrer eigenen künstlerischen Haltung treu. Fernab modischer Strömungen entwickelte sie über Jahrzehnte eine Malerei von bemerkenswerter Konsequenz und stiller Intensität.

Eine Ausstellung wie ein Gespräch mit dem Werk

Die Ausstellung im Thyssen-Bornemisza verzichtet bewusst auf eine rein chronologische Präsentation. Stattdessen gliedert sie sich in neun Themenbereiche, die zentrale Motive ihres Schaffens miteinander verbinden.

Zu sehen sind unter anderem ihre berühmten Darstellungen der Puppe Marcelina, Körbe, Schränke, Stillleben, die Landschaften des Doñana-Nationalparks, Weinberge sowie die Salinen von Sanlúcar de Barrameda.

So entsteht ein Dialog zwischen frühen und späten Werken und zugleich ein eindrucksvoller Einblick in die Entwicklung einer Künstlerin, die ihr Leben lang dieselben Motive immer wieder neu erforschte.

Carmen Laffón, „Inés Laffón in her Cot“, 1995 – poetisches Gemälde eines schlafenden Kindes in einem Holzbett, durchflutet von sanftem Tageslicht. Private Collection. © Carmen Laffón, VEGAP, Madrid, 2026
Carmen Laffón, „Inés Laffón in her Cot“, 1995 – poetisches Gemälde eines schlafenden Kindes in einem Holzbett, durchflutet von sanftem Tageslicht. Private Collection. © Carmen Laffón, VEGAP, Madrid, 2026 – Mit freundlicher Genehmigung von: MuseoThyssen / Museo Thyssen-Bornemisza Madrid

Licht statt Dramatik

Wer vor einem Gemälde von Carmen Laffón steht, entdeckt keine lauten Gesten und keine spektakulären Inszenierungen. Ihre Bilder leben von feinen Nuancen, atmosphärischen Übergängen und einer beinahe greifbaren Stille.

Gerade darin liegt ihre besondere Stärke.

Ihre Malerei erinnert daran, dass große Kunst nicht laut sein muss. Sie entfaltet ihre Wirkung langsam, beinahe unmerklich – bis der Betrachter erkennt, dass Licht, Raum und Zeit selbst zum eigentlichen Motiv geworden sind.

Warum Carmen Laffón heute neu entdeckt werden sollte

In einer Zeit permanenter visueller Reize wirken Carmen Laffóns Werke erstaunlich aktuell. Sie laden dazu ein, genauer hinzusehen und die Schönheit des Gewöhnlichen neu wahrzunehmen.

Die Ausstellung im Thyssen-Bornemisza bietet deshalb nicht nur einen umfassenden Überblick über das Werk einer bedeutenden spanischen Malerin. Sie eröffnet zugleich die Gelegenheit, eine Künstlerin kennenzulernen, deren leise Bildsprache weit über Spanien hinaus Beachtung verdient.

Vielleicht liegt gerade darin ihre größte Qualität: Carmen Laffón beweist, dass die stillsten Bilder oft die größte Kraft besitzen.

Tags: Carmen Laffón, Malerei, Zeitgenössische Kunst, spanische Kunst, Stillleben, Landschaftsmalerei, Skulpturen, Zeichnungen

Montag, 12.00 – 16.00 Uhr

Dienstag bis Sonntag, 10.00 – 19.00 Uhr